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Klima und Umwelt: "Die wahre Gefahr kommt aus dem Meer"

MEINUNGKlima und Umwelt  

Die größte Gefahr kommt aus dem Meer

Eine Kolumne von Michaela Koschak

13.01.2020, 15:00 Uhr
Klima und Umwelt: "Die wahre Gefahr kommt aus dem Meer".  (Quelle: Getty Images)

Eine ruhige Meeresoberfläche: Die Ozeane gehören zu den größten natürlichen CO2-Speichern. Doch durch die menschgemachte Klimakrise nehmen sie immer weniger Kohlenstoffdioxid auf. (Quelle: Getty Images)

Die Ozeane gehören zu den größten natürlichen CO2-Speichern. Doch auch sie kommen irgendwann an ihre Grenzen. Daran ist der Mensch nicht ganz unschuldig. Warum ist das so gefährlich? 

Eine Gurke besteht zu 96 Prozent aus Wasser. Aber auch unsere Erde hat eine Menge Wasser zu bieten. Sie ist zu etwas mehr als zwei Dritteln mit Wasser bedeckt. Davon sind 97,4 Prozent Salzwasser.

Wie beim Wetter und den Luftströmungen ist auch bei den Ozeanen die Sonne der Motor von allem. Sie erwärmt das Wasser besonders am Äquator das ganze Jahr über. Wie gigantische Förderbänder transportieren Meeresströmungen das warme Wasser in Richtung kalter Pole.

Zum einen gibt es den für uns Europäer so wichtigen Golfstrom. Aus dem Golf von Mexiko gelangt warmes Wasser bis in den Nordatlantik und sorgt dafür, dass auch in Norwegen Erdbeeren an der Küste gedeihen können und man im schottischen Plockton Palmen findet. Der Golfstrom ist die Warmwasserheizung für Nordeuropa, ohne ihn wäre es hier zehn Grad kälter.

Eine Satelliten-Aufnahme des Golfstroms: Der Golfstrom ist sehr wichtig für das Klima in Europa. Ohne ihn wäre es hierzulande im Durchschnitt 10 Grad kälter. (Quelle: imago images/Archiv-Foto)Eine Satelliten-Aufnahme des Golfstroms: Der Golfstrom ist sehr wichtig für das Klima in Europa. Ohne ihn wäre es hierzulande im Durchschnitt 10 Grad kälter. (Quelle: Archiv-Foto/imago images)

Die Ozeane sind für unser Wetter mitverantwortlich

Daran sieht man, dass Luft- und Meeresströmungen wie gute Freunde sind, die sich gegenseitig brauchen und voneinander profitieren. Sie beeinflussen sich gegenseitig und können nicht ohne den anderen. Die Ozeane sind also mitverantwortlich für unser Wetter. 

Ein anderes Beispiel ist das Mittelmeer. Wenn das Meerwasser besonders warm ist, können sich die darüber liegenden Luftmassen mit Feuchtigkeit vollsaugen. Bei Sonnenschein steigt dann Wasserdampf auf. Die Luft nimmt diese Feuchtigkeit auf und wandert mit ihr Richtung Norden. Bei ungünstigen Konstellationen bilden sich dann sogenannte Vb-Tiefs, die extremes Wetter bringen. Zum Beispiel verursachte Tief "Daisy" vor zehn Jahren ein heftiges Schneechaos in Norddeutschland. Tief "Ilse" war 2002 für das Elbehochwasser verantwortlich. 

Die Ozeane spielen eine besondere Rolle in der Klimakrise 

Bestimmt kennt jeder noch aus dem Geografieunterricht das kontinentale und das maritime Klima. Wer sich nicht mehr genau daran erinnert, hier nochmal eine kleine Auffrischung: Kontinentales Klima gibt es im Landesinneren. Dort sind die Winter besonders kalt und die Sommer besonders warm, da Landflächen durch die Sonne schneller erwärmen, sich aber auch schneller wieder abkühlen. Zudem gibt es große Temperaturunterschiede zwischen Sommer und Winter, aber auch zwischen Tag und Nacht.

Das Meer hingegen ist träge: es braucht eine Ewigkeit, um im Frühjahr warm zu werden, hält aber im Herbst noch lange die Wärme des Sommers. So kommt es vor, dass man im Oktober noch 20 Grad Wassertemperatur im Mittelmeer genießen kann. Das bedeutet: die Winter am Meer werden meist nicht so knackig kalt, die Sommer aber auch nicht so brütend heiß wie auf dem Festland – das Klima ist etwas gemäßigter. 

