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Donald Trump und der perfekt absurde Schluss-Satz dieser Woche

MEINUNGPost aus Washington  

Trump in Reinform

Eine Kolumne von Fabian Reinbold

11.10.2019, 19:23 Uhr
Oct.10, 2019 - Minneapolis, Minnesota, U.S. - President DONALD JOHN TRUMP addresses supporters at a Keep America Great (Quelle: dpa)
Trump: USA könnten vermitteln zwischen Türkei und Kurden

Erst ebnet der US-Präsident durch einen Truppenabzug den Weg für türkische Angriffe in Nordsyrien. Nun deutet er an, die Wogen im Konflikt möglicherweise glätten zu können. (Quelle: dpa)

"Ich hoffe wir können vermitteln": Donald Trump beschwichtigt im Konflikt zwischen der Türkei und den kurdischen Milizen. (Quelle: dpa)


Guten Tag aus Washington,

wo Donald Trump seiner turbulenten Woche, auf dem Weg zum Helikopter, noch das i-Tüpfelchen aufsetzte. 

Trump macht auf dem Rasen hinter dem Weißen Haus einen Stopp, lässt sich von den Reportern befragen. Er hoffe, sagt er, dass es in Nahost die Türken nun mit den Kurden locker angehen ließen. "Ich hoffe, wir können vermitteln", sagt er, gleich noch ein zweites Mal, als ob er sich selbst von diesem Satz überzeugen muss: "Ich hoffe, wir können vermitteln."

Ich hoffe, wir können vermitteln. Es ist zwar erst Donnerstagnachmittag, als er das sagt, aber es ist der perfekt absurde Schluss-Satz dieser Woche.

Die Syrien- und Türkei-Politik der USA, das Schicksal der kurdischen Verbündeten, die sichere Verwahrung von IS-Terroristen in kurdischer Gefangenschaft, vielleicht sogar die Verlässlichkeit der USA als Verbündete: All das wackelt heftig, nachdem sich Trump ein paar Tage mit dem Thema beschäftigt hat. Der Präsident hat auf Sicherheitsapparat und Parteifreunde gepfiffen und im Impuls die Nahostpolitik auf den Kopf gestellt. Die Woche zeigt Trump in Reinform.

In der "Post aus Washington" berichtet unser Korrespondent Fabian Reinbold von der Arbeit im Weißen Haus und seinen Eindrücken aus den USA unter Donald Trump. Hier können Sie seinen kostenlosen Newsletter abonnieren, der noch weitere Einblicke und Einschätzungen aus Washington enthält und einmal pro Woche direkt in Ihrem Postfach landet. 

Ein kurzes Protokoll:

++ Sonntagabend ++: Nach einem Telefonat mit Erdogan lässt Trump um 22.52 Uhr noch eine Pressemitteilung verschicken, in der er die Offensive der Türken ankündigt, mit dem Zusatz, die US-Truppen abziehen zu wollen. Während Trump schläft, geht ein Aufschrei um die Welt. Der US-Präsident scheint der Türkei grünes Licht zu geben, für einen Vormarsch gegen die verbündeten Kurden.

++ Montagfrüh ++: Trump steuert gegen, schwupps ins andere Extrem: Wenn es die Türken übertrieben, werde er deren Wirtschaft "auslöschen".

++ Montagnachmittag ++: Der Verteidigungsminister twittert: keine Unterstützung für eine türkische Invasion. Dann löscht er den Tweet wieder.

++ Montagabend ++: Hintergrundgespräch mit einem von Trumps wichtigsten Beratern: Kein Rückzug aus Syrien, man verschiebe nur 50 Spezialkräfte. Und: Man unterstütze die Türkei ausdrücklich nicht.

++ Dienstagfrüh ++: Trump twittert, die Kritiker würden vergessen, dass die Türkei ein "großer Handelspartner" sei. Außerdem: "Keinesfalls lassen wir die Kurden im Stich, die besondere Menschen und wunderbare Kämpfer sind."

++ Dienstagabend ++: Lindsey Graham, Senator und Trumps enger Vertrauter, sagt einem Journalisten: "Niemand außer Trump glaubt seiner Behauptung, dass die USA nicht die Kurden im Stich lassen."

++ Mittwochnachmittag ++: Trump sagt, die Türkei müsse so human vorgehen wie möglich. Es folgen Fragen der Kollegen: Was heißt das? "Das müssen wir sehen. Das definieren wir auf dem Wege." Wer stellt sicher, dass die IS-Gefangenen in den kurdisch bewachten Lagern bleiben? "Wir denken, dass die Kurden den Job machen werden. Und wenn nicht die Kurden, dann die Türkei." Und was, wenn sie entkommen? "Nun, die gehen dann nach Europa. Dort wollen die hin. Viele von ihnen kommen aus Europa."

++ Donnerstagnachmittag ++: Trump, vor dem Helikopter: "Wir haben gewonnen. Wir sind raus."

Das ist also die große Syrien-Strategie des Präsidenten:

Werden wir sehen, definieren wir noch.

Die Türkei als wichtiger Handelspartner, der aber wirtschaftlich ausgelöscht werden kann.

Hauptsache draußen, aber hoffentlich können wir vermitteln.

Hinter allem steht Trumps verbrieftes Ziel, die Soldaten heimzubringen. Dabei hat er eine Mehrheit des kriegsmüden Volkes hinter sich. Doch er hat es bislang nicht geschafft, diesen Wunsch mit einem Plan zu versehen. Was sich diese Woche im Weißen Haus bezüglich der Türkei, Syrien und den Kurden abgespielt hat, ist ein Feuerwerk der Impulse, aber keine Politik.

Trump ist Wiederholungstäter. Im Dezember hatte er angekündigt, binnen 30 Tage alle Kräfte aus Syrien abzuziehen. Damals gingen unter Protest der Verteidigungsminister Jim Mattis und der Beauftragte für den Kampf gegen den "Islamischen Staat" von Bord. Trump ließ ab. Solche Nein-Sager gibt es im Weißen Haus nicht mehr.

Große Schlagzeilen machen jetzt die Kritiker aus der eigenen Partei, wie der oben erwähnte Graham. Entzündet sich hier jetzt der große Aufstand? Ich glaube nicht daran. Die Kritiker drohen, wie jetzt aber auch das Weiße Haus, mit Sanktionen gegen die Türkei, wenn sie "unmenschlich" vorgehe im Krieg.


Und: Der Umgang mit den Kurden ist, trotz aller dramatischer Folgen in der Region, lediglich ein Nebenthema in den USA. Wer Trump in der Syrien-Politik kritisiert, muss nicht fürchten, erst in Trumps Twitterfeed und dann an der Basis als Verräter dazustehen.

Ganz anders sähe es hingegen aus, würde man mit Trump in der Impeachment-Auseinandersetzung brechen. Die Republikaner wissen genau, wo sie Kritik üben und wo nicht. 

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