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Inzidenz bei 201,1 - Höchster Wert seit Beginn der Pandemie

Von dpa
Aktualisiert am 08.11.2021Lesedauer: 4 Min.
Der bisherige Rekordwert wurde auf dem Höhepunkt der zweiten Corona-Welle mit 197,6 erreicht.
Der bisherige Rekordwert wurde auf dem Höhepunkt der zweiten Corona-Welle mit 197,6 erreicht. Nun ist er auf ĂŒber 200 gestiegen. (Quelle: Sebastian Gollnow/dpa./dpa)
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Berlin (dpa) - Die Sieben-Tage-Inzidenz der Corona-Neuinfektionen in Deutschland ist auf einen Höchstwert seit Pandemiebeginn gestiegen. Das Robert Koch-Institut (RKI) gab die Zahl der bestÀtigten FÀlle pro 100.000 Einwohner und Woche am Montagmorgen mit 201,1 an.

Der bisher höchste tagesaktuell vom RKI berichtete Wert war auf dem Höhepunkt der zweiten Corona-Welle am 22. Dezember 2020 mit 197,6 erreicht worden (ohne Nachmeldungen). Intensivmediziner befĂŒrchten eine dynamische Entwicklung auch bei der Zahl der zu versorgenden Covid-19-Patienten in den kommenden Wochen. Regional wird es auf Intensivstationen bereits eng. Die Krankenhaus-Ampel des bayerischen Gesundheitsministeriums ist am Montag auf Rot gesprungen. Mehrere BundeslĂ€nder verschĂ€rfen nun ihre Corona-Regeln.

Anders als vor einem Jahr sind mittlerweile viele Menschen geimpft. Experten gehen deshalb davon aus, dass das Gesundheitssystem jetzt mehr Neuinfektionen aushalten kann als zuvor. Die Impfungen schĂŒtzen sehr gut vor schweren KrankheitsverlĂ€ufen. Jedoch gilt die Impfquote in Deutschland noch nicht als hoch genug, um eine Überlastung von Kliniken auszuschließen. Bei Menschen ab 60 sind laut Statistik noch immer ĂŒber drei Millionen ohne vollstĂ€ndigen Impfschutz, auch die Quote bei Auffrischimpfungen in der Altersgruppe ist relativ niedrig. Zudem unterscheiden sich die BundeslĂ€nder stark bei der Impfquote.

Steigende Patientenzahlen

Auf den Intensivstationen werden laut Divi-Intensivregister vom Montag mehr als 2600 Covid-19-Patienten versorgt, das sind annĂ€hernd so viele wie vor einem Jahr. Zu Hochzeiten waren es ĂŒber 5700, nun stehen laut Divi wegen Personalmangels aber weniger Betten zur VerfĂŒgung. Der Leiter des Registers, Christian Karagiannidis, sagte der "Augsburger Allgemeinen" (Montag), dass sich die Patientenzahl in den kommenden Wochen voraussichtlich fast verdoppeln werde, wenn die Zahl der Neuinfektionen weiter so steige wie bisher. "Bei einer Inzidenz von 300 erwarten wir bundesweit etwa 4500 Covid-Patienten mit großen regionalen Unterschieden."

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Deutschlandweit seien 5000 Patienten vielleicht zu schaffen, erlĂ€uterte Karagiannidis im WDR - aber es könne trotzdem sein, dass man bereits bei insgesamt 3000 Patienten "in Bayern absolut grĂ¶ĂŸte Schwierigkeiten" haben werde, Platz fĂŒr einen Covid-Patienten zu finden. Wichtig seien regionale Maßnahmen, damit Inzidenzen nicht ins Uferlose stiegen. Auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft mahnte, die vierte Welle mĂŒsse dringend gebrochen werden. Sonst drohten je nach regionaler Betroffenheit EinschrĂ€nkungen: "Es werden wieder Patienten auf ihre geplanten Operationen warten mĂŒssen", sagte Vorstandschef Gerald Gaß den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Die derzeit am stĂ€rksten betroffenen Regionen - bei den Neuinfektionen wie auf den Intensivstationen - sind Sachsen mit einer Inzidenz von 491,3 vor ThĂŒringen mit 427,5 und Bayern mit 316,2. In den drei LĂ€ndern liegt jeweils in rund jedem fĂŒnften Intensivbett ein Covid-19-Fall. Mehrere Landkreise in den Hotspot-Regionen haben laut Divi-Intensivregister nur noch wenige oder keine freien Intensivbetten mehr. In Nordrhein-Westfalen, Hamburg und Niedersachsen seien Intensivstationen regional vereinzelt komplett ausgelastet, könnten aber noch innerhalb des Bundeslandes den Mangel an Intensivbetten ausgleichen, sagte Karagiannidis im WDR.

