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China enthüllt zweiten Tarnkappen-Kampfjet

China enthüllt Tarnkappen-Kampfjet

02.11.2012, 19:46 Uhr | Spiegel Online

China enthüllt zweiten Tarnkappen-Kampfjet. J-31-Kampfjet: Das Stealth-Kampfflugzeug ist Chinas zweiter Tarnkappen-Jet. (Quelle: Reuters)

J-31-Kampfjet: Das Stealth-Kampfflugzeug ist Chinas zweiter Tarnkappen-Jet. (Quelle: Reuters)

China modernisiert seine Streitkräfte mit enormer Geschwindigkeit. Jetzt hat das Land seinen zweiten Tarnkappen-Kampfjet vorgestellt. Er stammt aus eigener Produktion - hat aber verblüffende Ähnlichkeit mit einem US-Modell.

Sollten sich amerikanische und chinesische Kampfpiloten eines Tages über den Wolken treffen, könnten sie froh sein, dass sie ihre Flugzeuge nicht mit bloßem Auge unterscheiden müssen. Denn das könnte schwierig werden, sieht man sich den neuesten chinesischen Kampfjet an.

Das Flugzeug mit der Bezeichnung J-31 hat diese Woche seinen öffentlichen Erstflug in Chinas nordöstlicher Provinz Liaoning absolviert. Es ist nach der J-20, die im Januar 2011 präsentiert wurde, der zweite chinesische Stealth-Kampfjet aus chinesischer Produktion. "Das ist das zweite vollständig neue Kampfflugzeug, das in den vergangenen zwei Jahren aus China gekommen ist", sagte Sam Roggeveen, Sicherheitsexperte am Lowy Institute im australischen Sydney. Damit habe China sich nicht nur eindrucksvoll technologisch entwickelt, sondern sei inzwischen auch seinen regionalen Konkurrenten voraus.

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Wie viel ist von den USA geklaut?

Fraglich ist allerdings, wie viel die Ingenieure der Shenyang-Flugzeugwerke sich selbst haben einfallen lassen und wie viel Know-how von Hackerangriffen auf die USA stammt. Denn die J-31 sieht beinahe aus wie eine Kopie der F-22 "Raptor", des Tarnkappen-Jägers der US-Luftwaffe. Die Nase, die Form der Flügel, die abgewinkelten Heckleitwerke - die beiden Maschinen ähneln sich selbst in Details verblüffend. Auch die Größe beider Maschinen ist in etwa vergleichbar.

Zwar ist die Form allein nur ein Faktor für die Leistungsfähigkeit der J-31. Mindestens ebenso wichtig sind das Flugleitsystem, die Elektronik und die Bewaffnung. Doch auch hier könnten die Chinesen sich in den USA bedient haben. Im April 2009 etwa wurde bekannt, dass Hacker mehrere Terabyte an Daten über den Stealth-Jet F-35 "Lightning II" gestohlen hatten. Das auch als "Joint Strike Fighter" bekannte Flugzeug wird wie auch die F-22 von Lockheed Martin gebaut.

Die J-31 ist zudem wesentlich kleiner als die J-20. Damit, so vermuten Experten, wird zwischen den beiden Maschinen eine ähnliche Aufgabenteilung herrschen wie zwischen den US-Modellen: Während die F-22 als Luftüberlegenheitsjäger vor allem Jagd auf feindliche Flugzeuge machen soll, soll die F-35 als Mehrzweck-Kampfjet auch Bodenziele angreifen können.

Achillesferse Triebwerk

Nach Angaben der chinesischen "Global Times" lassen die Form und das zweirädrige Bugfahrwerk der J-31 darauf schließen, dass sie auch auf Flugzeugträgern eingesetzt werden soll. Das Flugzeug werde zunächst Triebwerke aus russischer Produktion nutzen, um später mit chinesischen Modellen ausgestattet zu werden.

Roggeveen sieht in den Triebwerken "die große Achillesferse der chinesischen Luftfahrtindustrie". "Sie sind nach wie vor stark auf ausländische Technologie angewiesen, und die Entwicklung eigener Hochleistungstriebwerke kommt frustrierend langsam voran." Es werde noch "viele, viele Jahre" dauern, bis sie in der Luftwaffe des Landes eingesetzt werden könnten.

Allerdings wäre es nicht das erste Mal, dass westliche Experten China in dieser Hinsicht unterschätzen. So hat kein geringerer als der frühere US-Verteidigungsminister Robert Gates noch 2009 prophezeit, dass der erste chinesische Stealth-Kampfjet nicht vor 2020 fliegen würde. 2011, neun Jahre früher, wurde Gates eines besseren belehrt: Die J-20 absolvierte ihren Jungfernflug, passend zu Gates' Besuch in Peking.

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