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Donald Trump als Brandbeschleuniger: Uns droht ein Desaster


Uns droht ein Desaster

  • Bastian Brauns
Von Bastian Brauns, Washington

Aktualisiert am 25.07.2022Lesedauer: 6 Min.
Meinung
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"Es ist eine Falschmeldung": Donald Trump leugnet die Klimakrise.Vergrößern des Bildes
"Es ist eine Falschmeldung": Donald Trump leugnet die Klimakrise. (Quelle: Zuma Wire/imago-images-bilder)

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

mein Name ist Bastian Brauns, ich bin der USA-Korrespondent für t-online. Heute kommentiere ich stellvertretend für Florian Harms für Sie die Themen des Tages.

Egal, ob Sie diesseits oder jenseits des Atlantiks leben, wir haben in diesem Sommer eines gemeinsam: Was wir sonst gerne als "schönes Wetter" bezeichnet haben, ist an vielen Orten der Erde längst nur noch eine schwer erträgliche Hitze, verbunden mit Trockenheit, Dürre und daraus folgenden Waldbränden. Die Klimakrise ist Realität.

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Die globale Hitzewelle führte allein in den USA in der vergangenen Woche insgesamt 359-mal zu Tageshöchsttemperatur-Rekorden. Selbst die Nächte sind zu heiß. 709-mal wurden die wärmsten jemals erfassten Tiefsttemperaturen in der Nacht gemessen. Wie gefährlich trocken es ist, lässt sich beispielsweise auf dem Dürre-Monitor des "National Centers for Environmental Information" verfolgen.

In Kalifornien hat der Gouverneur den Notstand ausgerufen. Der berühmte Yosemite Park steht in Flammen. Schon mehr als 55 Quadratkilometer sind verbrannt. 2.000 Feuerwehrleute kämpfen mit Bulldozern, Flugzeugen und Löschfahrzeugen gegen die Flammen. Und auch in Deutschland zeigt sich das Problem: In Brandenburg verbrennen Bäume schon jetzt doppelt so oft wie im vergangenen Jahr.

Während die Welt an vielen Orten in Flammen steht, hat es sich Donald Trump dennoch nicht nehmen lassen, all das herunterzuspielen. Der Ex-US-Präsident macht einmal mehr klar, dass er, anstatt zu helfen, viel lieber als Brandbeschleuniger der Klimakrise beitragen will.

Als er am Wochenende im Bundesstaat Arizona auf einer Wahlkampfveranstaltung zu seinen Fans sprach, sagte er wörtlich: "Wir müssen die Falschmeldungen zum Klimawandel bekämpfen." Nicht Dürre, Wasserknappheit oder Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine führen nach seiner Ansicht zu Hungerkrisen in der Welt. Trump macht eine angebliche Politik der "Klima-Tyrannei" dafür verantwortlich.

Der einst mächtigste Mann der Welt leugnet nicht nur bis heute seine Niederlage bei den Präsidentschaftswahlen 2020. Er leugnet auch den menschengemachten Klimawandel. Dazu attackierte er genüsslich Deutschland. "Ich habe es vorhergesagt", so Trump. "Vor drei Jahren schon." "Deutschland wird seine Wirtschaft zerstören, weil es aus der Atomenergie und aus der Kohle aussteigen will."

Nun könnten wir sagen: Was interessiert uns Donald Trump in Arizona? Aber die Chancen, dass dieser Mann 2025 wieder im Weißen Haus sitzen könnte, sind real. Und das hätte Konsequenzen für den ganzen Planeten.

