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US-Vorwahlen unter Donald Trump: Ein Gemäßigter kann nicht mehr gewinnen

US-Vorwahlen unter Trump  

"Ein Gemäßigter kann nicht mehr gewinnen"

Aus Arizona berichtet Fabian Reinbold

28.08.2018, 06:32 Uhr
US-Vorwahlen unter Donald Trump: Ein Gemäßigter kann nicht mehr gewinnen. Kelli Ward beim Wahlkampf auf einer Schießanlage (Quelle: Reuters/Conor Ralph)

Kelli Ward beim Wahlkampf auf einer Schießanlage. (Quelle: Conor Ralph/Reuters)

Bei den US-Vorwahlen buhlen die Republikaner darum, wer der beste Freund des Präsidenten ist. Das führt zu absurden Szenen – und zu neuen Chancen für die Demokraten.

In Washington steigt der Druck auf Donald Trump: Die Vergehen seiner Vertrauten Michael Cohen und Paul Manafort haben auch ihn schwer belastet. Die gesamte Hauptstadtöffentlichkeit ist fassungslos angesichts seines Unvermögens, angemessen auf den Tod seines Widersachers John McCain zu reagieren.

Doch ausgerechnet in McCains Heimatstaat Arizona steht Trump gerade hoch im Kurs, zumindest bei bestimmten Republikanern. Der Präsident ist gefragt wie nie, wenn der Wüstenstaat am heutigen Dienstag seine Vorwahlen abhält. Die dortigen Kandidaten überbieten sich öffentlich darin, sich als Getreue Trumps zu inszenieren und betteln regelrecht um ein Wort der Unterstützung vom Präsidenten.

Die US-Politik schaut genau auf Arizona, wo die landesweit vielleicht wichtigsten Vorwahlen stattfinden. Hierbei bestimmen die registrierten Parteimitglieder ihre Kandidaten für die Kongresswahl im November. Wenn die Demokraten tatsächlich den Republikanern die hauchdünne Mehrheit im US-Senat abluchsen wollen, müssen sie die Senatswahl in Arizona gewinnen. Doch zunächst einmal müssen sich die Kandidaten in ihren eigenen Reihen durchsetzen.

Ein giftiges Rennen

Bei den Republikanern gerät das Rennen besonders giftig. Es zeigt, in welche Richtung sich die Partei unter Donald Trump entwickelt und nach welcher Logik Vorwahlen ablaufen.

"Ein Gemäßigter kann die Vorwahlen nicht gewinnen", sagt George Khalaf. Der Chef des Instituts Data Orbital macht die Umfragen für die Republikaner in Arizona. "Und mit Anti-Trump-Botschaften brauchen Sie gar nicht antreten."

Das war auch dem aktuellen Inhaber des fraglichen Senatssitzes, Jeff Flake, klar. Er ist einer der ganz wenigen republikanischen Senatoren, die Trump regelmäßig kritisieren. Damit hatte er keine Chance auf Wiedernominierung seiner Partei und verzichtete von selbst. Sein Verzicht hat zu einer wilden Vorwahl geführt.

Ex-Kampfpilotin entdeckt plötzlich Nähe zu Trump

Da ist Martha McSally. Die frühere Kampfpilotin der US-Armee und jetzige Abgeordnete im Repräsentantenhaus war einmal Trump-Kritikerin, doch das ist für diesen Wahlkampf vergessen. Nun nennt sie den Präsidenten plötzlich ihren Freund, gibt sich unerbittlich bei der Einwanderungspolitik. Pressemitteilungen, in denen sie sich vor Monaten für ein Bleiberecht der sogenannten "Dreamer", also der Kinder von illegalen Einwanderern, ausgesprochen hat, sind von ihren Websites verschwunden.

