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Schlamperei oder Brandstiftung? S├╝dafrikas Parlament in Tr├╝mmern

Von afp, dpa
Aktualisiert am 03.01.2022Lesedauer: 3 Min.
S├╝dafrika: Das Feuer in Kapstadt ist erneut entfacht, Einsatzkr├Ąfte versuchen weiterhin den verheerenden Brand unter Kontrolle zu bringen. (Quelle: Reuters)
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Das Feuer in Kapstadt ist erneut entfacht, Einsatzkr├Ąfte versuchen weiterhin den verheerenden Brand unter Kontrolle zu bringen. Das Feuer hatte den Gro├čteil des Geb├Ąudes zerst├Ârt.

Entsetzen, Staunen und gro├če Zweifel an der Sicherheit: Das verheerende Feuer des historischen Parlamentsgeb├Ąudes in Kapstadt hat S├╝dafrika zum Jahresbeginn geschockt. Das politische Epizentrum der noch relativ jungen Kap-Demokratie wurde von einem Gro├čbrand schwerst besch├Ądigt.

Wie ein flammendes Fanal standen schwarze Rauchs├Ąulen weithin sichtbar ├╝ber dem Geb├Ąude mit seiner repr├Ąsentativen Fassade, vor dem eine B├╝ste des Freiheitshelden, Friedensnobelpreistr├Ągers und ersten schwarzen Pr├Ąsidenten Nelson Mandela steht. Fotos vom Inneren der Nationalversammlung zeigten am Montag zun├Ąchst Verw├╝stung und verkohlte, noch rauchende Tr├╝mmer. Am Abend waren im Dachbereich erneut lodernde Flammen zu sehen.

Das eingest├╝rzte Dach des Parlamentsgeb├Ąudes von Kapstadt: Der Brand hat viel zerst├Ârt.
Das eingest├╝rzte Dach des Parlamentsgeb├Ąudes von Kapstadt: Der Brand hat viel zerst├Ârt. (Quelle: Bruce Sutherland/City Of Cape Town/AP/dpa-bilder)

"Wir sind am Boden zerst├Ârt"

"Wir sind am Boden zerst├Ârt", sagte die Fraktionschefin des regierenden Afrikanischen Nationalkongress (ANC), Pemmy Majodina, vor laufenden Kameras und betonte: "Mein B├╝ro wurde zum zweiten Mal zerst├Ârt." Das erste Mal war im vergangenen M├Ąrz, nach einem Kurzschluss, der im Parlamentsgeb├Ąude einen Brand ausgel├Âst hatte.

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Danach gab es einen Bericht mit Empfehlungen, um das veraltete Stromnetz des Geb├Ąudes auf den neuesten Stand zu bringen. Ob das bereits erledigt war, muss nun eine Untersuchung kl├Ąren.

Erste Hinweise auf schwere Sicherheitsm├Ąngel

Allerdings gab Kapstadts Sicherheitsbeauftragter Jean-Pierre Smith bereits erste Hinweise auf schwere Sicherheitsm├Ąngel. So habe sich das Elektrizit├Ątssystem nicht wie geplant automatisch ausgeschaltet und die Bel├╝ftungsanlagen weiter laufen lassen. Die Flammen h├Ątten sich so schnell ausgebreitet. Zudem sei der automatische Feueralarm erst mit gro├čer Versp├Ątung ausgel├Âst worden.

"Wir waren bereits 20 Minuten vor Ort, bevor sich das System erstmals aktivierte", sagte Smith dem TV-Sender eNCA. Einige Systeme, die 2020 h├Ątten gewartet werden m├╝ssen, seien zuletzt 2017 ├╝berpr├╝ft worden. Zudem sei an der automatischen Sprinkleranlage ein Ventil geschlossen gewesen.

