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230.000 Tote in einer Schlacht

  • Florian Harms
Von Florian Harms

Aktualisiert am 05.07.2022Lesedauer: 5 Min.
Rund um die Stadt Kursk tobte vor 79 Jahren die größte Panzerschlacht der Geschichte.
Rund um die Stadt Kursk tobte vor 79 Jahren die größte Panzerschlacht der Geschichte. (Quelle: imago-images-bilder)
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Geschichte wiederholt sich nicht, heißt es, und das ist sicher richtig. Manchmal jedoch lassen sich in der Vergangenheit Parallelen zu gegenwärtigen Ereignissen entdecken – selbst wenn sich die Vorzeichen damals und heute vollkommen unterscheiden.

Schauen wir also 79 Jahre zurück: auf die russische Stadt Kursk, im Südwesten Russlands in der Nähe eines Meteoritenkraters gelegen. Heute vor 79 Jahren, am 5. Juli 1943, begann rund um diese Stadt die größte Panzerschlacht der Weltgeschichte. Rund 625.000 deutsche Soldaten mit 2.500 Panzern griffen die Stellungen der sowjetischen Armee an, in denen sich fast dreimal so viele Soldaten mit 5.000 Panzern und mehr als 30.000 Kanonen verschanzt hatten. Durch einen Blitzangriff wollten die deutschen Offiziere um Generalfeldmarschall Erich von Manstein die Verteidiger einkesseln und vernichten, um anschließend die weiter nördlich operierenden sowjetischen Einheiten zu attackieren.

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Sie scheiterten auf ganzer Linie. Die letzte deutsche Großoffensive im Krieg gegen die Sowjetunion endete in einem Desaster für die Wehrmacht. Im tagelangen Trommelfeuer verwandelten sich die Äcker rund um Kursk in riesige Friedhöfe. Der Deutsche Antonius John beschrieb später in seinen Kriegserinnerungen das "Schlachtfeld, auf dem jeder Baum und Strauch zerfetzt war, die Fläche mit zerstörten Geschützen, ausgebrannten Panzern und abgeschossenen Flugzeugen bedeckt". Es kam ihm vor wie der Weltuntergang.

Am Ende des Infernos waren mehr als 177.000 sowjetische und mehr als 54.000 deutsche Soldaten tot: zerfetzt von Granaten, durchsiebt von Kugeln, verkohlt in ausgebrannten Panzern, verblutet auf den Äckern. Die Wehrmachtsstrategen und ihr "Größter Feldherr aller Zeiten" Adolf Hitler hatten die Zähigkeit des Gegners grob unterschätzt und dessen taktische Änderungen ignoriert: Hatte die Rote Armee sich bis dahin immer wieder in verlustreichen Frontalangriffen einzelner Bataillone aufgerieben, ging sie nun koordinierter vor, führte ihre Verbände an strategischen Punkten zusammen und lockte den Gegner mit Täuschungsmanövern in die Falle. Die heimische Rüstungsindustrie lief auf Hochtouren, Geheimdienstinformationen eines Spions im Oberkommando der Wehrmacht halfen wohl ebenfalls. So schlugen die Sowjets die Invasoren vernichtend – und trieben sie nun vor sich her. Nach dem gescheiterten "Unternehmen Zitadelle" in Kursk ging es für die Wehrmacht nur noch westwärts: zurück Richtung Deutschland, wo das Nazireich knapp zwei Jahre später endlich kapitulierte.

Geschichte wiederholt sich nicht, aber manchmal weist sie Parallelen auf, selbst wenn Akteure, Motivationen und Begebenheiten ganz anders sind. Heute ist Russland der Aggressor, den man zwar nicht mit dem Hitlerreich vergleichen kann, der aber in imperialistischer Brutalität die Ukraine überfallen hat: 250 Kilometer südlich von Kursk toben die Schlachten im Donbass. Zu Beginn ihres Angriffskriegs haben die russischen Verbände viele Fehler gemacht. Sie überschätzten ihre Kraft und unterschätzten die Zähigkeit der Verteidiger; so endete der Marsch auf Kiew im militärischen Desaster. Seither hält sich in vielen Kommentaren in der deutschen Presse das Narrativ von den dilettantischen russischen Militärs.

