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Corona-Pilotprojekte: Diese Städte planen offene Clubs und Shopping

Schnelltest-Pilotprojekte  

Diese deutschen Städte planen offene Clubs und Shopping mit Tausenden

Von Annika Leister

09.03.2021, 17:46 Uhr
Corona-Pilotprojekte: Diese Städte planen offene Clubs und Shopping . Ein Mann zeigt einen negativen Corona-Schnelltest auf seinem Handy: In Zukunft könnte das die Eintrittskarte zu Konzerten, Theatern, Clubs und Geschäften sein.  (Quelle: dpa/ Thomas Frey)

Ein Mann zeigt einen negativen Corona-Schnelltest auf seinem Handy: In Zukunft könnte das die Eintrittskarte zu Konzerten, Theatern, Clubs und Geschäften sein. (Quelle: Thomas Frey/dpa)

Schnelltests sollen Veranstaltungen wieder möglich machen. Können Wirtschaft und Kultur so auch bei hohen Inzidenzen wieder öffnen? Mehrere Länder arbeiten an Pilotprojekten – mit unterschiedlichem Erfolg. 

Von einem "Gamechanger" sprechen Politiker, von "Hoffnung" die Lobbyverbände der seit Monaten geschlossenen Einrichtungen. Mit Schnelltests ist jetzt auch in Deutschland ein neues Instrument in der Pandemiebekämpfung im Spiel, dank dem Kultur, Wirtschaft, Kommunen und manche Landesregierung auf frühere Öffnungen hoffen – auch bei hohen Inzidenzen. Die Grundidee ist simpel und seit Monaten in der Diskussion: Geschäfte, Sportstätten und Kulturinstitutionen könnten wieder starten – wenn sich denn vor dem Betreten jeder auf Corona testen lässt.

Seit diesem Montag soll sich bereits jeder Bürger einmal pro Woche kostenlos per Schnelltest in Testzentren testen lassen dürfen, versprach CDU-Gesundheitsminister Spahn. Die Umsetzung in den Ländern läuft bisher chaotisch, vielerorts wird dieses Versprechen nicht eingehalten werden. Doch einige Länder und Kommunen planen mit den Schnelltests schon jetzt viel weiter.

Bundesweit sind mehrere Pilotprojekte in Planung, die Schnelltests als Türöffner für im Lockdown geschlossene Einrichtungen vieler Branchen nutzen wollen. Einige sind weit fortgeschritten, manche sind noch hoch umstritten. Doch sie lassen schon jetzt erahnen, wie öffentliches Leben aussehen könnte, solange ein Großteil der Bevölkerung noch nicht geimpft ist.

Berlin: Museen, Theater und ein Club sollen bald öffnen

Konzert von Sophie Hunger im November in der Volksbühne Berlin: Kurz darauf kam der Lockdown, seitdem ist geschlossen. Ein Pilotprojekt soll das ändern.  (Quelle: imago images/Roland Owsnitzki)Konzert von Sophie Hunger im November in der Volksbühne Berlin: Kurz darauf kam der Lockdown, seitdem ist geschlossen. Ein Pilotprojekt soll das ändern. (Quelle: Roland Owsnitzki/imago images)

Berlin will den Bund beim Thema Schnelltests überholen. Denn nicht nur Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) hat die Nase voll. Dass Gesundheitsminister Spahn Schnelltests nicht wie zunächst versprochen schon ab dem 1. März bereitstelle, sei ein "Unding", sagte Lederer jüngst dem "Spiegel". Und während Baumärkte schon wieder geöffnet werden, komme die Kultur für viele anscheinend weiter an vorletzter Stelle, kritisierte er – dabei hätten Konzerthäuser, Theater und Museen in den vergangenen Wochen für neue Lüftungsanlagen und Hygienekonzepte gesorgt. 

Hinter den Kulissen arbeitet man in Berlin, wo besonders viele im Bereich Kunst und Kultur tätig sind, gerade fieberhaft an einem Schnelltest-Pilotprojekt. Die Nervosität ist hoch – keinesfalls will man den Vorstoß mit zu frühen Veröffentlichungen in die Kritik stürzen. Fest steht aber: Theater, Konzertstätten und sogar ein Club sollen so bald wie möglich für einen Testlauf wieder öffnen dürfen – nur für Negativ-Getestete. "Es soll eine einstellige Zahl von Veranstaltungen, in einer einstelligen Zahl von Einrichtungen, in einem zeitlich eng begrenzten Zeitraum stattfinden", sagte der Sprecher der Kulturverwaltung t-online. 