  • Der seit Monaten laufende Untersuchungsausschuss lässt zwar gefühlt kaum Zweifel daran, dass Trump sich gewaltsam an der Macht halten wollte. Dem ehemaligen Präsidenten dies aber gerichtsfest nachzuweisen, ist viel schwerer, als es auf den ersten Blick erscheinen mag. Gelingt es nicht, ihn anzuklagen, geschweige denn ihn zu verurteilen, dürfte seiner Kandidatur wenig im Weg stehen. Warum Trump der große Manipulator der Massen bleibt, können Sie hier lesen.
  • In den US-Bundesstaaten laufen bereits seit Monaten die Vorwahlen zu den wichtigen Zwischenwahlen im Herbst, bei denen die Republikaner voraussichtlich zumindest die Mehrheit im Repräsentantenhaus zurückerobern werden. Trump schafft es in zahlreichen der sogenannten Primaries, ihm treu ergebene, radikale Republikaner durchzusetzen. Das heißt: Schon im nächsten Kongress könnten mehr Trumpisten als je zuvor sitzen, die seine Anti-Klima-Agenda unterstützen werden.
  • Der mehrheitlich konservative Supreme Court, Amerikas höchstes Gericht, hat vor Kurzem die de facto Entmachtung der Umweltbehörde EPA entschieden. Nicht mehr die EPA soll etwa die Kohlendioxid-Grenzwerte für US-Kohlekraftwerke festlegen, sondern nur noch das Parlament soll darüber entscheiden dürfen. Dort gibt es aber kaum Mehrheiten für Klimaschutz.

Diese Entwicklungen in den USA wären womöglich nicht so dramatisch, wenn sie nicht von beunruhigenden gesellschaftlichen Problemen begleitet würden. Tatsächlich geht mit Trump eine schleichende Entdemokratisierung einher, die nicht nur die Einigkeit des Westens gefährdet, sondern auch den globalen Kampf gegen die Klimakrise.

In Europa mögen Warnungen vor einem möglichen Bürgerkrieg in Amerika hysterisch klingen. Das tun sie ehrlicherweise auch in den USA. Aber die Hälfte der Amerikaner rechnet laut einer vor wenigen Tagen veröffentlichten Umfrage mit einem ebensolchen baldigen US-Bürgerkrieg. Die politische und gesellschaftliche Polarisierung bleibt extrem.

Viele wären dieser Studie zufolge sogar bereit, bei einer solchen kriegerischen Auseinandersetzung mitzumachen, wenn es dazu kommen würde. Jeder Fünfte glaubt, dass er sich wohl mit einer Waffe beteiligen würde. Diese Menschen halten es für gerechtfertigt, Gewalt einzusetzen, um ein wichtiges politisches Ziel zu erreichen. Rund sieben Prozent der Teilnehmer gaben an, dass sie auch bereit dazu wären, eine Person in einer solchen Situation zu töten. Prozentual entspricht das etwa 18 Millionen Amerikanern.

Eine weitere, kürzlich veröffentlichte Umfrage der University of Chicago ist besorgniserregend. Ihr zufolge fühlt sich mehr als jeder vierte Amerikaner entfremdet von seiner Regierung und glaubt, dass es "bald notwendig sein könnte, zu Waffen zu greifen". All das muss nicht in einem Bürgerkrieg münden, wie die USA ihn einst erlebten. Aber schon immer wieder aufflammende Scharmützel könnten für eine andauernde Konfliktsituation sorgen.

Einwände gegen derlei Schwarzmalereien sind natürlich berechtigt. Es muss auch nicht gleich ein Krieg sein, der die Einheit im Land gefährdet. Radikale Abgeordnete im Kongress wie Marjorie Taylor Greene aber liebäugeln längst mit einer "Sezession", also einer Abtrennung von Staatsgebieten. Das sei, so sagte sie es neulich, eine "viel bessere" Option als ein Bürgerkrieg.

Diese Ansicht teilt sie sich offensichtlich mit Anhängern von Donald Trump. Eine repräsentative Umfrage hat neulich ergeben, dass 33 Prozent der Trumpisten aus republikanisch regierten Bundesstaaten glauben, sie seien persönlich "besser dran", wenn ihr Bundesstaat sich von den USA abspalten und "ein unabhängiges Land werden würde". Eine derartig ablehnende Haltung zu dem in den USA traditionell starken Hang zur nationalen Einheit ist zumindest bemerkenswert.

So unwahrscheinlich sowohl ein Bürgerkrieg als auch eine geopolitische Spaltung der USA erscheinen mögen: Es gibt auch ganz andere, nicht minder beunruhigende Szenarien. So sollen sich die zahlreichen Verbündeten von Trump längst darauf vorbereiten, das Land im Falle eines Sieges umzugestalten. Und zwar mitten aus den Regierungsbehörden heraus.