Doch Putins Kommandeure haben aus ihren Fehlern gelernt. Mittlerweile greifen sie nicht mehr kopflos auf breiter Front an, sondern bündeln ihre Kampfgruppen, graben sich ein und schießen die gegnerischen Stellungen mit tagelangem Artilleriefeuer zusammen. Drohnen liefern die exakten Koordinaten für die Geschütze. Die russische Waffenindustrie produziert auf Hochtouren und wird weiterhin auch vom Geld europäischer Erdgaskunden finanziert – während den Ukrainern die Munition ausgeht und Waffen aus dem Westen nur langsam an die Front gelangen. "Putins Armee arbeitet inzwischen konzentrierter", sagt der Militärexperte Wolfgang Richter im Gespräch mit meiner Kollegin Liesa Wölm. Sie setze ihre Artillerie auf engem Raum ein und kämpfe sich so Schritt für Schritt voran.

So haben die Russen in den vergangenen Tagen Sjewjerodonezk, Lyssytschansk und die restlichen Ortschaften des Bezirks Luhansk erobert. Und so stoßen sie nun weiter vor in Richtung Donezk und Kramatorsk, wo sich das Hauptquartier der ukrainischen Donbass-Truppen befindet. Sie haben aus dem Schlachtverlauf gelernt wie die Rotarmisten vor fast 80 Jahren, sie haben ihre Taktik optimiert, und sie verfolgen ihren Angriffsplan mit stoischer Brutalität – ohne Rücksicht auf Verluste beim Gegner und in den eigenen Reihen.

Im Süden des Landes können die Ukrainer ihre Stellungen verteidigen und den Gegner bislang in Schach halten. Die Rückeroberung der Schlangeninsel im Schwarzen Meer gilt als strategischer Erfolg. Doch im Donbass sieht die Lage düster für sie aus. Der Krieg wird wohl noch lange dauern, aber die gesamte Region Luhansk haben die Ukrainer bis auf Weiteres verloren. Wird sie geschickt eingesetzt, ist die russische Übermacht einfach zu groß.

Im Juli 1943 hatten sich die sowjetischen Soldaten rund um Kursk in Schützengräben verschanzt.
Im Juli 1943 hatten sich die sowjetischen Soldaten rund um Kursk in Schützengräben verschanzt. (Quelle: imago-images-bilder)
Dann schlugen sie die deutschen Angriffe zurück.
Dann schlugen sie die deutschen Angriffe zurück. (Quelle: imago-images-bilder)
Besiegte Wehrmachtssoldaten gingen in Gefangenschaft.
Besiegte Wehrmachtssoldaten gingen in Gefangenschaft. (Quelle: imago-images-bilder)
Heute toben 250 Kilometer südlich von Kursk die Schlachten: Ein Panzer russlandtreuer Kämpfer.
Heute toben 250 Kilometer südlich von Kursk die Schlachten: Ein Panzer russlandtreuer Kämpfer. (Quelle: imago-images-bilder)

Was steht an?

Die Außenminister Schwedens und Finnlands unterzeichnen heute in Brüssel die Beitrittsprotokolle für den Nato-Beitritt. Danach müssen diese noch von den 30 Mitgliedstaaten ratifiziert werden, was bis zu acht Monate dauern kann. In Deutschland muss auch der Bundestag zustimmen.

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Klimaforscher haben den Grund für die Dürreperiode gefunden: Durch die Erderhitzung habe sich das Azoren-Hochdrucksystem "dramatisch verändert". Sie prophezeien: In den kommenden Jahrzehnten wird es noch viel trockener. Durch unseren ruinösen Lebensstil zerstören wir unsere eigenen Lebensgrundlagen.

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Ich wünsche Ihnen einen tollen Tag.

Herzliche Grüße

Ihr

Florian Harms
Chefredakteur t-online
E-Mail: t-online-newsletter@stroeer.de

Mit Material von dpa.

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