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Terrorgefahr: Warum in Deutschland noch nichts passiert ist

Anschlagsgefahr in Deutschland  

Drei Gründe, warum hier noch nichts passiert ist

04.02.2016, 16:55 Uhr | Von Christian Kreutzer, t-online.de

Terrorgefahr: Warum in Deutschland noch nichts passiert ist. Anschlagsversuch: ein Verdächtiger am Bonner Hauptbahnhof. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/dpa)

Anschlagsversuch: ein Verdächtiger am Bonner Hauptbahnhof. (Quelle: dpa/Thinkstock by Getty-Images)

Seit "9/11" verfolgen uns die Horror-Bilder aus dem Herzen der westlichen Welt: New York, London, Madrid, Paris… überall haben Mörderbanden aus dem terroristischen Spektrum des Islamismus zugeschlagen. Jetzt wurde wohl wieder ein Anschlag verhindert. Seit Jahren fragen sich die Deutschen: Wie gefährdet sind wir eigentlich? 

Die Nachrichten aus Deutschland sind bislang vergleichsweise positiv: Meist handeln sie von verhinderten Anschlägen, aufgeflogenen Terroristen und anderen Erfolgen der Sicherheitsbehörden. Alles nur Glück? Oder arbeiten deutsche Behörden einfach besser als andere? 

"Natürlich tun die Behörden, was sie können", erklärt ein Mitglied deutscher Sicherheitskreise im Gespräch mit t-online.de. "Es ist aber auch eine Mischung aus Glück, der Selbstüberschätzung der Täter und der Größe der Szene."

Faktor 1: Glück 

Schon mindestens zwei Mal sind deutsche Dschihadisten soweit gewesen, dass sie die Bombe gebaut, den Anschlagsort ausgesucht und die Sprengsätze sogar schon platziert hatten: 2006 - kurz nach der Fußball-WM in Deutschland - wollten zwei Studenten aus Kiel zwei Bomben in deutschen Zügen hochgehen lassen. Allerdings funktionierten die Zünder nicht - Baufehler. Sechs Jahre danach stellten Islamisten einen mit einem Sprengsatz gefüllten Koffer auf dem Bonner Hauptbahnhof ab. Auch hier versagte der Zünder.

Faktor 2: Selbstüberschätzung der Täter

"Viele wissen, dass sie bereits von der Polizei observiert werden", sagt der Experte. "Sie glauben aber, da sie auf Gottes Seite stünden, könne ihnen nichts passieren und machen einfach weiter." Als prominentes Beispiel nennt er die Sauerland-Gruppe, die für 2007 einen großen Anschlag in Deutschland geplant hatte. "Die wussten Bescheid, dass sie beobachtet wurden", sagt der Analyst. Die Polizei hatte sie sogar absichtlich ganz offen observiert, um sie zu einer Reaktion zu veranlassen. Einer der Verdächtigen ging sogar auf einen der Observationswagen los. Trotzdem machten sie voller "Gottvertrauen" einfach weiter, bis die Ermittler zuschlugen.

Faktor 3: Die relativ überschaubare Szene

446 dschihadistische Gefährder zählte das Bundesamt für Verfassungsschutz im Januar. Das klingt viel, ist es aber gar nicht, wenn man es mit den Zahlen im terrorgeplagten Frankreich vergleicht: "Bis zu 8000 Gefährder hat man hier identifiziert", sagt der Szene-Kenner - fast 20 Mal so viele wie bei uns. "Die können Sie unmöglich alle im Auge behalten. Dafür bräuchte man Zehntausende Beamte." Ähnlich sind Zahlen bezüglich der Szene der Terror-Sympathisanten: Rund 1000 sollen es in Deutschland sein und etwa 11.000 in Frankreich.

"Dazu kommt, dass Frankreich in seinen Vorstädten riesige Ghettos hat entstehen lassen, in der die Verdächtigen viel leichter untertauchen können als in Deutschland, wo die Polizei der Szene viel 'näher' ist." Das Gleiche gelte für Belgien.

Paradoxerweise sei gerade dadurch, dass es solche Ghettos und eine entsprechende Szene in Deutschland nicht gebe, die Aufmerksamkeit hier noch höher ist. In Frankreich und Belgien habe sie sich womöglich schon abgeschliffen. Ein Beispiel: Als im Januar ein arabisch-stämmiger Mann in einem Baumarkt in Köln größere Mengen an Chemikalien kaufte, wandte sich die Kassiererin sofort an die Polizei. Die fahndete nach dem Mann, der sich kurz darauf selbst stellte. Die Anschlagspläne erwiesen sich allerdings als Irrtum: Der Verdächtige hatte "nur" Drogen kochen wollen. "In Frankreich wäre der womöglich gar niemandem aufgefallen", glaubt der Experte. 

Ein Anschlag in Deutschland sei aber dennoch "im Bereich des Realen". Zurücklehnen kann sich also bei Polizei und Verfassungsschutz niemand. 

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