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Bischof Mixa rehabilitiert katholische Sekte

Marienkinder  

Bischof Mixa rehabilitiert katholische Sekte

04.03.2009, 17:22 Uhr

Von Alice Gundlach

Bischof Mixa firmte Marienkinder - als erster Bischof überhaupt (Foto: dpa)Bischof Mixa firmte Marienkinder - als erster Bischof überhaupt (Foto: dpa)

Die Mitglieder der katholischen Gemeinde Sankt Justina in Bad Wörishofen waren vor den Kopf gestoßen. Im Juni vergangenen Jahres kam Bischof Walter Mixa nicht zur Firmung, die Salbung nahm an seiner Stelle der Abt Paulus Weigele aus Ottobeuren vor. An sich ein üblicher Vorgang - schließlich kann der Bischof nicht jedes Jahr die Firmlinge aller Gemeinden im Bistum aufsuchen. Doch im September kam der Augsburger Bischof zur Firmung in Bad Wörishofen: bei der Gemeinschaft der Marienkinder.

Seit der Gründung der Marienkinder in den 80er Jahren waren die Mitglieder noch nie gefirmt worden. Ihr Gründer Josef Zanker wurde exkommuniziert. Denn die Gemeinschaft mit etwa 140 Mitgliedern lehnt nicht nur den Papst ab, sondern auch die Ergebnisse des Zweiten Vatikanischen Konzils und das Gesangbuch "Gotteslob" - nach der Lehre der Sekte alles Teufelswerk und "Sünde gegen den Geist".

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Kontakt seit fast zwei Jahren

Bischof Mixa hat es sich zur Aufgabe gemacht, die verirrten Schäflein wieder in die katholische Kirche zu integrieren. Während Papst Benedikt XVI. in den vergangenen Wochen für Aufregung sorgte, weil er mehrere Priester der ultrakonservativen Piusbruderschaft wieder aufnahm, hält das Bistum Augsburg schon seit bald zwei Jahren immer intensiveren Kontakt zu den Marienkindern. Von der Öffentlichkeit wurde dies bisher weitgehend nicht registriert.

Marienkinder haben problematische Geschichte

Auf der Internetseite des Bistums Augsburg ist zu lesen: "Seit Sommer 2007 sind die Marienkinder dabei, sich wieder in die Katholische Kirche zu integrieren." Bistums-Pressesprecher Christoph Goldt erklärt: "Die Akzeptanz aller ökumenischen Konzilien ist zwingend notwendig." Dass die Marienkinder das bisher nicht tun, ist nicht das einzige Problem in der Geschichte der Gemeinschaft.

Engel, Dämonen, Exorzismus

Die Gruppierung wurde 1983 von dem ehemaligen Maurerpolier Josef Zanker und dem Pfarrer Johannes Maria Bauer gegründet, die beide 1985 exkommuniziert wurden. Die Marienkinder glauben an Dämonen, Engel und Exorzismus. Anführer Zanker forderte, dass sich die Gläubigen der "Mutter und Herrin Maria" total zu unterwerfen hätten. 1987 wurde er zu vier Jahren Haft auf Bewährung wegen mehrfacher Körperverletzung verurteilt. Dem Gericht zufolge griff er seine Anhänger - vor allem Frauen und Kinder - mehrfach an und nötigte sie. 1996 wurde er ein weiteres Mal verurteilt - diesmal zu drei Jahren Haft.

Anführer verurteilter Gewalttäter

Zu diesem Zeitpunkt verließ eine große Zahl der Gläubigen die Sekte. Aussteiger berichteten von Exorzismen gegen "Ungehorsame", teilweise begleitet von sexuellem Missbrauch. Anführer Zanker neigte generell zu Gewaltausbrüchen, beschimpfte seine Anhänger nach Aussagen von Ex-Mitgliedern als "Drecksäue" und "Huren". 1993 brachte er seinen Mitstreiter Pfarrer Bauer in einem gewalttätigen Streit fast um. Danach wandte sich Bauer von der Gemeinschaft ab und wurde in die katholische Kirche wieder aufgenommen. Er starb 1999.

Weltuntergangstheorie ging unter

Moderne Technik wie Computer sind nach Ansicht der Marienkinder ebenso satanisch wie moderne Musik und Hollywoodfilme. Dazu kommen Weltuntergangstheorien: Zanker prophezeite eine apokalyptische Schlacht im Jahr 2000 zwischen "den Anhängern Mohammeds und christlichen Nationen". Die Marienkinder leben heute in einem Gemeinschaftshaus im Gewerbegebiet von Bad Wörishofen und betreiben die Spedition "Ave Maria". Sektengründer Zanker starb im Jahr 2001, seitdem war die Berichterstattung über die Gruppe verebbt.

Bistum wirbt für Differenzierung

Das Bistum ist sehr vorsichtig bei den Aussagen über die Marienkinder. Noch im Jahr 2000 bescheinigte man der Gruppe eine apokalyptische Ausrichtung und eine totalitäre Glaubensrichtung. Heute gibt sich der Bistumssprecher differenziert: "Natürlich sind auch die Marienkinder wie alle Gruppen nicht eine homogene Masse, sondern auch sie bestehen aus Einzelpersonen mit unterschiedlichen persönlichen Biografien und Glaubenserfahrungen."

Stichwort Die Priesterbruderschaft St. Pius X.
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"Ein längerer Weg der Heranführung"

Auf lokaler Ebene herrscht große Skepsis darüber, ob sich die Marienkinder tatsächlich wieder in die Kirche einfügen wollen. "Der Prozess der Eingliederung in die Kirche ist ein längerer Weg der Heranführung", sagt Bistumssprecher Goldt. Etwa würden die Marienkinder nun "behutsam mit dem 'Gotteslob' vertraut gemacht", so Goldt.

Messe auf Latein für die Integration

Bei dieser "Heranführung" ist es wiederum die Pfarrgemeinde Sankt Justina in Bad Wörishofen, die dem Bistum helfen soll. Schon im Pfarrbrief der Gemeinde vom Advent 2007 berichtete Pfarrer Rudolf Gaißmayer den Gläubigen davon, dass die Marienkinder das Bistum um Wiederaufnahme gebeten hätten. Da diese - gegen Erlass des Zweiten Vatikanischen Konzils - auf einer lateinischen Messe bestehen, werde nun in der ortsansässigen Klosterkirche alle zwei Wochen eine Messe auf Latein gefeiert, die Papst Benedikt schließlich wieder zugelassen hat. Zu den üblichen Messen seien die Marienkinder jedoch auch herzlich eingeladen.

Pfarrer appelliert an Gläubige

Der Pfarrgemeinderat habe zwar starke Vorbehalte geäußert, was die Integrationsfähigkeit der Abgespaltenen betreffe, berichtete Gaißmayer weiter. Er betonte aber: "Integration muss von beiden Seiten gewollt werden."

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