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Studie: Ost-Bundesländer sind für Asylsuchende zehnmal gefährlicher

Neue Studie  

Osten ist für Asylbewerber zehnmal gefährlicher

24.02.2019, 11:42 Uhr | dpa

Für Asylsuchende ist das Risiko, Opfer eines Hassverbrechens zu werden, im Osten Deutschlands viel höher als im Westen. Die Autoren einer neuen Studie nennen dafür auch Gründe.

Das Risiko, Opfer eines Hassverbrechens zu werden, ist einer Studie zufolge für Asylsuchende in Ostdeutschland zehnmal so hoch wie in den westlichen Bundesländern. Die Autoren vom Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim haben herausgefunden, dass die Wahrscheinlichkeit nicht da besonders hoch ist, wo eine besonders hohe Zahl von Zuwanderern angesiedelt wird. Bedeutender sei vielmehr, wie viel Erfahrungen die Einwohner in der Vergangenheit mit Zuwanderern gemacht haben.

Die Zahl der Angriffe sei "in Regionen mit einem zuvor geringen Ausländeranteil höher als in Regionen mit einem bereits hohen Ausländeranteil", stellen Horst Entorf und Martin Lange fest.

Mitgefühl für Zuwanderer stärken

Die wirtschaftlichen Bedingungen vor Ort spielen dagegen nur eine untergeordnete Rolle. "Hassverbrechen gegen Ausländer haben in erster Linie keine wirtschaftlichen Motive", erklärt Lange. Politiker, die meinen, feindliche Tendenzen ließen sich vor allem mit lokaler Wirtschaftsförderung, mehr Lohn und Wohnungsbau-Offensiven erfolgreich bekämpfen, können demnach nicht mit Erfolg rechnen. Wichtiger sei es, in Regionen mit begrenzter Migrationserfahrung das Bewusstsein und das Mitgefühl der Einheimischen zu stärken, sagt Lange. 

Ein Aspekt, der das Problem in den neuen Bundesländern womöglich noch verschärft, ist die Zusammensetzung der Bevölkerung mit Migrationshintergrund auf dem Gebiet der früheren DDR. Da nach dem Fall der Mauer nur wenige Arbeitsmigranten in den Osten kamen, hat sich in vielen Köpfen dort der Gedanke "Ausländer gleich Hilfe-Empfänger" festgesetzt. Der Kontakt zwischen Einheimischen und Arbeitskräften aus sogenannten sozialistischen Bruderstaaten war zu DDR-Zeiten nicht gefördert worden.

Volksverhetzung, Angriffe, Brandanschläge

Unter Hasskriminalität im Sinne der Studie wird politisch motivierte Kriminalität wie Volksverhetzung, Hakenkreuz-Schmierereien, körperliche Angriffe und Brandanschläge verstanden. In den Jahren 2013 bis 2015 kam es in einem ostdeutschen Kreis bei einem Asylbewerberanteil von drei Prozent und einer Ansiedlung von 1.000 Asylsuchenden pro 100.000 Einwohnern durchschnittlich zu zwei bis drei Übergriffen im Jahr. Für einen vergleichbar großen Kreis in Westdeutschland wurden statistisch 0,4 bis 0,6 Übergriffe ermittelt.

Seit 2016 ist die damals sehr hohe Zahl der Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte zurückgegangen. Im dritten Quartal 2018 zählten die Sicherheitsbehörden 37 solcher Attacken, bei denen die Täter ausnahmslos dem rechten Spektrum zuzurechnen waren. Im gleichen Zeitraum zählte die Polizei zudem 323 Übergriffe auf Flüchtlinge und Asylbewerber außerhalb von Unterkünften.
 


Für ihre Untersuchung hatten die Mannheimer Forscher 1.155 Vorfälle aus den Jahren 2013 bis 2015 betrachtet. Damals war die Zahl der Angriffe pro 100.000 Einwohner mit 9,76 in der Region Sächsische Schweiz-Osterzgebirge am höchsten, gefolgt vom brandenburgischen Landkreis Uckermark und vom Saalekreis in Sachsen-Anhalt. Laut Studie gab es in diesem Zeitraum bundesweit 118 Kreise, in denen kein einziger Übergriff auf Asylsuchende gemeldet wurde. Von diesen 118 Kreisen liegen nur 4 in den östlichen Bundesländern.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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