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Omarosa: Ex-Vertraute von Donald Trump bezeichnet ihn als Rassisten

Schwere Vorwürfe, kaum Beweise  

Frühere Vertraute bezeichnet Trump als Rassisten

Von Stefan Rook

15.08.2018, 08:12 Uhr
Omarosa: Ex-Vertraute von Donald Trump bezeichnet ihn als Rassisten. Omarosa Manigault Newman, damals noch Mitarbeiterin im Weißen Haus, geht hinter Donald Trump während einer Sitzung vorbei: Nun erhebt sie schwere Vorwürfe gegen Trump und nennt ihn einen Rassisten. (Quelle: dpa)

Omarosa Manigault Newman, damals noch Mitarbeiterin im Weißen Haus, geht hinter Donald Trump während einer Sitzung vorbei: Nun erhebt sie schwere Vorwürfe gegen Trump und nennt ihn einen Rassisten. (Quelle: dpa)

Donald Trump sieht sich schon wieder mit einem neuen Skandal konfrontiert: Die Vorwürfe einer Ex-Mitarbeiterin sind drastisch – nur Beweise bleibt sie bislang schuldig.

Die Vorwürfe von Omarosa Manigault Newman wiegen schwer. Die Frau, die durch Donald Trumps ehemalige Reality-Show "The Apprentice" bekannt wurde und später als Beraterin in seiner Regierung arbeitete, erhebt in ihrem Buch "Unhinged: An Insider Account of the Trump White House" (etwa: "Aus den Angeln gehoben: Ein Insiderbericht aus Trumps Weißem Haus") neue Vorwürfe gegen den US-Präsidenten. Ihren Angaben zufolge benutzte Trump während der Aufnahmen für seine Fernsehshow "mehrfach" das Wort "Nigger", eine abwertende Bezeichnung für Schwarze. US-Medien vermeiden den Ausdruck und sprechen, wenn sie darüber berichten, nur vom "N-Wort".


Newman schreibt, vor ihrem Weggang aus dem Weißen Haus sei ihr "endlich bewusst geworden, dass der Mensch, den ich so lange so gut zu kennen glaubte, eigentlich ein Rassist war". Rassistische Äußerungen wie das "N-Wort" seien nicht nur Trumps Art zu sprechen, sondern seine Art "über mich und Afroamerikaner" zu denken.

Omarosa Manigault Newman, damals noch Mitarbeiterin im Weißen Haus, geht hinter Donald Trump während einer Sitzung vorbei: Nun erhebt sie schwere Vorwürfe gegen Trump und nennt ihn einen Rassisten. (Quelle: dpa)Omarosa Manigault Newman, damals noch Mitarbeiterin im Weißen Haus, geht hinter Donald Trump während einer Sitzung vorbei: Nun erhebt sie schwere Vorwürfe gegen Trump und nennt ihn einen Rassisten. (Quelle: dpa)

Die 44-jährige Afroamerikanerin studierte Journalismus, arbeitete in den 90er-Jahren für etwas weniger als ein Jahr für Bill Clintons damaligen Vize-Präsidenten Al Gore und bezeichnet sich bis heute als Demokratin. Ab 2004 trat sie als Kandidatin in Trumps Reality-Show "The Apprentice" auf, seit 2016 arbeitete sie im Wahlkampfteam von Trump und wurde nach seiner Wahl im Januar 2017 Kommunikationsdirektorin des Büros des Weißen Hauses für öffentliche Beteiligung und zwischenstaatliche Angelegenheiten.

Haarsträubende Szenen und Momente im Weißen Haus

Im Dezember 2017 wurde sie nach eigenen Angaben zum Rücktritt gezwungen. Nun legt sie eine Abrechnung mit Trump und seiner Politik vor. Newman beschreibt viele skurrile und haarsträubende Szenen und Momente mit dem US-Präsidenten. Das Problem: Nahezu alle Anekdoten beruhen auf ihren eigenen Beobachtungen oder Einschätzungen und können nicht verifiziert werden.

