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Cambridge Analytica: Whistleblowerin enthüllt "Manipulation" von Wählern

Einflussnahme auf Wähler  

Whistleblowerin enthüllt "globale Manipulation"

05.01.2020, 16:32 Uhr
Cambridge Analytica: Whistleblowerin enthüllt "Manipulation" von Wählern. Vor dem ehemaligen Büro von Cambridge Analytica in New York: Interne Unterlagen werden nun nach und nach veröffentlicht. (Quelle: Getty Images/Drew Angerer)

Vor dem ehemaligen Büro von Cambridge Analytica in New York: Interne Unterlagen werden nun nach und nach veröffentlicht. (Quelle: Drew Angerer/Getty Images)

Unbekannte veröffentlichen Dokumente, die eine globale Einflussoperation mittels sozialer Medien auf Wähler zeigen sollen. Betroffen sind demnach mehr als 65 Staaten weltweit.

Ein anonymer Account im Kurzbotschaftendienst Twitter macht brisante Dokumente im "Cambridge Analytica"-Skandal öffentlich: Das Material soll belegen, wie das mittlerweile aufgelöste Unternehmen für politische Auftraggeber in 68 Staaten operierte, um Wähler in die Irre zu führen und zu manipulieren. Den Anfang machten vor wenigen Tagen Dokumente zu Brasilien, Kenia, Malaysia und dem Iran sowie zu John Bolton, dem ehemaligen Sicherheitsberater des US-Präsidenten Donald Trump. Zuerst berichtete die britische Zeitung "The Guardian".

Facebook-Daten ausgelesen und analysiert

Das Material soll unter anderem zeigen, wie Bolton die Dienste des Unternehmens nutzte, das von Trumps ehemaligem engen Vertrauten Stephen Bannon mitgegründet wurde. "Cambridge Analytica" sammelte und analysierte im großen Stil personalisierte Daten von Internetnutzern, mit dem Ziel, Wahlverhalten zu beeinflussen. Ein Whistleblower enthüllte 2018 dem "Observer", dass die Datensätze zu einem großen Teil aus einer Sicherheitslücke im Facebook-Netzwerk stammten.

Eine "Channel 4"-Recherche machte anschließend immer weitere zwielichtige Praktiken der Firma zur Manipulation von Wahlen weltweit publik. Unter anderem warb der Geschäftsführer Alexander Nix gegenüber einem Undercover-Reporter mit der Möglichkeit, Kandidaten zu erpressen, zu bestechen oder ihren Ruf zu ruinieren. Er prahlte auch damit, die Wahlkampagne des heutigen US-Präsidenten maßgeblich unterstützt zu haben.

"Schwarzgeld-Maschinerie der US-Politik"

In den kommenden Monaten sollen immer weitere Materialsammlungen veröffentlicht werden, die den Angaben zufolge von der ehemaligen Cambridge-Analytica-Angestellten Brittany Kaiser stammen. Gegenüber dem "Guardian" sagte sie, der Facebook-Skandal sei Teil einer wesentlich größeren Einflussoperation, die Regierungen, Nachrichtendienste, Unternehmen und politische Kampagnen umfasse. 

Demnach belegten E-Mails in dem Material, wie große Spender an US-Präsident Trump die Quellen der Gelder systematisch verschleierten. Das habe sich selbst während der Untersuchung des FBI-Sonderermittlers Robert Mueller fortgesetzt. Mueller hatte im Zuge seiner Ermittlungen zur russischen Einflussnahme auf den US-Wahlkampf auch "Cambridge Analytica" in den Blick genommen. "Diese Dokumente enthüllen die gesamte Schwarzgeld-Maschinerie der US-Politik", sagte Kaiser. 

Das selbe System sei in andere Länder übertragen worden, unter anderem Großbritannien. Laut Recherchen von Investigativ-Journalisten wie Carole Cadwalladr nutzten auch Unterstützer der Brexit-Kampagne die Dienste des Unternehmens. Auch dort sollen Geldflüsse verschleiert worden sein, auch dort wird gemutmaßt, Russland habe das Votum beeinflussen wollen.

Der Daten- und Wahlmanipulationsskandal war 2019 vom Streamingdienst Netflix in der Dokumentation "The Great Hack" aufgearbeitet worden. Damit wurde das komplizierte Thema einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich. Die nun neu zugänglichen Dokumente zeigen laut der Propaganda-Forscherin Emma Briant vom Bard College in New York vor allem eines, sagte sie dem "Guardian": wie eine globale Industrie" zur Manipulation von Wählern außer Kontrolle gerate und beispielsweise auch die US-Wahl 2020 gefährde. Zwar sei "Cambridge Analytica" nicht mehr im Geschäft – die selben Akteure seien aber weiter aktiv und verwendeten die gleichen Techniken.

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