Unser Wetter wird also nicht nur in der Atmosphäre, sondern auch von unseren Meeren gemacht. Deshalb sollte man auch beim Thema Erderwärmung genauer auf unsere Ozeane schauen, denn sie spielen beim Thema Klimakrise eine bedeutende Rolle.

Die Weltmeere sind riesige CO2-Speicher 

Ozeane speichern eine erstaunliche Menge Kohlenstoffdioxid. Seit Beginn der industriellen Revolution waren es rund 30 Prozent des vom Menschen emittierten CO2s – das haben Wissenschaftler herausgefunden. Dabei passen sich die Meere aktuell noch an. Das heißt: wenn wir Menschen mehr CO2 emittieren, nimmt das Wasser auch mehr CO2 auf – toll, wie die Natur tickt, oder?

Klar gibt es im Ozean auch natürlich verursachtes CO2. Durch bestimmte Messverfahren konnten Forscher aber den anthropogenen, also vom Menschen verursachten Anteil herausfinden. Und dieser wird in den letzten Jahrzehnten immer höher. 

Wohin führt das und wie funktioniert das Puffern von CO2? Das Kohlenstoffdioxid löst sich im Oberflächenwasser auf. Die Menge ist dabei abhängig von der Temperatur des Wassers und seinem pH-Wert. Durch Strömungen und Mischprozesse wird das gelöste CO2 dann in tiefere Ozeanschichten verfrachtet und hier gelagert. So bleibt das CO2 sehr lange im Meer und wir Menschen merken nichts davon. 

"Unsere Ozeane sind eine tickende Zeitbombe" 

Allerdings geht der Prozess nicht spurlos an den Meeren vorbei. Sie werden saurer und saurer, ihr pH-Wert ändert sich. Das wirkt sich wiederum auf die Löslichkeit von CO2 aus. Denn je saurer das Wasser ist, desto weniger CO2 kann es aufnehmen. Zudem mögen viele Meeresbewohner kein saures Wasser. Mittlerweile kämpfen viele Tier- und Pflanzenarten ums Überleben oder sterben aus, als Beispiel seien hier nur die Korallen erwähnt.

Korallen am Great Barrier Reef, die von Korallenbleiche betroffen sind: Bei der Bleiche stoßen die Korallen Algen ab, die sonst mit ihnen in Symbiose leben – zurück bleibt das Skelett. (Archivbild) (Quelle: dpa/Daniel Naupold)Korallen am Great Barrier Reef, die von Korallenbleiche betroffen sind: Bei der Bleiche stoßen die Korallen Algen ab, die sonst mit ihnen in Symbiose leben – zurück bleibt das Skelett. (Archivbild) (Quelle: Daniel Naupold/dpa)

Unsere Ozeane sind eine tickende Zeitbombe. Noch puffern sie eine Menge Treibhausemissionen von uns Menschen, aber das geht nicht bis in alle Ewigkeit gut. Durch die Erderwärmung erwärmt sich nicht nur die Luft, sondern auch unsere Meere, die Pole schmelzen ab. Es verändern sich die Temperaturen und der Salzgehalt unserer Ozeane. Beides beeinflusst die Aufnahme von CO2.

Die menschengemachte Erderwärmung greift in das natürliche Ökosystem ein

Wie es weitergehen wird und wie lang das Ganze gut geht, kann man nur schwer vorhersagen. Auch Wissenschaftler haben noch keine konkreten, sinnvollen Vorstellungen. Klar ist: wir greifen mit der selbst gemachten Erderwärmung in das natürliche Ökosystem ein und bringen es durcheinander. Die Natur kann viel aushalten und abfedern, aber irgendwann muss auch sie kapitulieren – und das sollten wir nicht herausfordern.

Es ist für unsere Ozeane extrem wichtig, dass wir die Treibhausemissionen reduzieren. Am Aussterben vieler Meeresbewohner sehen wir schon jetzt die ersten Auswirkungen. Und das Aussterben der Korallen geht nicht nur den Tauchern unter Ihnen an die Nieren. Tragen also auch Sie bitte jeden Tag einen kleinen Teil zum Klimaschutz bei. 

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