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Maskenaffäre | Offener Brief an Hauptmann (CDU): "Was ist passiert mit Dir?"

Offene Abrechnung in Maskenaffäre  

"Was ist passiert mit dir, Mark? Was?"

26.03.2021, 12:13 Uhr
Maskenaffäre | Offener Brief an Hauptmann (CDU): "Was ist passiert mit Dir?". Gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft: der ehemalige Bundestagsabgeordnete Mark Hauptmann. Er hat sein Mandat niedergelegt. (Quelle: imago images)

Gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft: der ehemalige Bundestagsabgeordnete Mark Hauptmann. Er hat sein Mandat niedergelegt. (Quelle: imago images)

In der Korruptionsaffäre um den ehemaligen CDU-Politiker Mark Hauptmann hat sich ein langjähriger Weggefährte entsetzt an die Öffentlichkeit gewandt: Er bricht mit seinem Ex-Parteifreund.

Die sogenannte Maskenaffäre bei der Vermittlung von Corona-Schutzmasken erschüttert die Parteien – vor allem die betroffene Union. Nun wendet sich ein Weggefährte öffentlich von Mark Hauptmann ab, einem der Abgeordneten, denen Ermittler Bestechlichkeit vorwerfen. Hauptmann ist am Freitagmittag auf Druck seinen Landesverbandes aus der CDU ausgetreten. Mehr dazu lesen Sie hier.

"Schamlos getäuscht und belogen"

Hauptmann soll eine Provisionszahlung in Höhe von fast einer Million Euro erhalten haben. Die Staatsanwaltschaft Jena ließ deswegen sein Wahlkreisbüro und mehrere CDU-Kreisgeschäftsstellen in Thüringen durchsuchen. Hauptmann hatte dementiert, von Deals mit Masken profitiert zu haben.

Die Vorgänge entsetzen seine langjährigen Mitstreiter. Nach den Durchsuchungen bat die CDU Suhl öffentlich um Entschuldigung und forderte gemeinsam mit dem Landesverband seinen Parteiaustritt. "Mark Hauptmann hat die CDU Suhl und die Öffentlichkeit schamlos getäuscht und belogen, unser Vertrauen und das seiner Wähler*Innen und Freunde unentschuldbar missbraucht."

"Mir fehlten schlicht die Worte"

Am Abend brach dann ein alter Weggefährte öffentlich mit Hauptmann. Marcus Kalkhake, der seit über 20 Jahren gemeinsam mit dem Abgeordneten in seinem Heimatverband in Suhl aktiv war, scheint persönlich enttäuscht. Er habe sich bislang nicht geäußert, "mir fehlten schlicht die Worte", schreibt er auf seinem Facebook-Profil.

Was sich anschließt ist eine Generalabrechnung: "Die gesamte Zeit meines politischen Wirkens kennen wir uns und sind sie Seite an Seite gegangen. In der Jungen Union haben wir begonnen, waren idealistisch, wollte mit dem Kopf durch die Wand. Wir hatten ein klaren politischen Wertekanon", heißt es in dem offenen Brief. "Unser Gegner war links und sogar teilweise in den eigenen Reihen. Du warst lange durch Studium und Auslandsaufenthalte fort. Ich hielt hier die Stellung, schlug Schlachten und Wahlkämpfe."

Er selbst sei es gewesen, schildert Kalkhake, der Hauptmann von der Kandidatur als Bundestagsabgeordneter überzeugte.

"Was ist mit dir passiert, Mark?"

"Ich erkannte, dass ein Bundestagsmandat überhaupt nicht zu mir passte. Du warst im Begriff dich zu verändern. Ich habe auf dich eingeredet und dir erklärt, dass du genau der Richtige dafür wärest. Was ist seither geschehen? Was ist mit dir passiert? Wir waren alle stolz auf dich, dass du in stürmischen Zeiten unerschrocken unsere Meinungen in Berlin vertreten hast. Die Politik der CDU hat sich so verändert, so weit entfernt von dem wofür wir damals alle eintraten. Du warst einer der wenigen, der uns den Glauben erhielt. Was ist passiert mit dir, Mark? Was?"

Hauptmanns Wahl sei, nach schweren Jahren im Kreisverband, der erste große Erfolg für die Partei gewesen. "Wie konntest du aus dem Elend Kapital schlagen? Habe ich es nicht sehen wollen, dass du schon immer so warst, oder wann bist du so geworden?"

"Noch in den Rücken gefallen"

Zurück bleibe nun ein "Scherbenhaufen". Er sei persönlich enttäuscht. "Und dann, in der Stunde der möglichen Wahrheit, hast du uns noch belogen. Mark, meine Enttäuschung ist grenzenlos. Meine Bindung mit der CDU war zurückliegend bereits erodiert. Du bist mir nun noch in den Rücken gefallen."

Hauptmann selbst äußerte sich zu den Vorwürfen bislang nicht, hatte allerdings eine Ehrenerklärung der Fraktion unterschrieben, in der er versicherte, nicht bei der Vermittlung von Maskengeschäften profitiert zu haben.

Vor Bekanntwerden der Affäre hatte Hauptmann auch auf Anfrage von t-online und Abgeordnetenwatch hinsichtlich seines Unternehmens geantwortet: "Die Firma HGC GmbH berät mittelständische Unternehmen vor allem bei Internationalisierungsprozessen. Eine Beratung der Firma oder von mir als Person im Hinblick auf öffentliche Beschaffungsmaßnahmen hat weder in dieser noch in früheren Legislaturperioden stattgefunden."

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherchen

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