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Iranischer Angriff auf US-Stützpunkte: Zieht Donald Trump jetzt in den Krieg?

Experten äußern sich  

Iranischer Angriff auf US-Stützpunkte: Gibt es jetzt Krieg?

08.01.2020, 12:57 Uhr
Reaktionen nach Raketenangriff auf US-Truppen im Irak

Der iranische Außenminister Dschwad Sarif hat den Raketenangriff auf US-Truppen im Irak als "legitime Selbstverteidigung" bezeichnet. Unterstützer im Iran und Irak feierten die Nachricht. (Quelle: t-online.de)

"Legitime Selbstverteidigung": So reagieren der Iran und seine Unterstützer auf den Raketenangriff auf US-Truppen. (Quelle: t-online.de)


Nach dem iranischen Angriff auf zwei US-Basen im Irak wächst die Angst vor einem Krieg. Donald Trump reagierte auf Twitter währenddessen aber zurückhaltend. Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Am frühen Mittwochmorgen starteten die iranischen Revolutionsgarden die Operation "Märtyrer Soleimani": Sie attackierten zwei US-Stützpunkte im Irak mit Raketen. Die Attacke gilt als Vergeltung nach der Tötung des iranischen Generals Ghassem Soleimani durch einen US-Angriff vor wenigen Tagen.

Der Luftwaffenstützpunkt Ain al-Assad soll durch den iranischen Angriff "vollständig zerstört" worden sein. Ob es Tote und Verletzte gab, ist bisher nicht bekannt. Die US-Soldaten sollen zudem vor der Attacke gewarnt worden sein.

Kann es jetzt zum Krieg kommen?

Darüber lässt sich nur spekulieren. So sagt der Iran-Experte Adnan Tabatabai der Denkfabrik CARPO t-online.de, dass weder der "Iran noch die USA die volle Eskalation wollen". So gehe es immer um "eine Mitte zwischen Gesichtswahrung einerseits und auch dem Vorbeugen großer Eskalation."

"Im besten Fall haben wir jetzt eine kurzfristige starke Eskalation erlebt, die sich jetzt erstmal beruhigt, weil beide Seiten schauen, wie die jeweils andere Seite reagiert", sagt Tabatabai. "Insofern bleibt es extrem angespannt. Aber vielleicht haben wir jetzt die kommenden Tage und Wochen etwas mehr Ruhe."

Wie äußern sich die USA und der Iran auf einen möglichen Krieg?

Trump reagierte auf Twitter unter anderem mit den Worten "Alles ist gut!". Er will sich erst am Mittwochmorgen US-Zeit weiter zum Thema äußern. US-Verteidigungsminister Mark Esper hat den Iran zur Deeskalation in der Krise zwischen Teheran und Washington aufgerufen.

Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei bezeichnete die Attacke als "Ohrfeige gegen die Amerikaner" und fügte hinzu, dass der Iran keine Kriegsabsichten verfolge. Das Land habe aber auf die Tötung Soleimanis reagieren müssen. Der iranische Außenminister schloss seinen Tweet zur Attacke mit den Worten ab: "Wir wünschen uns keine Eskalation oder Krieg, werden uns aber gegen Aggressionen verteidigen."

Wie ist die Lage zu bewerten?

USA-Experte Josef Braml bewertet gegenüber t-online.de die Vergeltungsattacke des Iran als "vergleichsweise harmlos": "Zwar scheint die Lage in Nahost nach Irans Attacke wieder etwas entspannter zu sein", sagt Braml. "Doch der Iran und die USA steuern weiterhin auf Konfrontationskurs." Braml ist Experte bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik und Autor des Blogs "usaexperte.com".

Braml weist auch darauf hin, dass auf beiden Seiten neben "geostrategischen Ambitionen vor allem auch innenpolitische Kalküle" im Spiel sind. "Diese bergen weiterhin die Gefahr einer militärischen Eskalation", sagt Braml.

So habe die iranische Führung – wohl aus innenpolitischen Gründen – ein Interesse daran, an seiner Regionalstrategie und am Atomprogramm festzuhalten. Laut Braml lasse sich dadurch "die ohnehin prekäre innenpolitische Unterstützung ihres Regimes aufrechterhalten." Schon allein aus diesen Gründen wird sich die "Gewaltspirale voraussichtlich weiterdrehen."

Wie kann Donald Trump durch einen Krieg profitieren?

Braml warnt auch davor, dass der Iran nicht die Entschlossenheit der USA unterschätzen dürfe, militärisch einzugreifen. Das sei der Fall, wenn der Iran "nicht seine Bemühungen einstellt, sich konventionell und nuklear zu bewaffnen und die regionale Dominanz zu etablieren".

Zudem weist Braml darauf hin, dass Donald Trump durch einen Krieg profitieren könnte: "Ein 'rally around the flag'-Effekt, also eine patriotische Sammelbewegung um den Präsidenten und Oberbefehlshaber angesichts einer nationalen Sicherheitsbedrohung, könnte Trump sogar nützlich sein", so Braml.

Und: "Die dominante Rolle des Oberbefehlshabers der Streitkräfte in einer nationalen Krise könnte Trump auch vor seinem persönlichen Ohnmachtsszenario schützen", sagt Braml. "Nämlich seiner eigenen Abwahl oder dem Verlust seiner Mehrheiten im Parlament bei den anstehenden Präsidentschafts- und Kongresswahlen am 3. November 2020."

Verwendete Quellen:
  • Blog usaexperte.com
  • Eigene Recherche
  • Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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