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Reise nach L'Aquila: Deutet Papst Franziskus seinen Rücktritt an?


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Deutet der Papst seinen Rücktritt an?

Von dpa
Aktualisiert am 28.08.2022Lesedauer: 3 Min.
Papst Franziskus: Hat der Pontifex auf seiner Reise nach L'Aquila seinen Rücktritt angedeutet?
Papst Franziskus: Hat der Pontifex auf seiner Reise nach L'Aquila seinen Rücktritt angedeutet? (Quelle: Riccardo De Luca/dpa)
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Neue Kardinäle, ein Besuch am Grab des ersten zurückgetretenen Papstes und eine Vollversammlung der Papstwähler: Die Gerüchteküche um Papst Franziskus brodelt.

Papst Franziskus hat am Wochenende 20 neue Kardinäle ernannt und am Grab jenes Papstes gebetet, der als erster in der Kirchengeschichte freiwillig zurückgetreten ist. Am Sonntag flog er dazu mit einem Hubschrauber in die italienische Stadt L'Aquila, traf dort Hinterbliebene von Opfern des tödlichen Erdbebens von 2009 und betete am Grab Coelestins V. in der Basilika Santa Maria di Collemaggio. Der Papst heizte mit diesen beiden Terminen direkt vor einer Kardinalvollversammlung am Montag und Dienstag die Gerüchte um einen möglichen Rücktritt an. Vatikan-Beobachter halten einen solchen Schritt aber derzeit für sehr unwahrscheinlich.

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Papst Coelestin V. legte 1294 als erster Papst freiwillig sein Amt nieder. Auch Papst Benedikt XVI. betete wenige Jahre vor seinem Amtsverzicht im Jahr 2013 an diesem Grab. Benedikts Besuch und die Ablage seines Amtsabzeichens am Grab Coelestins V. wurden später als stille Rücktrittsankündigung interpretiert.

Keine neuen deutschen Kardinäle

Mit der Ernennung von 20 neuen Kardinälen nahm Papst Franziskus zumindest schon mal spürbar Einfluss auf die Zukunft der katholischen Kirche. 16 von ihnen dürften in einem Konklave, also einer Papstwahl, ihre Stimme für ein neues Oberhaupt der katholischen Kirche abgeben, weil sie noch nicht die vorgeschriebene Altersgrenze von 80 Jahren überschritten haben. Auffällig war, dass der Papst zahlreiche Amtsträger aus Diözesen nicht berücksichtigte, die traditionell irgendwann Kardinäle werden. Stattdessen berief er auch Männer aus Osttimor, Singapur und der Mongolei. Deutsche wurden am Samstag nicht zu neuen Kardinälen ernannt.

Es war Franziskus' achte Kardinalskreierung als Papst, wie es in der Fachsprache heißt. Im aus 226 Kardinälen bestehenden Gremium haben 132 von ihnen das Wahlrecht im Konklave. Anteilig hat Franziskus mittlerweile die meisten von ihnen ernannt. Die übrigen stammen aus den Pontifikaten Benedikts XVI. und Johannes Pauls II.

Umstrittene Kardinäle anwesend

Bei der Zeremonie am Samstagnachmittag im Petersdom waren auch die deutschen Kardinäle Reinhard Marx (Erzbischof von München und Freising) und der umstrittene Erzbischof Kölns, Rainer Maria Woelki, dabei. Für Staunen sorgte die Anwesenheit des italienischen Kardinals Giovanni Angelo Becciu, der sich im Moment im Vatikan wegen eines Finanzskandals um den schiefgelaufenen Kauf einer Luxusimmobilie vor Gericht verantworten muss. Becciu sagte vorab, Franziskus habe ihn zur Zeremonie eingeladen und wolle ihm seine Kardinalswürde zurückgeben, die er im Zuge des Skandals abgegeben hatte.

Die neuen Kardinäle besuchten zusammen mit Franziskus im Anschluss an die Kirchenfeier den emeritierten Papst Benedikt XVI. in seinem Vatikan-Wohnsitz Mater Ecclesiae. Die beiden Päpste beteten zusammen mit den neuen Kardinälen, wie der Heilige Stuhl mitteilte.

Reform geplant

Gespannt blicken Beobachter nun auf Montag und Dienstag, wenn rund 200 Kardinäle und hohe Kirchenfunktionäre im Vatikan hinter verschlossenen Türen zu einer Sitzung zusammenkommen. Offiziell will Papst Franziskus dabei die neue Vatikan-Verfassung "Praedicate Evangelium" (Verkündet das Evangelium) vorstellen. Sie ist eines der großen Reformprojekte des Argentiniers, das über mehrere Jahre ausgearbeitet wurde, die Behörden des Heiligen Stuhls neu ordnet und etwa Frauen die Möglichkeit einräumt, diese zu leiten.

Für Franziskus ist es eine Gelegenheit, die Meinungen der Kardinäle aus aller Welt zu dieser Reform zu hören. Beobachter vermuten, dass auch andere Themen zur Sprache kommen könnten. Die etwas kuriose Terminkonstellation aus der Kardinalsernennung zu einem ungewöhnlichen Termin im heißen Sommermonat August, ein symbolischer Besuch am Grab des ersten zurückgetretenen Papstes in L'Aquila und eine Vollversammlung von Kardinälen – fast schon wie bei einem Konklave – sorgte im Vorfeld jedenfalls für Gerüchte.

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Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur dpa
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