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Österreich bietet Südtirolern Pass an – und erzürnt Italien

Streit zwischen rechten Regierungen  

Österreich bietet Südtirolern Pass an – und erzürnt Italien

18.10.2018, 17:49 Uhr | AFP

Österreich bietet Südtirolern Pass an – und erzürnt Italien. Österreichs Vize-Kanzler Strache und Italiens Innenminister Salvini: Über Grenzen und Pässe geraten die beiden rechten Regierungen in Streit. (Quelle: Reuters/Leonhard Foeger)

Österreichs Vize-Kanzler Strache und Italiens Innenminister Salvini: Über Grenzen und Pässe geraten die beiden rechten Regierungen in Streit. (Quelle: Leonhard Foeger/Reuters)

Österreich will Südtirolern die österreichische Staatsbürgerschaft verleihen. Die Regierung in Rom ist empört. Und widerspricht scharf.

Ein diplomatischer Streit sorgt für Unruhe im beschaulichen Südtirol: Österreichs Vorschlag, Bürgern der italienischen Alpenprovinz die österreichische Staatsbürgerschaft zu verleihen, verärgert die Regierung in Rom – und trifft den Nerv vieler Südtiroler. Bei der am Sonntag stattfindenden Wahl zum Regionalparlament in der autonomen Provinz spielt das Thema zwar eine Nebenrolle – aber die Debatte ist im vollen Gange.

Salvini: "Doppelpass wird es nicht geben"

Der ungewöhnliche Vorstoß des österreichischen Bundeskanzlers Sebastian Kurz war wohl nicht mit der italienischen Regierung abgesprochen. "Sie können nicht ohne unsere Zustimmung Pässe ausgeben", sagte der rechtsradikale Innenminister Matteo Salvini am Wochenende. "Eine doppelte Staatsbürgerschaft wird es nicht geben."

Die meisten Bürger der nördlichsten und wohlhabendsten Provinz Italiens sprechen Deutsch und fühlen sich stärker mit Österreich verbunden als mit Italien. Das italienische Außenministerium hatte sich bereits im September empört, dass Österreich ausgerechnet während seiner EU-Ratspräsidentschaft ein Gesetzesvorhaben vorantreibe, das dazu angetan sei, "Zwietracht zu schüren". Österreichs konservativ-rechtspopulistische Regierung versicherte hingegen, bei diesem sensiblen Thema nicht im Alleingang handeln zu wollen.

Viele würden Doppelpass begrüßen

Das Angebot kommt dem Nationalgefühl vieler Südtiroler entgegen. "Wir haben mit Italien nichts zu tun", sagt etwa der Rentner René in der Provinzhauptstadt Bozen. Die Erlangung der österreichischen Staatsbürgerschaft werde den Südtirolern "das Gefühl zurückgeben, zu unserer österreichischen Heimat dazuzugehören". Auch Maria Eichbichler gefällt die Idee eines Doppelpasses. "Ich fühle mich nicht als Italienerin. Eher als Südtirolerin, als Europäerin, nur mit einem italienischen Pass", sagt die Bozener Ladenbesitzerin.

Das Doppelpass-Angebot aus Wien droht die Provinz zu spalten: Es richtet sich lediglich an die Mehrheit der Deutschsprachigen und an die kleine Minderheit, welche die Lokalsprache Ladinisch spricht – nicht an die italienischsprachigen Südtiroler.

Mehrheit ist deutschsprachig

Südtirol gehörte jahrhundertelang überwiegend zu Österreich, bevor es nach dem Ersten Weltkrieg Italien zugeschlagen wurde. Dort hat es den Status einer autonomen Provinz. Italiens faschistischer Diktator Benito Mussolini ließ in den Zwanzigerjahren die "Italienisierung" Südtirols vorantreiben, doch blieben die meisten Bewohner dem Deutschen verhaftet.

Nach der jüngsten Erhebung aus dem Jahr 2014 bezeichnen sich 64 Prozent der Südtiroler als deutschsprachig, 27 Prozent sprechen vorwiegend Italienisch und vier Prozent Ladinisch. Seit 1948 sind die Rechte der drei Sprachgruppen im Provinzstatut verankert, Südtirol gilt als Modell für gelebte Mehrsprachigkeit. Die Schilder sind dreisprachig, die meisten Südtiroler wechseln mühelos zwischen Deutsch und Italienisch. Kulturell ist Südtirol eindeutig österreichisch geprägt – von der Architektur bis hin zum Apfelstrudel in den Cafés.


Die Idee einer Loslösung von Italien ist aber noch nicht vom Tisch – selbst im Parteiprogramm der regierenden Südtiroler Volkspartei ist das Ziel einer Unabhängigkeit verankert. Nach Ansicht des Spitzenkandidaten Arno Kompatscher, der Südtirols Landeshauptmann ist, sind die meisten Bürger jedoch mit dem Status quo ganz zufrieden. 

Verwendete Quellen:
  • AFP

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