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K├Âlner Demirci hofft auf Heimreise aus T├╝rkei

Von dpa
Aktualisiert am 29.04.2019Lesedauer: 3 Min.
Adil Demirci in der T├╝rkei: Der K├Âlner hofft, dass er zur├╝ck nachhause darf.
Adil Demirci in der T├╝rkei: Der K├Âlner hofft, dass er zur├╝ck nachhause darf. (Quelle: /dpa-bilder)
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Der K├Âlner Adil Demirci steht am Dienstag wieder vor Gericht in Istanbul. Ein Gespr├Ąch ├╝ber die Hoffnung, sein Leben zur├╝ckzubekommen und den Alltag im t├╝rkischen Gef├Ąngnis.

Ein Jahr lang geht das schon so ÔÇô ein ausgebremstes Leben. Zuerst zehn Monate t├╝rkische Untersuchungshaft, dann die Ausreisesperre und nun Gerichtsverhandlungen: Der K├Âlner Sozialarbeiter Adil Demirci erhofft sich von der Fortsetzung seines Prozesses am Dienstag die Erlaubnis heimzufliegen. "Ich hoffe nat├╝rlich, dass der Richter die Ausreisesperre aufhebt", sagt er der Deutschen Presse-Agentur kurz vor dem Verhandlungstermin in Istanbul.

Der Prozess dreht sich um einen der prominentesten verbliebenen F├Ąlle gegen einen Deutschen wegen Terrorvorw├╝rfen in der T├╝rkei. Eine ganze Serie ├Ąhnlicher F├Ąlle hatte ab 2017 die deutsch-t├╝rkischen Beziehungen schwer belastet. Viele prominente U-H├Ąftlinge wie der "Welt"-Reporter Deniz Y├╝cel oder die ├ťbersetzerin Mesale Tolu sind seitdem freigekommen und ausgereist. Demirci wurde Mitte Februar aus der U-Haft entlassen. Istanbul durfte er aber nicht verlassen.

Den Grund f├╝r die Haft kannte Demirci nicht

Ein paar Tage vor dem dritten Prozesstermin ist Demirci zum Gespr├Ąch in die deutsch-t├╝rkische Buchhandlung an der Istiklal-Stra├če gekommen. Demirci wirkt wie ein grundstabiler Mensch, aber er macht sich Sorgen um seine Mutter, die in Deutschland lebt. Sie hat Gallenwegskrebs. Seine Anw├Ąlte werden am Dienstag zusammen mit dem Antrag auf Aufhebung der Ausreisesperre auch ein ├╝bersetztes Attest ihrer ├ärzte einreichen.

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Er habe seit seiner Freilassung "viel Zeit mit Freunden und Familie verbracht, um zu verarbeiten, was passiert ist", sagt Demirci. "Die ersten Monate im Gef├Ąngnis waren sehr schwer. Ich wusste ja nicht, wieso ich da war. Erst nach vier Monaten kam die Anklageschrift ÔÇô und da wurde es nicht besser. Da habe ich mich gefragt: Wieso sitze ich nun deswegen? Die Polizei hatte die Veranstaltungen doch genehmigt."

Beerdigungsbesuche sollen Terrorvorw├╝rfe beweisen

Demirci war im April 2018 im Urlaub festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Mitgliedschaft in der linksextremen Marxistisch-Leninistischen Kommunistischen Partei vor. Die MLKP gilt in der T├╝rkei als Terrororganisation. Die Anklage datiert ihre Vorw├╝rfe zur├╝ck in die Jahre 2013 bis 2016. Damals hatte Demirci teilweise in der T├╝rkei gelebt und ├╝berlegt, ob er dort auch seinen Doktor der Sozialwissenschaften machen soll.

Damals ging er auch zu Beerdigungen von t├╝rkischen "Linken": unter ihnen Mitglieder der MLKP, die in Nordsyrien an der Seite der kurdischen Miliz YPG gegen die Terrormiliz IS gek├Ąmpft hatten. Demirci hat v├Ąterlicherseits kurdische Wurzeln. Einmal, 2013, sei er da zuf├Ąllig hineingeraten, sagt er. Sp├Ąter ging er bei Kollegen der linken Nachrichtenagentur Etha mit, f├╝r die er vor allem als ├ťbersetzer arbeitete, wie er sagt. Die Beerdigungsbesuche stehen nun als Beweis f├╝r seine angebliche terroristische Gesinnung in der Anklageschrift.

Demirci bleibt kritisch

Die Anklage mache ihn sehr traurig, sagt Demirci. Sie entfremde ihn von dem Land, das er wie Deutschland als Heimat ansieht. "Die Option, hier zu leben und meinen Doktor hier zu machen, ist jetzt weg. Nicht in dieser politischen Situation."

Demirci traut sich immer noch, kritische Dinge zu sagen. "Seit 2015, 2016 hat nicht mehr nur die pro-kurdische Linke Probleme (mit Kritik an der Regierung) ÔÇô jetzt ist es gesamtgesellschaftlich geworden", sagt er. "Ich habe das im Gef├Ąngnis gesehen, wo so viele unterschiedliche Charaktere sa├čen. Gemeinsam hatten sie nur, dass sie regierungskritisch waren. Das ist sehr gef├Ąhrlich und sehr traurig."

Arbeit und Wohnung in Deutschland warten auf Demirci

Er habe versucht, im Gef├Ąngnis stark zu bleiben, sagt Demirci. "Es hat geholfen, den Tag durchzuplanen." Jeden Morgen sei er um 7.00 Uhr aufgestanden und habe erstmal Nachrichten geschaut. Es gab einen Fernseher in der Zelle, die doppelst├Âckig war. Oben drei Betten, unten Bad, Tisch, St├╝hle. Um kurz nach 8.00 Uhr sei die T├╝r zum Hof aufgegangen. "Der war acht Schritte mal vier Schritte gro├č. Da sind wir dann ein bisschen gejoggt. Aus zwei F├╝nf-Liter-Wasserflaschen und einem Besenstiel dazwischen haben wir eine Hantel gemacht."


Am schwierigsten sei der Kontrollverlust gewesen, sagt Demirci. Und auf andere angewiesen zu sein. "Ich hatte da aber echt viel Gl├╝ck mit Familie, Freunden und meinem Arbeitgeber." Der Internationale Bund, f├╝r den Demirci in Remscheid mit jugendlichen Migranten gearbeitet hat, zahlt sein Gehalt weiter und seine Wohnung in K├Âln-M├╝hlheim hat er auch noch. "Mein Leben wartet darauf, dass ich zur├╝ckkomme."

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