Der schwerwiegendste Vorwurf von Newman: Donald Trump sei ein Rassist. Schon lange kursieren Gerüchte über eine Aufnahme, in der Trump Afroamerikaner als "Nigger" bezeichnet haben soll. Newman ist überzeugt von der Existenz dieser Aufnahme. Sie beschreibt ein Telefongespräch mit einer anonymen Quelle mit folgenden Worten: "Mir wurde präzise mitgeteilt, was Donald Trump gesagt hat – ja, das N-Wort und andere." ("On this phone conversation, I was told exactly what Donald Trump said – yes, the N-word and others.") Unklar bleibt im Buch jedoch, ob sie diese Aufnahme auch selber gehört hat. In einem Interview mit dem Radiosender National Public Radio (NPR) erklärte sie auf mehrfache Nachfrage des Moderators, sie habe die Aufnahme tatsächlich selbst gehört ("I heard the tape.").

Auch ihre Einschätzungen zur Ehe der Trumps gehen auf eigene Beobachtungen und Meinungen zurück – weniger auf Fakten. Über Melania Trump schreibt Newman: "Meiner Meinung nach zählt Melania die Minuten, bis er aus dem Amt ist, sodass sie sich von ihm scheiden lassen kann." ("In my opinion, Melania is counting every minute until he is out of office and she can divorce him.") Als Argument für ihre Einschätzung führt Newman die Kleiderwahl von Melania Trump an, die darauf ausgelegt sei, ihren Ehemann "zu bestrafen" ("I believe Melania uses style to punish her husband.").

Trumps fragwürdiges Verhältnis zu seiner Tochter

Ähnliches gilt für das – aus Sicht Newmans – äußert fragwürdige Verhältnis von Trump zu seiner Tochter Ivanka. Newman schreibt: "Seit ich Trump kenne, habe ich beobachtet, wie er Ivanka umarmt, berührt und küsst. Meiner Meinung nach überschreitet ihre Beziehung die Linie einer angemessenen Vater-Tochter-Beziehung. Ich glaube, er begehrt seine Tochter." ("For as long as I’d known Trump, I’d observed the way he hugs, touches, and kisses Ivanka; their relationship goes up to the line of appropriate father/daughter behavior and jumps right over it. I believe he covets his daughter.")



Donald Trump und das Weiße Haus dementierten von Beginn an vehement alle Anschuldigungen Newmans mit teilweise drastischen Worten. Das Wahlkampfteam hat inzwischen rechtliche Schritte gegen sie eingeleitet – dabei gehe es um den Bruch einer Vertraulichkeitserklärung aus dem Jahr 2016.

Newman scheint indes ihre Glaubwürdigkeit mit Audiomitschnitten untermauern zu wollen. Vor der Veröffentlichung ihres Enthüllungsbuchs machte sie eine Tonbandaufnahme ihres Entlassungsgesprächs mit Stabschef John Kelly publik. Kurz danach präsentierte sie einen Mitschnitt, auf dem Donald Trump zu hören sein soll, der vorgibt, nichts von Newmans Entlassung gewusst zu haben. Zuletzt spielte sie dem Sender CBS eine Aufnahme zu, in der Trump-Berater über das Problem der "Nigger"-Äußerungen des Präsidenten diskutieren sollen. Eine der Beteiligten bestritt jedoch umgehend, dass dieses Gespräch je stattgefunden hat.

Solange diese Mitschnitte nicht verifiziert oder von Beteiligten bestätigt werden, steht weiter Wort gegen Wort. Die Situation könnte sich für Trump jedoch dramatisch ändern, sollte tatsächlich eine authentische Aufnahme auftauchen, in der Trump Afroamerikaner als "Nigger" bezeichnet.

Verwendete Quellen:

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