Meinung
Was ist eine Meinung?

Die subjektive Sicht des Autors auf das Thema. Niemand muss diese Meinung ĂŒbernehmen, aber sie kann zum Nachdenken anregen.

Vor 40 Jahren begann die Tragödie der Muslime

  • Lamya Kaddor
Eine Kolumne von Lamya Kaddor

Aktualisiert am 08.02.2019Lesedauer: 3 Min.
Ajatollah Khomeini im Jahr 1975: wenige Jahre spĂ€ter fĂŒhrte er die Revolution im Iran an. Ein dunkler Tag fĂŒr alle Muslime, meint Kolumnistin Lamya Kaddor.
Ajatollah Khomeini im Jahr 1975: wenige Jahre spĂ€ter fĂŒhrte er die Revolution im Iran an. Ein dunkler Tag fĂŒr alle Muslime, meint Kolumnistin Lamya Kaddor. (Quelle: /imago-images-bilder)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Im Iran werden 40 Jahre "Islamische Revolution" gefeiert. Ein tragischer Tag fĂŒr alle Muslime auf der Welt.

Den Zeitpunkt, an dem sich das Leben glÀubiger Muslime weltweit zum Schlechteren gewendet hat, können wir gut benennen: Es ist die sogenannte Islamische Revolution im Iran, die dieser Tage ihr 40-jÀhriges "JubilÀum" feiert. Zum ersten Mal in der Geschichte der Moderne hatten Islamisten in einem Land die Herrschaft an sich genommen.

Sie kaperten die Religion fĂŒr ihren Kampf

Die AnhĂ€nger des Ajatollah Khomeini wollten an die Macht, ihre politischen Gegner ausschalten und die imperialistischen EinflĂŒsse auf den Iran ĂŒberwinden. Dazu kaperten sie die Religion, kleideten ihre Anliegen in ein islamisches Gewand und gaben vor, ganz im Sinne der ureigenen Kalifatstradition zu handeln.

Da dieses Prinzip des politisierten Islams offenkundig erfolgreich war und ein kulturelles und historisches Schwergewicht wie den Iran zu unterwerfen vermochte, sollte es fortan international Schule machen. Zum Teil wurde die Ideologie exportiert, beispielsweise in den Libanon zur Hisbollah, zum Teil wurde sie adaptiert, beispielsweise durch die PalÀstinenserorganisation Hamas.

Direkte Linie von der Revolution zum Terror

Die Adepten reicherten die Vorstellungen an, formulierten vermeintliche Gewaltlegitimationen weiter aus und verschleierten konfessionelle und theologische WidersprĂŒche – der Iran ist bekanntlich schiitisch, die Hamas sunnitisch.

Am Ende können wir somit eine direkte Verbindungslinie ziehen von den Ereignissen 1979 zu den islamistischen AuswĂŒchsen der Gegenwart bis hin zu Terrororganisation wie al-Qaida oder IS. Alle Akteure haben die Vision eines islamischen Staats vor Augen, den sie gerne – insbesondere gegen den Westen – durchsetzen wollen.

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
Merz poltert: "Dann hÀtte die russische Armee Kiew eingenommen"
Ukrainische Soldaten stehen in der Region Kiew vor einem zerstörten russischen Panzer.


Mittelalterliche Gewaltideologie

Die Auswirkungen dieser politischen Bestrebungen, die letztlich nur von einigen Tausend Islamisten weltweit vorangetrieben werden, beeintrĂ€chtigen am Ende das Leben von bis zu 1,5 Milliarden Muslimen. Ihr Glaube wird diffamiert und verachtet. Die Islamisten haben den Islam zur Terrorreligion stilisiert, zu einer mittelalterlichen Gewaltideologie, einer negativen Folie, um Menschen oder ganze Gruppen von Menschen zu UnglĂ€ubigen zu erklĂ€ren, abzuwerten oder sogar bekĂ€mpfen zu dĂŒrfen. Wer sich heute fragt, warum ausgerechnet Muslime weltweit so oft angefeindet werden, darf die Folgen und Rezeptionen der "Iranischen Revolution" und den Durchbruch des Islamismus nicht vergessen.

Gewiss haben sich die Hassverliebten in Ost und West, als das Aus fĂŒr den Kalten Krieg Anfang der Neunzigerjahre besiegelt war, proaktiv auf die Suche nach neuen Feindbildern begeben. Durch den auferlegten Kopftuchzwang 1979, die Todesfatwa gegen den Autor Salman Rushdie zehn Jahre spĂ€ter, Steinigungen, Verfolgungen von Homosexuellen etc. aber drĂ€ngten sich ihnen die Mullahs im Iran geradezu auf. Das war der Wink mit dem Zaunpfahl: Was steht plakativer gegen die Errungenschaften und Werte abendlĂ€ndischer AufklĂ€rung oder besser das Eigenbild von den Errungenschaften und Werten abendlĂ€ndischer AufklĂ€rung als Angriffe auf Emanzipation, Meinungsfreiheit, Pluralismus und Selbstverwirklichung?

Die Islamisten sind auf ganzer Linie gescheitert

Es dauerte noch einmal rund eine Dekade bis nach den AnschlÀgen al-Qaidas am 11. September 2001 in den USA, dann war es vollbracht: Die Islamisten auf der einen Seite und die Feindbildsucher zwischen Moskau, Berlin, Paris, London und Washington auf der anderen Seite hatten den neuen Gegner "Islam" etabliert.

40 Jahre nach der "Iranischen Revolution" und angesichts Hunderttausender Todesopfer sollte auch dem letzten Muslim auf der Welt klar geworden sein, dass die politische Instrumentalisierung des Islams nicht der SchlĂŒssel fĂŒr die Lösungen der Probleme moderner Staaten zwischen Hindukusch und Atlas ist. Die Islamisten sind auf ganzer Linie gescheitert. Ihr Ansatz "al-Islam huwa al-hall" (deutsch: "Der Islam ist die Lösung [fĂŒr den Staat]") hat versagt.


Ihr Versprechen, die sĂ€kularen, aber korrupten sozialistischen und nationalistischen Regimes und ihre imperialistischen Puppenspieler der FĂŒnfziger- und Sechzigerjahre davonzujagen, um an die glorreiche Kalifatszeit anzuknĂŒpfen und den Ruhm der Vergangenheit wiederkehren zu lassen, haben sie gebrochen. Jeder Muslim sollte das jedem Islamisten zu verstehen geben: "al-Islam LAYSA huwa al-hall". Also: "Der Islam ist NICHT die Lösung [fĂŒr die StaatsfĂŒhrung]".

Lamya Kaddor ist Islamwissenschaftlerin, ReligionspĂ€dagogin und Publizistin. Derzeit leitet sie ein Forschungsprojekt an der UniversitĂ€t Duisburg-Essen. Ihr neues Buch heißt "Die Sache mit der Bratwurst. Mein etwas anderes deutsches Leben" und ist bei Piper erschienen. Sie können unserer Kolumnistin auch auf Facebook oder Twitter folgen.

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Themen
Al-QaidaIranLibanonMuslimeReligion
Aktuelles zu den Parteien

Politik international




t-online - Nachrichten fĂŒr Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlÀngerung FestnetzVertragsverlÀngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website