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Atacama-W├╝ste: Friedhof f├╝r gebrauchte Kleidung

Von dpa
Aktualisiert am 17.12.2021Lesedauer: 3 Min.
Gebrauchte Kleidungsst├╝cke liegen der M├╝ll-Deponie in der W├╝ste.
Gebrauchte Kleidungsst├╝cke liegen der M├╝ll-Deponie in der W├╝ste. (Quelle: Antonio Cossio/dpa./dpa)
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Alto Hospicio (dpa)- Alle paar Jahre, wenn besonders viel Regen f├Ąllt, verwandelt sich der trockenste Ort der Welt in eine Art blau-lila Bl├╝tenmeer.

Die Farbkleckse, die sich nun bei Alto Hospicio durch die Atacama-W├╝ste im Norden Chiles ziehen, sind jedoch keine duftenden Blumen, sondern gebrauchte Klamotten. Tausende Hosen, T-Shirts und Pullover stapeln sich und bilden selbst Berge, verschandeln die h├╝gelige Landschaft.

Chile ist einer der gr├Â├čten Importeure von Altkleidern in Lateinamerika. In der nahe gelegenen Freihandelszone von Iquique kamen in diesem Jahr bis Oktober 29 178 Tonnen gebrauchter Kleidung an, wie der Gesch├Ąftsf├╝hrer des Verbandes der dort ans├Ąssigen Unternehmer, Dar├şo Blanco, der Deutschen Presse-Agentur sagt.

Ballenweise wird die Ware im Hafen entladen. Etwa 50 Importeure verkaufen die besten St├╝cke daraus, die anderen - sch├Ątzungsweise 40 Prozent - sortieren sie aus. "Diese Kleidung wird in den Bergen unserer Gemeinde entsorgt", sagt Alto Hospicios Umweltbeauftragter Edgar Ortega der dpa. Bis zu 20 Tonnen alter Kleider landen so pro Tag in dem einzigartigen Naturparadies, seit Jahren geht das so.

Die gr├Â├čte Herausforderung f├╝r die Modeindustrie sei die Abfallmenge, die durch Fast Fashion entsteht, hei├čt es in einer Mitteilung der Umweltschutzorganisation Greenpeace. Die Bewohner von Alto Hospicio sehen sich dabei als Ende einer Kette, bei der in China produziert, in Europa oder den USA konsumiert und in Chile entsorgt wird.

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Die Stadt ist laut Ortega finanziell und personell kaum in der Lage, das Abladen zu verhindern, geschweige denn die M├╝lldeponie zu beseitigen. Gerade einmal f├╝nf Inspektoren w├╝rden versuchen, jene zu erwischen, die die Altkleider in die W├╝ste kippen. "Das Problem entsteht viel fr├╝her", sagt Ortega. Dadurch, dass die Kleidung aus anderen L├Ąndern nicht als Textilm├╝ll deklariert ist, sei nicht klar, wie die aussortierte Importware entsorgt werden soll. "Solange das nicht gel├Âst ist, werden wir die Situation nicht ├Ąndern."

Camila Palma schmerzt es, wenn Kleidung als M├╝ll bezeichnet werden soll. Palma ist Inhaberin von einem der vielen Second-Hand-L├Ąden in der Hauptstadt Santiago de Chile. Weil gro├če Konkurrenz herrscht, haben sich viele L├Ąden spezialisiert - "Angora Vintage" im charmanten, europ├Ąisch gepr├Ągten Viertel Paris-Londres im Stadtzentrum etwa vor allem auf Mode der 60er, 70er und 80er Jahre.

Inhaberin Palma schw├Ąrmt am Telefon von Kleidung Made in Germany. "Es gibt sehr gute Qualit├Ąt, gute Fasern, gute Stoffe; wie ein Kleidungsst├╝ck gemacht wird, das gef├Ąllt mir", sagt sie der dpa. Camila wei├č, wovon sie spricht: Die 35-J├Ąhrige hat Modedesign studiert. "Angora Vintage" kauft auch keine Ballen, sondern die St├╝cke werden einzeln auf M├Ąrkten und Messen ausgesucht.

"Jetzt ist viel Plastik in der Kleidung, das ist das Problem", sagt Palma. Sie w├Ąhlt lieber alte Teile aus 100 Prozent Baumwolle, damit ein Kleidungsst├╝ck nicht jedes Mal, wenn es gewaschen wird, die Umwelt verschmutzt. "Das ist sehr wichtig, um einen nachhaltigen Laden zu haben", sagt Palma. Ein einziges Teil aus Polyester kann laut Greenpeace bei einer W├Ąsche bis zu eine Million Mikroplastikfasern freisetzen.

In Alto Hospicio wird die Umwelt au├čerdem verschmutzt, wenn die Kleidung angez├╝ndet wird, um Platz zu schaffen. "F├╝r gew├Âhnlich ist es ein gro├čer Brand im Jahr", sagt der Umweltbeauftragte Edgar Ortega. Die Feuerwehr versuche mit Wasser zu l├Âschen, aber der Brand schwele noch Tage weiter.

All dies mag nicht so recht zu Chile passen, das in vielerlei Hinsicht fortschrittlich in Lateinamerika ist, sich etwa von Plastikt├╝ten in Gesch├Ąften verabschiedet hat oder ├╝ber ein Recycling-Gesetz nach dem Vorbild Europas verf├╝gt. Es verpflichtet Unternehmen, sich um den M├╝ll zu k├╝mmern, den sie erzeugen. So hat man in Alto Hospicio eine Arbeitsgruppe mit dem Umweltministerium gebildet, um gebrauchte Kleidung in dieses Gesetz aufzunehmen.

├ťber eine gesetzliche Verpflichtung hinaus appelliert Blanco an die Importeure, unternehmerische Verantwortung f├╝r das M├╝llproblem zu ├╝bernehmen. "Wir werden die Formel suchen, um die aussortierte Kleidung wiederzuverwerten."

Das Unternehmen Ecofibra in Alto Hospicio macht aus Altkleidern bereits Isoliermaterial. Bisher kann es drei Tonnen am Tag verarbeiten. Blanco schwebt vor, dass die Importeure beispielsweise mehr Maschinen f├╝r Ecofibra bereitstellen oder sich um andere Alternativen bem├╝hen. "Klar ist: Sie m├╝ssen sich dessen annehmen, was ├╝brig bleibt, sie k├Ânnen es nicht weiter wegschmei├čen."

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