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Russische Hacker greifen US-Rüstungsindustrie an

ap, Jeff Donn, Desmond Butler, Raphael Satter

Aktualisiert am 11.02.2018Lesedauer: 3 Min.
US-Drohne vom Typ MQ-9: Technische Informationen über amerikanische Rüstungsprodukte würden Russland einen Vorsprung verschaffen.
US-Drohne vom Typ MQ-9: Technische Informationen über amerikanische Rüstungsprodukte würden Russland einen Vorsprung verschaffen. (Quelle: Massoud Hossaini/dpa-bilder)
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Raketen, Drohnen, Stealth-Jets: Kaum ein Erzeugnis der amerikanischen Waffenhersteller, das für russische Hacker nicht interessant ist. Mittels einer Phishing-Kampagne versuchten sie anscheinend, US-Spezialisten auszuschnüffeln.

Selbst die sichersten Netzwerke haben oft eine banale Schwachstelle: die Menschen, die mit ihnen arbeiten. Genau das haben sich Hacker aus Russland offenbar zunutze gemacht, um an sensible Informationen über Systeme der US-Streitkräfte zu kommen. Ob und in welchem Umfang Daten tatsächlich gestohlen werden konnten, ist unklar. Fest steht aber, dass mindestens 87 Personen mit Zugang zu geheimen Militärprojekten angegriffen worden sind.

Die Strategie war denkbar simpel: Spezialisten für Drohnen, Raketen, Tarnkappenjets oder Cloud-Computing-Plattformen wurden über private E-Mail-Konten angeschrieben und dabei zum Klicken auf bestimmte Links verleitet. Wie Nachforschungen der AP ergaben, waren auch Mitarbeiter von weltweit tätigen Konzernen wie Lockheed Martin, Raytheon, Boeing, Airbus und General Atomics betroffen. Keines der Unternehmen wollte sich auf Anfrage zu dem Thema äußern.

"Auch unsere Verteidigung in Gefahr"

Hinter den digitalen Angriffen steckt die unter dem Namen "Fancy Bear" bekannte Gruppe, die sich schon bei der US-Präsidentschaftswahl im Jahr 2016 eingemischt haben soll. Bei den ausgewählten Projekten und Personen handele es sich um einige der technisch fortschrittlichsten überhaupt, sagt Charles Sowell, ein ehemaliger Berater des Nationalen Geheimdienstdirektors, der die Namensliste für die AP überprüft hat. "Wenn diese Programme in irgendeiner Weise kompromittiert werden sollten, dann wären sowohl unser Wettbewerbsvorsprung als auch unsere Verteidigung in Gefahr."

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Sowell zählt selbst zu den Personen auf der Liste - und er ist einer von 31 Betroffenen, die sich zu einem Interview mit der AP bereit erklärt haben. Identifiziert wurden die Personen anhand von Daten der amerikanischen IT-Sicherheitfirma Secureworks. Die verfügbaren Quellen stammten aus der Zeit von März 2015 bis Mai 2016. Eine Auswertung ergab, dass nicht weniger als 40 Prozent der Empfänger der Phishing-Mails die entsprechenden Links der Hacker angeklickt haben.

Angriff über private Email-Adressen

Allein mit einem solchen Klick muss nicht zwangsläufig etwas Folgenschweres passiert sein. Aber für die Hacker könnte es jeweils ein erster Schritt auf dem Weg in geheime Datenbanken gewesen sein. In den meisten Fällen wurden die Betroffenen über persönliche Accounts bei dem E-Mail-Dienst Gmail angeschrieben. Nur vereinzelt liefen die Phishing-Angriffe über Firmenadressen. Doch auch vermeintlich private Nachrichten enthalten erfahrungsgemäß oft sensible Daten - oder etwa verfängliche Informationen, die eine Person erpressbar machen.

US-Raumflugzeug X-37B: Mittels einer Phishing-Kampagne versuchten russische Hacker anscheinend Zugang zu den Daten des Projekts zu erhalten.
US-Raumflugzeug X-37B: Mittels einer Phishing-Kampagne versuchten russische Hacker anscheinend Zugang zu den Daten des Projekts zu erhalten. (Quelle: EPA/ASTROTECH/dpa-bilder)

Das Interesse der Russen galt offenbar unter anderem dem US-Raumflugzeug X-37B. Mit Verweis auf einen Flug des unbemannten "Mini-Shuttles" im Mai 2015 monierte der stellvertretende russische Ministerpräsident Dmitri Rogosin, dass beim Raumfahrtprogramm des eigenen Landes keine Fortschritte gemacht würden. "Die Vereinigten Staaten preschen weiter vor", warnte er vor Abgeordneten. Knapp zwei Wochen später attackierte die Gruppe "Fancy Bear" das Gmail-Konto eines leitenden Ingenieurs des X-37B-Projekts bei Boeing.

FBI lehnte eine Stellungnahme ab

Abgesehen hatten es die Hacker auch auf den Gmail-Account eines Mitarbeiters von Mellanox Federal Systems - einem IT-Dienstleister, der Regierungsbehörden etwa bei Speicherlösungen, Datenanalyse und Cloud Computing unterstützt. Zu den Kunden des Dienstleisters zählen unter anderem die US-Bundespolizei FBI und verschiedene Nachrichtendienste.

Es mag zwar sein, dass die maßgeblichen amerikanischen Stellen die Angriffsversuche im Blick hatten. Verblüffend erscheint allerdings, dass von den 31 Betroffenen, mit denen die AP sprechen konnte, nur eine Person eine entsprechende Warnung erhielt. Das FBI lehnte eine Stellungnahme dazu ab. Sprecherin Jillian Stickels bestätigte nur, dass das FBI identifizierte Zielpersonen in manchen Fällen informiere. "Alle potenziellen Bedrohungen für Systeme des öffentlichen und privaten Sektors" würden sehr ernst genommen, betonte sie zudem per E-Mail.

FBI von Zahl der Fälle überrascht

Drei mit dem Fall vertraute Personen - darunter ein aktueller und ein ehemaliger amerikanischer Regierungsbeamter - versicherten gegenüber der AP, dass das FBI seit mehr als einem Jahr über die Phishing-Kampagne von "Fancy Bear" im Bilde ist. Nach Angaben eines FBI-Mitarbeiters war die US-Bundespolizei von der enormen Zahl der Angriffsversuche überwältigt.

Auch im Verteidigungsministerium in Washington sind die zunehmenden Hackerangriffe ein wichtiges Thema. Angesichts der digitalen Bedrohung würden Schulungsmaßnahmen und die technische Ausstattung von militärischen und zivilen Mitarbeitern sowie von Vertragspartnern laufend aktualisiert, sagte die Pentagon-Sprecherin Heather Babb auf Anfrage, ohne aber auf den konkreten Fall einzugehen.

"Schlicht keinen Einblick"

Der Defense Security Service (DSS), der unter anderem dafür zuständig ist, dass als geheim eingestufte US-Technik tatsächlich auch geheim bleibt, konzentriert sich nach eigenen Angaben auf den Schutz von dienstlichen Computernetzwerken. "Wir haben schlicht keinen Einblick in oder Überblick über irgendwelche persönlichen E-Mail-Konten - wie diese geschützt sind oder wie jemand im Falle von Unregelmäßigkeiten informiert wird", sagte die DSS-Sprecherin Cynthia McGovern.

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