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Donald Trump und Fox News – dramatischer Bruch in aller Öffentlichkeit

US-Wahl  

Trump und Fox News – zerbricht die besondere Beziehung?

Donald Trump und Fox News – dramatischer Bruch in aller Öffentlichkeit. Donald Trump bei Fox News: Die besondere Beziehung zwischen dem Präsidenten und dem TV-Sender verändert sich. (Quelle: imago images/Xose Bouzas)

Donald Trump bei Fox News: Die besondere Beziehung zwischen dem Präsidenten und dem TV-Sender verändert sich. (Quelle: Xose Bouzas/imago images)

Fox News ist ein Machtpfeiler des Systems Donald Trump. Jetzt geht der Sender offenbar auf Distanz. Hinter den Kulissen tut sich noch mehr.

Es war ausgerechnet sein Lieblingssender, der alles ins Kippen brachte. Donald Trump war eigentlich guter Stimmung. Er hatte am Wahlabend im Weißen Haus hunderte Getreue versammelt, es gab Mini-Burger und Pommes. Der Präsident hatte gerade den so wichtigen Bundesstaat Florida gewonnen, und er verfolgte natürlich auf Fox News die Wahlnachrichten, so berichtet es die "New York Times".

Dann passierte es.

Als erstes – und lange Zeit einziges – Medium verkündete Fox News eine für Trump schmerzhafte Niederlage: den Verlust von Arizona, einer republikanischen Hochburg, möglicherweise schon die Sackgasse auf Trumps Weg zur zweiten Präsidentschaft.

Dramatischer Bruch in aller Öffentlichkeit

Die gute Stimmung auf der Wahlparty war dahin, der Präsident und seine Berater schäumten vor Wut. Trumps Leute machten erst hinter den Kulissen und dann in der Öffentlichkeit Druck, die Arizona-Entscheidung zurückzunehmen. Der Chef-Wahlanalyst des Senders verteidigte sich daraufhin live im Fernsehen – und musste dies auch in den Folgetagen immer wieder tun.

Es war ein dramatischer Bruch einer langjährigen, innigen Partnerschaft. Fox News hatte zunächst Trump als Politiker groß gemacht. Und Trump hatte dann Fox News erfolgreicher gemacht. Sie befruchteten sich gegenseitig, spielten sich die Bälle zu. Jetzt scheint der größte Nachrichtensender Amerikas das sinkende Trump-Schiff zu verlassen. Doch ist es wirklich so einfach?

Man findet für diese Sichtweise in den Tagen nach der Wahl viele Belege. Mehrere Moderatoren haben die Behauptungen aus dem Trump-Lager über angeblichen Wahlbetrug als das bezeichnet, was sie sind: Behauptungen ohne Beweise.

Nur die halbe Wahrheit

Die Szenen lassen aufhorchen, zeigen allerdings nur die halbe Wahrheit. Denn sie betreffen nur einen Teil von Fox News – das Nachrichtengeschäft, das grob gesagt jeden Tag von 9 Uhr morgens bis 20 Uhr läuft.

Doch daneben gibt es die Meinungsmaschine, die frühmorgens ab 6 Uhr läuft und in den Abendstunden. Das ist der mächtigere Teil von Fox News, weil er mehr Zuschauer erreicht und mehr Einfluss hat. 

Der Nachrichtensender macht inzwischen meist einfach konservative Berichterstattung. Und die Meinungsmaschine macht zur Primetime Werbung für Donald Trump. Auf Tages-Fox betont etwa Moderator Bret Baier ein ums andere Mal, dass es ja schön und gut sei, einen Wahlbetrug zu behaupten, man aber bislang "keine Hinweise auf verbreiteten Betrug gesehen habe". Zu jemandem aus dem Trump-Team sagt er: "Als Trump 2016 gewonnen hat, da war das Wahlsystem für euch alle in Ordnung." 

"Jetzt ist es an uns, für ihn aufzustehen"

Auf Abend-Fox hingegen sind die Moderatoren Tucker Carlson, Sean Hannity und Laura Ingraham die Stars und erzielen mit ihren persönlichen Shows die höchsten Einschaltquoten des Senders.

Da kann ein Hannity unwidersprochen behaupten: "Wir werden niemals in der Lage sein, das wahre Ergebnis dieser Wahl zu verkünden. Das ist Fakt." Ingraham gelobt Trump gleich ganz offen Gefolgschaft: "Er hat sich für uns eingesetzt. Jetzt ist es an uns, für ihn aufzustehen. Die Republikaner sollten für ihn aufstehen."

Ingraham war in der Wahlnacht sogar Gast auf Trumps kleiner Wahlparty im Weißen Haus. So eng ist das Verhältnis.

Was hat sich geändert? Fox, sagt Trump

Das Spannungsverhältnis zwischen Nachrichten- und Meinungsgeschäft innerhalb von Fox nimmt also zu. Trump registriert das natürlich, und wo andere Politiker schweigen würden, beklagt er sich ganz offen. Etwa als er am Wahlmorgen per Telefon in die Meinungsshow "Fox & Friends" geschaltet wurde. 

"Ich werde oft gefragt", sagte Trump, "was ist der größte Unterschied zwischen diesem Wahlkampf und dem vor vier Jahren? Und ich sage: Fox." Der Anlass war, dass der Sender auch Wahlkampfauftritte Barack Obamas für Kontrahent Joe Biden gezeigt hatte. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit für ein Nachrichtenmedium.
 

 
Doch das Verhältnis hat sich eben auf verschiedenen Ebenen merklich abgekühlt. Bei Fox News hörte Jahrzehnte lang alles auf das Kommando von Roger Ailes, einem berüchtigten konservativen Krawallmacher und Trump-Freund. Ailes stürzte über weitreichende Vorwürfe sexueller Belästigung von Moderatorinnen und verstarb kurz darauf im Mai 2017. Mit dessen Nachfolgerin Suzanne Scott gibt es kein derartiges Vertrauensverhältnis.

Werden sie zu Konkurrenten?

Ebenso wenig mit denen, die ganz oben im Medienimperium um Fox den Ton angeben: Rupert Murdoch und Sohn Lachlan. Zu ihrem Reich gehört auch das Trump-freundliche Boulevardblatt "New York Post", das kurz vor der Wahl einen angeblichen Korruptionsskandal über Biden und dessen Sohn Hunter veröffentlichte – auch das ohne Belege.

Selbst jene "New York Post" brachte in diesen Tagen mehrere kritische Berichte über Trumps Behauptungen über angeblichen Wahlbetrug. In der Medienszene wird das als Distanzierung vom voraussichtlichen Wahlverlierer Trump verstanden.

Viel mächtiger als die Zeitung ist aber Fox. Es gibt es immer wieder Spekulationen, dass Trump einen eigenen Fernsehsender gründen wird, sollte er wirklich aus dem Weißen Haus ausscheiden – und vielleicht bei den treuen Moderatoren wildert. Trump hätte dann einen eigenen Sender ohne einen Hauch von Kritik. Und die einstigen kongenialen Partner Trump und Fox wären direkte Konkurrenten.

Verwendete Quellen:

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