Digitales Ticketsystem geplant

Kontrolle und Zugang will Berlin über ein digitales Ticketsystem möglich machen: Eine Eintrittskarte erhält dann nur, wer beim Kauf ein negatives Corona-Testergebnis hochladen kann. Mit einem weiteren negativen Ergebnis soll es dann möglich sein, die Veranstaltung zu besuchen. Abstände müssen weiter eingehalten und Masken getragen werden. Details sind noch unklar, die Ticket-Plattform noch nicht bekannt. 

Auch wer die auserkorenen Einrichtungen sind und wie groß ihre Veranstaltungen ausfallen dürfen, soll erst in diesen Tagen entschieden und bekannt gemacht werden. Klaus Dörr, Intendant der Volksbühne Berlin, verriet aber bereits im Interview mit der "Berliner Zeitung", dass man sich um das Projekt beworben habe. Die Chancen des renommierten Theaters dürften gut stehen. Auch die Clubcommission, Vertretung für die Berliner Clubs, will sich beteiligen: "Schnelltests und Impfungen sind für uns nach einem Jahr Dauerlockdown das Licht am Ende des Tunnels", sagte Sprecher Lutz Leichsenring t-online.

Scheitern könnte der Vorstoß aber auch noch auf den letzten Metern. Denn auch ein Pilotprojekt für einige wenige Institutionen ist schwer zu verkaufen, wenn die Neuinfektionen hoch sind. Und aktuell verzeichnet die Hauptstadt noch eine 7-Tage-Inzidenz von 59,6. Auch eine mit 18 Prozent recht hohe Belegung von Intensivbetten mit Corona-Patienten macht fraglich, ob die Experten der Senatsgesundheitsverwaltung dem Projekt so rasch zustimmen, wie die Kultur sich das wünscht. 

Erfurt: Shopping-Wochenende für 20.000 Negativ-Getestete

Geschlossene Geschäfte in der Erfurter Innenstadt: Wenn es nach dem Oberbürgermeister geht, sollen Negativ-Getestete hier bald wieder bummeln dürfen.  (Quelle: imago images/Karina Hessland)Geschlossene Geschäfte in der Erfurter Innenstadt: Wenn es nach dem Oberbürgermeister geht, sollen Negativ-Getestete hier bald wieder bummeln dürfen. (Quelle: Karina Hessland/imago images)

Thüringens Landeshauptstadt Erfurt setzt andere Prioritäten: Hier will man mit einem Schnelltest-Pilotprojekt am liebsten schon an diesem Wochenende das Bummeln für Tausende wieder ermöglichen – trotz einer derzeit hohen Inzidenz von 94,4. Der Plan von Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD): zwei Tage, an denen alle Geschäfte der Innenstadt wieder öffnen – nur für jene, die negativ getestet wurden. 

Bausewein rechnet "locker" mit 20.000 Tests an zwei Tagen. Fünf Teststellen plant die Stadt dafür im Kernbereich zwischen Bahnhof, Domplatz und dem zentralen Platz am Anger. Wer shoppen will, soll sich direkt dort testen lassen – und bei einem negativen Ergebnis ein Eintrittsbändchen ums Handgelenk erhalten, wie zum Beispiel auf Festivals üblich. Kontaktdaten sollen Shopping-Interessierte bereits vorab auf Papier ausfüllen und mitbringen.

Die Stadt weiß selbst, dass das einige Gefahren birgt: Der Ansturm könnte groß, schon die Schlangen an den Teststellen zu lang und dicht werden. Händler könnten gegen Abmachungen verstoßen und kurzerhand jeden einlassen. "Das ist ein Pilotprojekt, ein Versuch", sagte Bausewein t-online. "Das kann auch in die Hose gehen." Vielleicht werde man überrannt, vielleicht komme kein Mensch. "Wir wissen es noch nicht, einiges kann schief gehen." 

Mit Blick auf die Nöte der Wirtschaft will Bausewein das Projekt dennoch wagen. "Die finanziellen Nöte der Händler sind in den letzten Wochen gestiegen und zurzeit so groß, dass da einfach ein Ausweg gefunden werden muss", so Bausewein. Außerdem wolle man so auch den Erfurtern einen "Silberstreif am Horizont" bieten. Dieser Silberstreif aber ist teuer: mit Kosten im sechsstelligen Bereich für die Tests hatte die Stadt ursprünglich geplant. Nach den jüngsten Schnelltest-Versprechen vom Bund hofft man, dass die Kosten übernommen werden.

