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TV-Kritik zu "Hart aber fair"

Pflegedebatte bei "Hart aber fair"  

"Das sind für mich die Helden des Alltags"

13.06.2017, 08:38 Uhr | t-online.de

TV-Kritik zu "Hart aber fair" . Bernd Meurer (Präsident des bpa - Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste), Prof. Dr. Karl Lauterbach (Stellvertretender Fraktionsvorsitzender im Deutschen Bundestag, SPD), Dr. Eckart von Hirschhausen (Moderator und Autor), Susanne Hallermann (Ausbilderin im Gesundheitswesen), Ante Caljkusic (Dozent für Auszubildende in der Pflege) und Anette Dowideit (Journalistin) (Quelle: imago images/Müller-Stauffenberg)

Thema der Sendung: Waschen, pflegen, trösten Wer kümmert sich um uns, wenn wir alt sind? (Quelle: Müller-Stauffenberg/imago images)

In Teil 1 von „Hirschhausens Check-Up“ im Ersten hat sich der Arzt und Entertainer um das Altern gekümmert. Grund genug für Frank Plasberg, das Thema im Anschluss dem Fakten-Check zu unterziehen.

Die Gäste

  • Anette Dowideit, Medizinjournalistin
  • Susanne Hallermann, Ausbilderin im Gesundheitswesen
  • Ante Caljkusic, Altenpfleger
  • Bernd Meurer, Präsident des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste
  • Karl Lauterbach (SPD), stellvertretender Fraktionsvorsitzender
  • Eckart von Hirschhausen, Arzt und Entertainer

Das Thema

Sah man Hirschhausen, wie er mit Heimbewohnern sprach, sich mit einem Pfleger durch den Nachtdienst kämpfte oder seine Reporter Praxistests auf der Straße durchführten, kam man zum Schluss – Altern tut jeder und schlimm ist das nicht. Was vor allem an des Entertainers charmanter und unaufgeregter Art lag, auch die Dinge zu erklären, die für die Betroffenen gruselig sind. Stichwort Demenz. Dadurch hatte "Hart aber fair" gewisse Anlaufschwierigkeiten. Worüber sollte gestritten werden, wenn die Vorlage harmonisch war? Also stellte Plasberg die Ausgangsfrage – Was muss passieren, damit auch in Zukunft jemand alte Menschen pflegt? Damit war die Lunte gelegt.

Die Fronten

Denn bei der Pflege ist Sand im Getriebe. Auch wenn Meurer gleich zu Beginn einwarf, die Pflege sei besser als ihr Ruf. Caljkusic betonte, was alle ahnten, die Pfleger sind am Rande der Belastbarkeit, es regiert die Betriebswirtschaft. Der Fokus liege nicht auf dem Menschen. Weder in Hinblick auf die zu Pflegenden, noch mit Sicht auf das Personal. Meurer hatte es da von Anfang an schwer. Mochten seine Einwürfe thematisch fundiert sein, die unsichtbaren Teufelshörnchen bekam er nicht weg. Auch Lauterbach sollte es nicht leicht haben. Er predigte, es müsse viel mehr Geld in die Pflege gesteckt werden. Bis 2027 jährlich zwischen sechs und zehn Milliarden Euro zusätzlich. 300.000 Leute brauche man mehr. Chapeau für so viel Investitionsfreude. Dann solle die Politik nicht so viel Geld versickern lassen, nahm ihm Dowideit gleich den Wind aus den Segeln.

Fakt des Abends

Beide sollten sich nicht einig werden. Auch bei einer von Plasberg zitierten Studie des Zentrums für Qualität in der Pflege. 1008 Pflegeeinrichtungen wurden hierbei befragt. Ein Drittel der leitenden Angestellten antwortete, erlebt zu haben, dass Pflegebedürftige schlecht behandelt werden. 49% erhielten notwendige Hilfe nicht, 18% der zu Pflegenden würden gar körperlich grob angefasst. Das mache fassungslos, so Caljkusic. Lauterbach betonte, die Politik habe viel gemacht, 25.000 Betreuungskräfte neu eingestellt. Dowideit verdrehte die Augen. Diese übernähmen Pflegeaufgaben, die sie rein rechtlich nicht erledigen dürften. Das würde heißen, dass Pflege an dieser Stelle vorher gar nicht stattgefunden hätte, so Lauterbach. Oder offene Stellen seien nicht schnell genug mit Fachpersonal nachbesetzt worden, stichelte die Journalistin. Man dürfe nicht alles kaputt reden, so der SPD-Mann.

