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Bayerische Opposition will Polizeigesetz kippen

"Illiberales Gesetz der CSU"  

Bayerische Opposition will Polizeigesetz kippen

24.05.2018, 16:56 Uhr | dpa, AFP

Bayerische Opposition will Polizeigesetz kippen. Markus Rinderspacher, Chef der SPD-Fraktion im bayerischen Landtag: Sozialdemokraten und Grüne wollen das neue Polizeiaufgabengesetz zu Fall bringen. (Quelle: imago/Sachelle Babbar)

Markus Rinderspacher, Chef der SPD-Fraktion im bayerischen Landtag: Sozialdemokraten und Grüne wollen das neue Polizeiaufgabengesetz zu Fall bringen. (Quelle: Sachelle Babbar/imago)

Am Freitag tritt in Bayern das umstrittene neue Polizeiaufgabengesetz in Kraft. Die Landesregierung sieht es als Vorbild für alle Länder, die Opposition dagegen zieht vors Bundesverfassungsgericht.

Eineinhalb Wochen nach der Verabschiedung im Landtag tritt die umstrittene Verschärfung des bayerischen Polizeirechts an diesem Freitag in Kraft. Doch das neue sogenannte Polizeiaufgabengesetz (PAG) wird schon bald Verfassungsrichter beschäftigen. Sowohl die SPD als auch die Grünen im Bayerischen Landtag machten am Donnerstag ihre Ankündigung wahr und teilten mit, vor das Bundesverfassungsgericht beziehungsweise vor den Bayerischen Verfassungsgerichtshof zu ziehen. Sie wollen das Gesetz zu Fall bringen.

Nach der Neuregelung genügt künftig schon Gefahr oder drohende Gefahr, um Überwachung und andere polizeiliche Maßnahmen wie zum Beispiel DNA-Tests und Online-Durchsuchungen einzuleiten. Ein konkreter Verdacht muss nicht mehr vorliegen. Allerdings muss die Polizei die Maßnahmen in der Regel bei einem Richter beantragen, nur in Einzelfällen dürfen höhere Polizeibeamte selbst entscheiden.

Das Gesetz war noch unter Ex-Ministerpräsident Horst Seehofer auf den Weg gebracht worden. Der CSU-Vorsitzende – inzwischen Bundesinnenminister – sieht es als Vorbild für die neuen Polizeiaufgabengesetze der Bundesländer.

"Wir verteidigen den Freistaat "

Seehofers Nachfolger im Amt des bayerischen Ministerpräsidenten, Markus Söder (CSU), hatte das verschärfte Polizeirecht bei der abschließenden Debatte am 15. Mai vehement verteidigt: "Es wird Leben retten, es wird Menschen helfen, nicht zu Opfern zu werden." Über die Umsetzung des Gesetzes soll eine Kommission unter Vorsitz des angesehenen Verfassungsrechtlers Karl Huber wachen, einst Präsident des Bayerischen Verfassungsgerichtshofs.

Natascha Kohnen, Vorsitzende der bayerischen SPD: "Wir verteidigen den Freistaat Bayern gegen das illiberale Gesetz der CSU." (Quelle: imago/Sachelle Babbar)Natascha Kohnen, Vorsitzende der bayerischen SPD: "Wir verteidigen den Freistaat Bayern gegen das illiberale Gesetz der CSU." (Quelle: Sachelle Babbar/imago)

Nach Überzeugung der SPD-Landesvorsitzenden Natascha Kohnen beschneidet das neue Gesetz "die Freiheit der Bürgerinnen und Bürger in einer für unsere Demokratie unerträglichen Weise und begegnet ihnen mit tiefem Misstrauen". Kohnen sagte weiter: "Wir verteidigen den Freistaat Bayern gegen das illiberale Gesetz der CSU."

Grüne ziehen vor Landesverfassungsgericht

Fraktionschef Markus Rinderspacher ergänzte, dass der Widerstand der SPD sich allein gegen die Politik der CSU-Staatsregierung richte und nicht gegen die Polizei. Die Landtagsfraktion wird sowohl das Bundesverfassungsgericht als auch den Bayerischen Verfassungsgerichtshof anrufen.

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Die Landtags-Grünen werden hingegen vorerst nur vor dem Verfassungsgericht des Freistaats klagen. Fraktionschefin Katharina Schulze sprach von "verfassungswidrigen, massiven und ausufernden Eingriffsbefugnissen der Polizei". Bayern sei aber schon jetzt ein sicheres Bundesland. "Es leuchtet nicht ein, dass die Polizei weitere Eingriffsbefugnisse präventiv bekommt", sagte Schulze.

Wieder Demo am Donnerstagabend

Bei Demonstrationen waren kürzlich in München und in anderen Städten Zehntausende gegen das schärfere Polizeirecht auf die Straße gegangen. Für Donnerstagabend kündigte das Bündnis "noPAG" eine weitere Demonstration vor dem Landesinnenministerium in München an. Der bayerische Landtag hatte das  Gesetz am Dienstag vergangener Woche mit CSU-Mehrheit beschlossen.

Verwendete Quellen:
  • dpa, AFP

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