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Eskalation im Libanon: Mehrere Tote bei Feuergefechten in Beirut

Eskalation im Libanon  

Tote und Verletzte bei Feuergefechten in Beirut

15.10.2021, 09:41 Uhr | dpa

Tote und Verletzte bei Feuergefechten in Beirut

Mehr als ein Jahr liegt die verheerende Explosion im Hafen von Beirut zurück, aber die Ermittlungen kommen nicht voran. Jetzt ist ein Streit über den zuständigen Richter in offene Gewalt umgeschlagen.

Schussbereite Soldaten im Libanon: In der Hauptstadt Beirut sind Proteste gegen die Justiz in Gewalt umgeschlagen. (Quelle: Reuters)


Mehr als ein Jahr liegt die verheerende Explosion im Hafen von Beirut zurück, aber die Ermittlungen kommen nicht voran. Jetzt ist ein Streit über den zuständigen Richter in offene Gewalt umgeschlagen.

Der Streit um die schleppende Aufarbeitung zur Explosion von Beirut ist in der libanesischen Hauptstadt auf tödliche Weise eskaliert. Bei einem Protest kam es dort am Donnerstag zu Schüssen und teils schweren Feuergefechten auf offener Straße. Mindestens sechs Menschen wurden laut Innenminister Bassam Maulawi getötet, 30 weitere laut Rotem Kreuz verletzt.

Auf Videos waren Verwundete zu sehen sowie bewaffnete Männer bei Schusswechseln in Wohnvierteln. Die Armee erklärte, auf jegliche Schützen das Feuer zu eröffnen.

Menschen in Beirut flüchten vor Gewalt

Die Gewalt begann laut einem Augenzeugen, als Unbekannte aus einem Gebäude in der Nähe des Justizpalastes Schüsse abgaben. Dort war ein Protest gegen Ermittlungsrichter Tarek Bitar geplant, der die Untersuchung zur gewaltigen Explosion im Hafen von Beirut im August 2020 leitet. Dabei wurden mehr als 190 Menschen getötet und rund 6.000 verletzt. Wer genau für die plötzliche Gewalt am Donnerstag verantwortlich war, blieb zunächst unklar.

Die Stimmung in Beirut war sehr angespannt. Auf einem Video sind Scharen von Menschen zu sehen, die bei Schüssen über eine Kreuzung rennen und Schutz suchen. Sicherheitskräfte waren in großer Zahl im Einsatz und sperrten Straßen ab. Anwohner wurden aufgefordert, die Gegend zu meiden. Eltern flüchteten teils mit ihren Kindern auf dem Arm oder holten ihre Kinder in Panik von der Schule ab.

Soldaten in Beirut:  Die Armee erklärte, auf jegliche Schützen das Feuer zu eröffnen. (Quelle: Reuters/Aziz Taher)Soldaten in Beirut: Die Armee erklärte, auf jegliche Schützen das Feuer zu eröffnen. (Quelle: Aziz Taher/Reuters)

Streit um Ermittlungsrichter eskaliert

Die schiitische Amal-Bewegung, die enge Kontakte zur Iran-treuen Hisbollah pflegt, hatte zum Protest vor dem Justizpalast aufgerufen. Sie fordert, dass Ermittlungsrichter Bitar der Fall entzogen wird. Am Donnerstag wies ein Kassationsgericht einen Antrag zweier schiitischer Ex-Minister zurück, Bitar abzusetzen – kurz darauf brach die Gewalt auf der Straße aus. Wegen des Antrags lagen die Ermittlungen seit Dienstag auf Eis. Die beiden Ex-Minister Ali Hassan Khalil und Ghasi Saitar haben Verbindungen zu Hisbollah und Amal.

Schon vor einigen Wochen hatten Ex-Minister gegen Bitar geklagt und ihm bei der Untersuchung mangelnde Neutralität vorgeworfen. Seinem Vorgänger war der Fall vor einem halben Jahr nach Beschwerden von beschuldigten Ex-Ministern entzogen worden. Bitar kann seine Arbeit zumindest nach dem neuen Gerichtsbeschluss vom Donnerstag vorerst fortsetzen. Bitar hatte gegen Khalil einen Haftbefehl erlassen, nachdem dieser zu einer Befragung nicht erschienen war.

Einige fühlten sich an die Straßengefechte des Bürgerkriegs erinnert. Damals, von 1975 bis 1990, führten christliche und muslimische Milizen im Libanon gegeneinander einen Bürgerkrieg. Die Gewalt am Donnerstag spielte sich auch in der Nähe einer früheren Demarkationslinie zwischen schiitischen und christlichen Vierteln ab. Hisbollah und Amal erklärten, Scharfschützen hätten von Dächern aus das Feuer eröffnet, um das Land "absichtlich in Kämpfe" zu ziehen.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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