Die Landesregierung reagiert auf die Pläne des Stadtoberhaupts derzeit zurückhaltend. Das wundert wenig: Landesweit liegt die Inzidenz in Thüringen derzeit bei 135 – also eigentlich in dem Bereich, den Bund und Länder für einen erneuten Lockdown definiert haben. Man nehme die Pläne des Erfurter Oberbürgermeisters "mit Interesse zur Kenntnis", teilte Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) t-online mit. Klar sei aber auch: Es gehe um den Gesundheitsschutz der Menschen. "Experimente sind da fehl am Platz."

Für die vorgesehenen Lockerungen brauche es nicht nur ein schlüssiges Testkonzept, sondern auch ein Konzept der lückenlosen Kontaktnachverfolgung. "Dabei reicht es nicht, Bändchen zu verteilen oder Handzettel auszufüllen", so die Gesundheitsministerin. Das gehe nur mit digitaler Kontaktnachverfolgung. Verantwortliche von Stadt und Land wollen sich in den nächsten Tagen zusammensetzen, um das Projekt zu diskutieren.

Augustusburg: Drei-Tage-Shopping-Pass nach negativem Test

Dirk Neubauer, Bürgermeister von Augustusburg: Ab nächster Woche soll getestet werden, auch einen Digitalpass soll es dann geben.   (Quelle: imago images/Hartenfelser)Dirk Neubauer, Bürgermeister von Augustusburg: Ab nächster Woche soll getestet werden, auch einen Digitalpass soll es dann geben. (Quelle: Hartenfelser/imago images)

Wesentlich besser als in Erfurt stehen die Chancen für ein Pilotprojekt im sächsischen Augustusburg, über das der MDR berichtet. Hier soll ab nächster Woche jeder Bürger nach einem negativen Testergebnis in einem Schnelltestzentrum eine digitale Eintrittskarte erhalten, die drei Tage gültig ist. Mit einem weiteren Schnelltest soll die Eintrittskarte erneuert werden können. Mit diesem Digitalticket sollen Bürger wieder Geschäfte und Gaststätten besuchen können – unter Einhaltung der sonst üblichen Hygieneregeln. 

Spätestens in der zweiten Märzwoche solle es losgehen mit den Tests, sagte Bürgermeister Dirk Neubauer (SPD) demnach. Wann die digitale Eintrittskarte tatsächlich genutzt werden kann, ist noch unklar. Für das Personal hat Augustusburg bereits Extraausgaben von 10.000 Euro beschlossen. Die Tests stellt das Land kostenlos zur Verfügung. "Wir begrüßen das Projekt und sind im Austausch mit den Partnern", wird das zuständige Sozialministerium zitiert.

Kreis Germersheim: Hoffnung auf Schulöffnungen trotz Inzidenzen über 100

Schnelltest in einer Schule (Symbolbild): Im rheinland-pfälzischen Germersheim führen die Kinder den Test jetzt selbst durch - unter Aufsicht.  (Quelle: dpa/Sebastian Gollnow)Schnelltest in einer Schule (Symbolbild): Im rheinland-pfälzischen Germersheim führen die Kinder den Test jetzt selbst durch - unter Aufsicht. (Quelle: Sebastian Gollnow/dpa)

In Rheinland-Pfalz greifen erste Lockerungen – außer im Kreis Germersheim. Hier liegt man mit einer 7-Tage-Inzidenz von 121 weiter an der Tabellenspitze und gilt als Hotspot. Die Folge: Handel, aber auch Schulen bleiben geschlossen. Doch gerade im so wichtigen Bildungsbereich will auch Germersheim rasch wieder öffnen – und setzt auch bei Schülern auf Schnelltests zur Selbstanwendung. 

Am gestrigen Montag war Premiere: In der Grundschule Ottersheim führten die Kinder, die in die Notbetreuung kommen, erstmals einen Corona-Schnelltest selbst durch – unter Aufsicht und nach Anleitung der Rektorin und des Deutschen Roten Kreuzes. Im Laufe der Woche soll nach den Plänen des Kreises mindestens eine Schule pro Verbandsgemeinde nachziehen, möglichst rasch sollen alle Grundschulen folgen.

Die Schnelltests sollen dabei helfen, "die Schulen schnellstmöglich wieder in den Präsenzunterricht zu führen", sagt Landrat Fritz Brechtel (CDU). Wann die Schulen wieder öffnen, hänge dabei aber nicht nur von den Tests und der Inzidenz, sondern von einer Reihe von Faktoren ab, die der Kreis mit dem Bildungsministerium und der Schulaufsicht bespreche, hieß es aus Brechtels Amt.

Verwendete Quellen:

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