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Interview zur Thüringen-Wahl – Rot-rot-grün: Die Probleme und Fortschritte

INTERVIEWZur Landtagswahl  

Rot-rot-grün in Thüringen: die größten Probleme und Fortschritte

27.10.2019, 11:47 Uhr
Interview zur Thüringen-Wahl – Rot-rot-grün: Die Probleme und Fortschritte. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke): Der Chefredakteur der "Thüringer Allgemeinen" beschreibt im Interview die Lage im Lande vor der Wahl. (Quelle: imago images)

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke): Der Chefredakteur der "Thüringer Allgemeinen" beschreibt im Interview die Lage im Lande vor der Wahl. (Quelle: imago images)

Was läuft gut im Land, was läuft schlecht? Und warum ist die Linke in Thüringen so stark? Jan Hollitzer, Chefredakteur der Zeitung "Thüringer Allgemeine", beantwortet fünf Fragen zur Landtagswahl.

Thüringen wählt am kommenden Sonntag ein neues Landesparlament. Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) kann sich einer erneuten Mehrheit nicht sicher sein – es sieht laut der jüngsten Umfragen jedoch danach aus, dass seine Partei stärkste Kraft bleibt. Woran liegt das? Tickt Thüringen irgendwie anders?

Jan Hollitzer, Chefredakteur der "Thüringer Allgemeinen" schildert im Interview die Lage im Land, die Probleme und die Fortschritte – und warum sich aus seiner Sicht Pauschalurteile verbieten.

Jan Hollitzer, Chefredakteur der "Thüringer Allgemeinen": "Es beschäftigen sich hier wahrscheinlich so viele Menschen mit Politik wie nie zuvor." (Quelle: Sascha Fromm/Thüringer Allgemeine)Jan Hollitzer, Chefredakteur der "Thüringer Allgemeinen": "Es beschäftigen sich hier wahrscheinlich so viele Menschen mit Politik wie nie zuvor." (Quelle: Sascha Fromm/Thüringer Allgemeine)

t-online.de: Warum ist die Linke so stark in Thüringen, warum nur dort?

Jan Hollitzer: Das liegt vor allem an Ministerpräsident Bodo Ramelow. Viele Thüringer sind mit der Arbeit der rot-rot-grünen Landesregierung zufrieden. Zufriedener als mit der Vorgängerregierung – zumindest laut einer infratest-Umfrage. Und das färbt auf die Beliebtheitswerte des Ministerpräsidenten ab. Hinzu kommt noch der Amtsbonus, der auch bei den Wahlen in Brandenburg und Sachsen spürbar war. In anderen Bundesländern fehlen der Linke ähnlich starke Persönlichkeiten.


Sind die Thüringer denn zurecht zufrieden mit der Arbeit der Landesregierung?

Thüringen hat natürlich Probleme. Es hat sich aber auch einiges getan. Die Landesregierung hat ihre Arbeit gemacht, auch wenn es an der einen oder anderen Stelle sehr holperte. Rot-rot-grün hat nicht das Ende Thüringens eingeläutet. Die Arbeitslosigkeit ist beispielsweise zurückgegangen.

Was sind denn die größten Probleme des Landes?

Wir haben einen massiven Lehrermangel im Land. Drängende Fragen sind außerdem das Baumsterben, der Breitbandausbau, die Infrastruktur und der Öffentliche Personennahverkehr auf dem Land. Thüringen ist auch nachwievor ein Niedriglohnland. Menschen verdienen hier im Schnitt weniger als anderswo.


Es ist auffällig: Die politischen Ränder sind stark in Thüringen – hängt das mit Politikverdrossenheit zusammen?

Nein, Poltikverdrossenheit stellen wir überhaupt nicht fest. Es beschäftigen sich hier wahrscheinlich so viele Menschen mit Politik wie nie zuvor. Es gibt eine große Polarisierung durch die AfD – und das kommt auch dem größten Koalitionspartner der Regierung zugute. Das gibt es aber auch in anderen Bundesländern. Die Parteien der Mitte hat das aber geschwächt. Vor allem die CDU hat sich zu lange nicht klar positionieren können. 


Welche Rolle spielt denn der AfD-Spitzenkandidat Björn Höcke im Wahlkampf?

Er macht Wahlkampf wie die Spitzenkandidaten der anderen Parteien auch. Er ist viel unterwegs, hält seine Reden, auch im Lokalen. Das tut er offensichtlich am liebsten da, wo er ohnehin beliebt ist und keinen Widerspruch zu erwarten hat. Viele Interviews und Podien hingegen lehnt er ab – so kann er dann dort auch keine Fehler machen. Das scheint Kalkül zu haben.
 

 
Wir haben über Probleme gesprochen – was läuft denn gut in Thüringen?

Die Wirtschaft in gewissen Gebieten floriert tatsächlich: In Erfurt und Jena haben sich viele Unternehmen im Zentrum Deutschlands angesiedelt, weil es strategisch günstig ist. Wir müssen wohl etwas daran arbeiten, uns nicht immer selbst schlecht zu machen. Thüringen ist ein schönes Bundesland und man kann stolz darauf sein, hier zu leben. Und Pauschalurteile über den "Osten" sind für die Menschen, die hier leben, zum Teil unerträglich.

Verwendete Quellen:
  • Das Interview wurde am 25. Oktober 2019 telefonisch geführt.

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