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Astrazeneca-Impfstoff: Merkel wusste offenbar schon früher von dem Problem

Vier Tage wurde weiter geimpft  

Merkel wusste offenbar schon früher von dem Astrazeneca-Problem

02.04.2021, 09:19 Uhr | dpa, pdi

Astrazeneca-Impfstoff: Merkel wusste offenbar schon früher von dem Problem. Angela Merkel auf einer Pressekonferenz: Die Kanzlerin wusste offenbar schon am Freitag, dass die Impfungen mit Astrazeneca wahrscheinlich gestoppt werden müssen.  (Quelle: Reuters)

Angela Merkel auf einer Pressekonferenz: Die Kanzlerin wusste offenbar schon am Freitag, dass die Impfungen mit Astrazeneca wahrscheinlich gestoppt werden müssen. (Quelle: Reuters)

Die Kanzlerin wusste laut einem Medienbericht schon vergangene Woche, dass Astrazeneca-Impfungen wahrscheinlich teilweise gestoppt werden müssen. Danach wurden noch 300.000 Menschen mit dem Vakzin geimpft.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat einem Medienbericht zufolge bereits am Freitag vergangener Woche vom erneuten Anpassungsbedarf beim Impfstoff von Astrazeneca erfahren – vier Tage vor der bundesweiten Entscheidung, das Präparat nur noch Menschen über 60 Jahren zu spritzen.

"Angesichts der nationalen Tragweite der Entscheidung bat die Bundeskanzlerin darum, auch die Expertise des Ethikrates und der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina hinzuzuziehen", sagte eine Regierungssprecherin dem Online-Portal ZDFheute.

314.383 Erstimpfungen in vier Tagen

Dem Bericht zufolge informierte der Chef der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens, vergangene Woche sowohl Merkel als auch Kanzleramtsminister Helge Braun (ebenfalls CDU), dass der Impfstoff für bestimmte Altersgruppen aller Wahrscheinlichkeit nach erneut gestoppt werden müsse. Laut Robert Koch-Institut (RKI) wurden am Wochenende und am Montag insgesamt 314.383 Erstimpfungen mit dem Vakzin verabreicht. Das sind 300.000 Menschen, die offenbar nicht ahnten, dass der Impfstoff, der ihnen verabreicht wird, teilweise nicht wissenschaftlichen Standards genügt.

Eine Stiko-Sprecherin sagte dem ZDF: "Am Freitag fand ein Gespräch zur Information zwischen Prof. Mertens und dem Bundeskanzleramt statt." Am Dienstag beschlossen Bund und Länder dann, dass das Präparat in der Regel nur noch Menschen über 60 gespritzt werden soll.

Neun Todesopfer

Hintergrund ist, dass bei 2,7 Millionen verabreichten Astrazeneca-Dosen 31 Verdachtsfälle einer sogenannten Hirnvenenthrombose gemeldet wurden. In neun Fällen verlief die Erkrankung tödlich.

Der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen kritisierte die Vorgehensweise des Kanzleramts. "Die Bundesregierung hat offenbar trotz Wissens um die neuerliche Notwendigkeit von Anpassungen der Impfempfehlung nicht die Abstimmung mit den Leitungen der Kliniken und Impfzentren vor Ort gesucht." SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte dem Portal hingegen: "Es war richtig, dass der Entscheidung der Stiko nicht vorgegriffen wurde, weil die Daten das gesamte Wochenende über noch geprüft wurden."

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