Martha McSally im Weißen Haus: Plötzlich ist Trump ihr "Freund" (Quelle: Reuters/Jonathan Ernst)Martha McSally im Weißen Haus: Plötzlich ist Trump ihr "Freund". (Quelle: Jonathan Ernst/Reuters)

Da ist Kelli Ward, eine frühere Ärztin und Landessenatorin, die als wahre Trump-Anhängerin McSally nur vorgegaukelte Nähe zum Präsidenten unterstellt. Zuletzt schoss Ward als Wahlkampfaktion mit halbautomatischen Waffen und holte sich gar prominente Verschwörungstheoretiker an Bord ihres Wahlkampfbusses – sie will dasselbe Lager wie Trump anzapfen. Auch beim Tod McCains konnte Ward sich nicht zurückhalten. Die Botschaft der McCain-Familie vom vergangenen Freitag, laut der die medizinische Behandlung McCains eingestellt werde, bezeichnete sie als Manöver, um ihren Wahlkampf zu stören. Am Montag legte sie nach: "Politische Korrektheit ist ein Krebs!" twitterte sie, nachdem McCain an seinem Gehirntumor gestorben war. Ganz nach Trump-Manier beschwerte sie sich anschließend über die Medien, die ihre Äußerungen aufgegriffen hatten.

Kelli Ward beim Wahlkampf auf einer Schießanlage (Quelle: Reuters/Conor Ralph)Kelli Ward beim Wahlkampf auf einer Schießanlage. (Quelle: Conor Ralph/Reuters)

Und dann ist da noch der selbst ernannte "härteste Sheriff Amerikas". Joe Arpaio war 24 Jahre lang Sheriff von Maricopa County, dem Großbezirk, in dem auch Phoenix liegt. Seine Politik, Einwanderer massenhaft von seinen Polizeieinheiten anhalten und befragen zu lassen, trugen dem Bezirk Klagen und Millionenstrafen ein und Arpaio schließlich eine Verurteilung für Missachtung der Rechtsprechung. Doch Trump begnadigte ihn und nun kann Arpaio im Alter von 86 Jahren noch einmal kandidieren.

Ex-Sheriff Joe Arpaio besucht eine Sattlerei (Quelle: Reuters/Conor Ralph )Ex-Sheriff Joe Arpaio besucht eine Sattlerei. (Quelle: Conor Ralph /Reuters)

Dessen Team verlinkt bei jedem Tweet so penetrant auf Trump in der Hoffnung, dass zumindest ein Retweet abfällt. Durchdachten Wahlkampf macht Arpaio nicht – er liegt abgeschlagen an Rang drei und verärgert eher das rechte Lager, weil seine Kandidatur die Rechtsaußenstimmen aufsplittet, sodass nun Establishment-Kandidatin McSally klare Favoritin ist.

Warum scheren sich die Kandidaten so um Trump, der das Balzen bislang unbeantwortet ließ? Drei von vier Republikanern in Arizona unterstützen den Präsidenten. Daran ändert auch kein Missgriff in Washington etwas. "Was auch immer er veranstaltet, seine Zahlen bleiben stabil", sagt Meinungsforscher Khalaf. In anderen Staaten liegt die Zustimmung noch höher.

Die Republikaner müssen in der Vorwahl also die Vorlieben der Basis bedienen. Wenn McSally gewinnt, müsse sie "ganz schnell ins Zentrum rücken", so Khalaf. 

Auch bei den Demokraten gibt es die Tendenz, dass eher radikale Kandidaten von den Rändern die Basis in der Vorwahl begeistern. Doch beim möglicherweise entscheidenden Rennen in Arizona soll es anders laufen. Dort hat sich Favoritin Kyrsten Sinema, die keinen harten Vorkampf wie die Republikaner auskämpfen muss, nicht auf den linken Rand zubewegt – sondern in die Mitte. Sie hat zuletzt im Kongress in Washington mehrfach für Gesetze der Republikaner mitgestimmt. 


Das soll ihr im November die Stimmen der moderaten Wähler in der Mitte sichern. Die Basis sei ohnehin motiviert, lautet das Kalkül der Demokraten. Denn so hoch die Zustimmung der Republikaner zu Trump ist – genauso hoch ist die Ablehnung unter Demokraten.

Verwendete Quellen:
  • eigene Recherchen vor Ort

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