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Migranten in der Bringschuld? – ARD-Heimat-Talk sorgt für Aufregung

Eine Analyse von David Heisig

Aktualisiert am 27.02.2019Lesedauer: 4 Min.
"Heimat Deutschland - nur für Deutsche oder offen für alle?" Bereits der Sendungstitel hatte zu einer Rassismus-Debatte geführt.
"Heimat Deutschland – nur für Deutsche oder offen für alle?" Bereits der Sendungstitel hatte zu einer Rassismus-Debatte geführt. (Quelle: ARD)
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Das Erste spendierte seinen Zuschauern am Montag einen Heimatabend: Erst die Dokumentation Heimatland, dann den entsprechenden Talk bei "Hart aber fair". Frank Plasberg stellte darin die Frage: Wer gehört dazu? Die eindeutige Antwort seiner Runde: Es kommt drauf an.

Die Gäste

  • Katrin Göring-Eckardt (B'90/Die Grünen), Fraktionsvorsitzende
  • Idil Baydar, Kabarettistin
  • Hubert Aiwanger (Freie Wähler), Bayerischer Staatsminister für Wirtschaft
  • Armin Nassehi, Soziologie-Professor
  • Nikolaus Blome, Journalist

Die Positionen

Plasberg begann seinen Talk mit einer Verführung: Wie beschreibt man Heimat sinnlich? Da war viel Olfaktorisches dabei: vom Geruch des Buchsbaums über den der thüringischen Bratwurst bis hin zum türkischen Chai-Tee. Differenzierter ging es zu, als die Diskutanten es in Worte fassen sollten. Für Aiwanger bedeute Heimat in Zeiten der Globalisierung Geborgenheit. Katrin Göring-Eckhardt sah es ähnlich romantisch: "Heimat ist dort, wo man sein kann, ohne sich zu rechtfertigen." Auf alle Fälle denke sie europäisch. Man dürfe keinesfalls den Rechten die Deutungshoheit über Heimat überlassen.

Baydar fragte umgehend: Ob Heimat nicht etwas mit Verwurzelung zu tun habe? Warum manche trotz Wurzeln in Deutschland irgendwie nicht dazugehörten? Auch Frank Plasberg war Göring-Eckardts Aussage zu unkonkret. Für die Grüne Jugend sei Heimat ein Begriff der Gegenaufklärung und Irrationalität. Die Grüne musste also nachlegen. Das Wort Heimat dürfe die Gesellschaft nicht abschottend verwenden. So einfach wollte Plasberg die Runde nicht davon kommen lassen. Ob Heimat nicht ein Begriff des rechten Lagers sei, fragte er.

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Aiwanger fing den Ball. Er betonte, man müsse den Menschen die Sehnsucht auf die Heimat lassen. Baydar ließ hier das erste Mal durchscheinen, wozu sie gebucht war: um Feuer zu machen. "Gilt das auch für die türkische Heimat? Kann ich zwei Heimaten haben?", fragte sie Aiwanger. Der antwortete leicht stoisch, wenn sie sozial so geprägt sei, dann durchaus.

Der Aufreger des Abends

Nassehi erdete die Diskussion mit seinem soziologischen Ansatz. Man könne jedem Satz der Runde zustimmen, selbst wenn sie sich widerspräche. Heimat habe nicht nur eine Bedeutung als Wort, sondern auch einen performativen Sinn. Wer von Heimat spreche, transportiere mit der Verwendung eine individuelle Sichtweise, die andere anerkennen müssten. Blome war das zu wenig: Man habe den Begriff Heimat nun "maximal harmlos" beschrieben und festgestellt: "Heimat ist für alle da."

Drei Heimatministerien – kaum Fortschritte

Er kramte den Fall Mesut Özil aus der Schublade. Er fragte, ob es nicht zur Integration gehöre, sich für ein Land zu entscheiden. Baydar bezeichnete das als "Frechheit". Özil habe das ausreichend getan. Blome legte nach. In einem Ausschnitt aus der Dokumentation im Vorprogramm zum Talk betonte ein türkischer Vater, er sei froh, dass seine Kinder mit hellen Haaren und blauen Augen geboren seien. Er selbst habe noch um Anerkennung kämpfen müssen.

Die Beurteilung der Menschen nach Merkmalen wie der Hautfarbe sei eine Frage von Toleranz und Intoleranz des Einzelnen, so Blome. Allerdings müssten Migranten sich Mühe geben, Heimat zu erwerben. Es sei ihre Bringschuld. Baydar platzte die Hutschnur: Ob sie – obwohl in Deutschland geboren – beweisen müsse, wie integriert sie sei? Blome konterte, bei der dritten Generation von türkischen Migranten sei das nicht mehr so gut wie bei der zweiten. 60 Prozent der Stimmen bei den türkischen Wahlen 2018 von in Deutschland lebenden Türken für Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan seien der Beweis. Warum dem so sei, fragte er Baydar.

Die Kabarettistin drehte weiter auf: Sie könne es nicht ertragen, dass ihre Identifikation als Türkin zwangsläufig negativ konnotiert sei. Sie frage Blome ja auch nicht, ob er ihr erklären könne, warum Deutsche am KZ-Schalter gearbeitet hätten. Dieser Vergleich tat nicht nur dem anwesenden Publikum weh.

Der Faktencheck

Plasberg gelang es mithilfe von Göring-Eckardt und dem Schlagwort Heimatministerium, die Diskussion ein wenig abzufangen. Die These der Grünen: Wenn bundesweit einheitliche Voraussetzungen in der Infrastruktur im ländlichen und urbanen Raum geschaffen werden, klappt es auch mit gegenseitiger Anerkennung und dem passenden Heimatgefühl. Nur: Was macht eigentlich ein Heimatministerium?

Hier ein paar Fakten: Mittlerweile gibt es drei dieser Ministerien. Eines in NRW, eines in Bayern und seit letztem Jahr auch auf Bundesebene. Chef ist hier Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU). Angetreten sind die Ministerien, um gleichwertige Lebensverhältnisse zu schaffen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken. Hierzu gehört etwa eine kartografische Bestandsaufnahme des Strukturwandels, die Steuerung der Integration, der Breitbandausbau, die Stärkung finanzschwacher Kommunen oder die Förderung des Ehrenamts.


Kritiker sehen einen Malus in den Bund-Länder-Kompetenzen. Zu vielen Maßnahmen hat – zumindest das Bundesministerium – nicht die grundgesetzliche Kompetenz und die entsprechende Verwaltung, ist also auf Länder und Kommunen angewiesen. Viel erreicht hat Seehofers Ministerium bis dato auch noch nicht. 185 Gesetzesentwürfe wurden bis Ende Januar in den Bundestag eingebracht. Vom Heimatministerium kam keiner.

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