Schon lange wettert Donald Trump gegen einen von Demokraten durchsetzten, sogenannten "Deep State", der ihn und überhaupt alle Republikaner seit Jahrzehnten sabotiere. Der Plan von Trump und seinen Unterstützern: Den gesamten Regierungs- und Behördenapparat bestmöglich von unliebsamen Beamten per Rausschmiss zu säubern. Tausende von Karriereposten sollen demzufolge dann mit Anhängern von Trump und seiner Ideologie besetzt werden.

Bei Trumps erster Amtszeit und nicht zuletzt beim Sturm auf das Kapitol waren es unter anderem Regierungsmitglieder, Behördenleiter und -mitarbeiter, die sich ihm schließlich doch entgegenstellten. Was passieren könnte, wenn all diese Leute von heute auf morgen gefeuert würden, dafür braucht es inzwischen kaum noch Fantasie.

Allein, dass sich die USA mit derlei Herausforderungen beschäftigen müssen, lenkt von den großen globalen Themen ab. Die einzige tragische Hoffnung ist, so scheint es, dass die Menschen es erst am eigenen Leib erfahren müssen, wie wichtig der Kampf gegen die Klimakrise ist.

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Wie unerträglich aber muss die Hitze noch werden, um die hitzigen Debatten in Amerikas Kulturkampf zu beruhigen? Die Vermutung liegt nahe: Dieser Dürresommer wird dafür nicht ausreichen.


Was steht an?

Wer folgt auf Boris Johnson? In Großbritannien findet ein TV-Duell zwischen Liz Truss und Rishi Sunak im Rennen um seine Nachfolge statt. Die Debatte wird bei der BBC übertragen. Bis zum 5. September wollen die Mitglieder der Konservativen Partei in Großbritannien entscheiden, wer Parteichef und Premier werden soll.

Bezüglich der Gaskrise bleibt die heikle Frage, ob Russland die reparierte, aus Kanada gelieferte Turbine entgegennimmt. In Baden-Württemberg findet heute ein Gaskrisengipfel statt, an dem unter anderem Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Bundesnetzagenturchef Klaus Müller teilnehmen werden.

Papst Franziskus besucht in Kanada heute Vertreter der dortigen indigenen Bevölkerung. Es wird erwartet, dass das Oberhaupt der katholischen Kirche bei den verschiedenen Treffen um Entschuldigung für den jahrzehntelangen Umgang mit indigenen Kindern bittet, die teils ihren Eltern entrissen und an die von der Kirche geführten Internate geholt wurden.


Was lesen?

Die Atomwaffen sind Putins furchterregendstes Mittel. Aber welche Rolle spielen Nuklearwaffen wirklich im Krieg in der Ukraine und welche Reaktion würde ihr Einsatz hervorrufen? Meine Kollegen Rahel Zahlmann, Nicolas Lindken und Adrian Röger haben mit einer Expertin über die atomare Bedrohung gesprochen und interessante Fakten in diesem Video zusammengetragen.

Achten Sie beim nächsten Besuch im Biergarten einmal darauf: Mit sehr großer Wahrscheinlichkeit bekommen Sie Ihr Kaltgetränk in einem Glas der Firmen Sahm oder Rastal serviert. Die beiden Unternehmen kämpfen derzeit um die globale Marktführerschaft. Tatsächlich sind die Gründer Brüder, die sich aber verkracht haben. Mein Kollege Mauritius Kloft hat recherchiert, wie es zum Bruch im Familienkonzern kam und warum beide Firmen bis heute so erfolgreich sind.

Die Inflation ist im Alltag überall zu spüren. Die EZB hebt nun erstmals seit Jahren die Zinsen an, um so gegen die Teuerung anzukämpfen. Meine Kollegen Frederike Holewik und Florian Schmidt haben mit dem Chef des Bankenverbands, Christian Ossig, darüber gesprochen, ob das reicht und wie Sparer jetzt ihr Geld anlegen sollten.


Ihr

Bastian Brauns
Washington-Korrespondent
Twitter @BastianBrauns

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Mit Material von dpa.

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