Der Moderator Frank Plasberg (rechts) und Dr. Eckart von Hirschhausen (links). (Quelle: imago images/Horst Galuschka)Für viele sei Pflege nicht nur eine Frage des Geldes, sondern auch eine Herzensangelegenheit (Archiv). (Quelle: Horst Galuschka/imago images)

Aufreger des Abends

Ein paar Reibereien gab es. Immer daran beteiligt Meurer. Etwa als Caljkusic davon sprach, der Einzug ins Heim sei ein harter Schnitt. Man könne nicht mehr einfach im Pyjama zum Frühstück gehen. Was denn „Herr Frühstücksappell“ dazu sagen würde, so Plasberg. Meurer kam ins Stocken. Individuelle Pflege werde durch Rahmenbedingungen begrenzt. Für die sei er mitverantwortlich, konterte Plasberg. Nur um nachzuschießen – „Oder sind Sie nur noch ein Knecht von Vorschriften?“ „Das müssen sie mir jetzt erklären“, entgegnete Meurer verdutzt. Er setze die Rahmenbedingungen nicht, schob den schwarzen Peter der Politik zu. Die Länder regelten, wie viel Personal ein Heim einsetzen könne. Lauterbach brachte ins Spiel, finanzielle Lücken im System müssten mit einer Erhöhung des Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteils für die Pflege geschlossen werden. Da seien die privaten Betreiber die größten außerparlamentarischen Kritiker. Höhere Standards beschnitten nämlich die Gewinne. Daher müsse man die Gewinnorientierung in der Pflege auf den Prüfstand stellen, Pflegeeinrichtungen gar wieder in kommunale Verantwortung geben. „Ihnen geht es an das Geschäftsmodell“, stichelte Plasberg. Meurer versuchte ruhig zu bleiben. An die Decke ging er erst, als Lauterbach mit Blick auf die Vereinheitlichung der Ausbildung bei Kranken- und Altenpflegern vorrechnete, die Altenpflege müsse mehr bezahlen, weil sonst die Mitarbeiter in die besser honorierte Krankenpflege abwanderten. Man unterstütze das neue Berufsgesetz aus inhaltlichen Gründen nicht, so der Lobbyist.

Höhe- und Tiefpunkt des Abends

Die Sendung war spannend, weil das Thema jeden betrifft. Die Erzählungen aus der Pflegerealität rührten an. Etwa als Hallermann erklärte, die Pflege der Großmutter habe sie in den finanziellen Ruin getrieben. Rente? Ungewiss. Dennoch strahlte sie viel Lebensfreude aus. Die würde das wieder so machen. Über die Diskussion über geringe Verdienste konnte man sich aufregen. Meurer konterte die Kritik der schlechten Bezahlung, ihm sei egal was die Leute verdienten. „Dann zahlt doch mehr“, hätte man ihm zurufen wollen. Lauterbach lächelte. SPD-Agenda erfüllt. Als Meurer dann ergänzte, das ganze müsse über die Pflegeversicherung refinanziert werden, er als Betreiber zahle gar nicht die Zeche, machte so mancher die Geldschatulle wieder zu. Stellenweise war es auch charmant: als Hirschhausen erklärte, Tanzen schütze vor Demenz. Lauterbach gestand: „Ich tanze leider gar nicht.“ „Ich habe wieder angefangen“, so Hirschhausen. Plasberg warf trocken ein, da komme für Lauterbach wohl bald ein RTL-Tanzangebot für „Let’s dance“.

Plasberg-Moment

Für den Moderator war die Sendung easy going. Er war entspannt, hatte die Forschheit, mit der er ein ums andere Mal seine Gäste angeht, wenn er offensichtlich mit ihnen nicht einer Meinung ist, zu Hause gelassen. Die Runde machte es ihm auch einfach. In den emotional besetzten Momenten konnte er durch einfühlsames Fragen glänzen. Die Sendung konnte auch Mut machen. Für viele ist es jenseits von Geldfragen noch eine Herzensangelegenheit, sich um Pflegebedürftige zu kümmern. Sei es in der Familie oder in einem Heim. „Das sind für mich die Helden des Alltags“, betonte Hirschhausen.

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