VerschÀrfte Corona-Regeln

Sachsen, ThĂŒringen und Bayern reagieren mit einer VerschĂ€rfung der Corona-Regeln. In Sachsen etwa haben seit Montag nur noch Geimpfte oder Genesene Zugang zu vielen Bereichen des öffentlichen Lebens, in Bussen, Bahnen und Taxis sind nun FFP2-Masken wieder Pflicht. In ThĂŒringen gilt ab Montag in allen Kreisen und kreisfreien StĂ€dten eine Testpflicht an Schulen.

In Bayern haben jetzt nur noch Geimpfte, Genesene und Menschen mit negativem PCR-Test Zutritt zu GasthĂ€usern und Veranstaltungen in geschlossenen RĂ€umen. Außerdem muss generell wieder eine FFP2-Maske getragen werden. Mit dem Umspringen der Krankenhaus-Ampel wegen der hohen Zahl von mehr als 600 Patienten auf den Intensivstationen gelten ab Dienstag VerschĂ€rfungen der Zutritts- und Testregeln.

Angesichts einer sich zunehmend verschĂ€rfenden Lage auch in Baden-WĂŒrttemberg rechnet das Sozial- und Gesundheitsministerium in KĂŒrze mit der Ausrufung der sogenannten Alarmstufe, die drastische EinschrĂ€nkungen fĂŒr viele Ungeimpfte im Land nach sich zieht.

Aus mehreren Regionen kamen am Montag Hinweise, dass die Nachfrage nach Impfungen wieder steigt. Die bundesweite Inzidenz war zuletzt rasant gestiegen, sie hatte vor einer Woche bei 154,8 und im Vormonat bei 63,8 gelegen. Die meisten Nachweise (358,3 pro 100 000 und Woche) stammen von Kindern zwischen 5 und 14 Jahren - eine Altersgruppe, die grĂ¶ĂŸtenteils mangels Impfstoff-Zulassung noch nicht immunisiert werden kann.

Hohe Dunkelziffer vermutet

Die GesundheitsĂ€mter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 15.513 Corona-Neuinfektionen. Das geht aus Zahlen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 04.15 Uhr wiedergeben. Deutschlandweit wurden den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden 33 TodesfĂ€lle verzeichnet. Das RKI zĂ€hlte seit Beginn der Pandemie 4.782.546 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsĂ€chliche Gesamtzahl dĂŒrfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die Dunkelziffer dĂŒrfte sich zuletzt vergrĂ¶ĂŸert haben - das legt die auf 12 Prozent gestiegene Rate positiver Tests nahe.

Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen - den fĂŒr eine mögliche VerschĂ€rfung der Corona-BeschrĂ€nkungen wichtigsten Parameter - gab das RKI am Montag mit 3,93 an (Freitag: 3,91). Bei dem Indikator muss berĂŒcksichtigt werden, dass Krankenhausaufnahmen teils mit Verzug gemeldet werden. Ein bundesweiter Schwellenwert, ab wann die Lage kritisch zu sehen ist, ist fĂŒr die Hospitalisierungsrate unter anderem wegen großer regionaler Unterschiede nicht vorgesehen. Der bisherige Höchstwert lag um die Weihnachtszeit bei rund 15,5.

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