Mutma├člicher Brandstifter verhaftet

Ausgeschlossen werden kann bisher aber auch Brandstiftung nicht, nachdem ein 49-j├Ąhriger Mann in dem Geb├Ąude festgenommen worden war. Die zust├Ąndige Ministerin Patricia de Lille k├╝ndigte an, dass sich der Mann an diesem Dienstag wegen Einbruchs, Diebstahls und Brandstiftung vor Gericht verantworten soll. Er war von Kameras beobachtet worden, wie er durch das leere Geb├Ąude schlich. "Wie das in so einem Komplex passieren kann, macht einfach nur sprachlos", sagte Smith, der von einer massiven Sicherheitsl├╝cke sprach.

Nach ersten Erkenntnissen waren die Patrouillen ausged├╝nnt zu einer Zeit, als Stunden zuvor nur wenige Stra├čen weiter ein Begr├Ąbnis f├╝r den verstorbenen Erzbischof, Volkshelden und Friedensnobelpreistr├Ąger Desmond Tutu viele Sicherheitskr├Ąfte gebunden hatte. Zudem waren viele S├╝dafrikaner wegen der gro├čen Sommerferien in Feierlaune: Angesichts nur noch geringer t├Ąglicher Neuinfektionen waren kurz vor Silvester fast alle Corona-Restriktionen im Lande aufgehoben worden.

Rauch steigt aus dem Parlament auf, nachdem das Feuer am sp├Ąten Nachmittag wieder aufflammte: Ein Gro├čbrand im Parlamentsgeb├Ąude von S├╝dafrika in Kapstadt zerst├Ârte am Neujahrswochenende den Sitzungssaal vollst├Ąndig und brachte teile des Dachs zum einst├╝rzen.
Rauch steigt aus dem Parlament auf, nachdem das Feuer am sp├Ąten Nachmittag wieder aufflammte: Ein Gro├čbrand im Parlamentsgeb├Ąude von S├╝dafrika in Kapstadt zerst├Ârte am Neujahrswochenende den Sitzungssaal vollst├Ąndig und brachte teile des Dachs zum einst├╝rzen. (Quelle: Nardus Engelbrecht/AP/dpa-bilder)

Umzug des Parlaments?

Das verheerende Feuer hat nun in S├╝dafrika eine Debatte entfacht, die bisher vor allem in den sozialen Medien ausgetragen wird: Dabei geht es um einen Umzug des Parlaments in die rund 1.400 Kilometer entfernte Hauptstadt Pretoria, wo sich auch schon der Regierungssitz befindet.

Denn gro├če Teile des unter Denkmalschutz stehenden Geb├Ąudes gelten nun als einsturzgef├Ąhrdet, ein Wiederaufbau k├Ânnte nach ersten Sch├Ątzungen dreistellige Millionenbetr├Ąge verschlingen. "Wir werden mehrere hundert Millionen, wenn nicht sogar Milliarden Rands f├╝r den Wiederaufbau ben├Âtigen", sagte Kapstadts Sicherheitsbeauftragter Jean-Pierre Smith am Montag dem Nachrichtensender eNCA. Dies entspr├Ąche mehreren hundert Millionen Euro.

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Lediglich die Bibliothek mit wertvollen B├╝chern blieb unbesch├Ądigt ÔÇô f├╝r sie war vor einigen Jahren eine feuersichere Wand eingezogen worden. "Ich hoffe, dass sich das Geb├Ąude wieder wie ein Ph├Ânix aus der Asche erheben wird", sagte die sichtlich bewegte Fraktionschefin der Oppositionspartei Democratic Alliance, Natasha Mazzone. Sie zeigte sich emp├Ârt ├╝ber Parlamentarier, die in den sozialen Medien das Feuer als Chance begr├╝├čten, um den Parlamentssitz zu verlegen.

Letzter Gro├čbrand im Kapstadt im April

Kapstadt ist seit 1910 Sitz des s├╝dafrikanischen Parlaments, das aus der Nationalversammlung und dem Oberhaus ÔÇô dem Rat der Provinzen ÔÇô besteht, w├Ąhrend die Regierung in Pretoria angesiedelt ist. Im Parlament in Kapstadt hatte der damalige Pr├Ąsident Frederik de Klerk 1990 das Ende des rassistischen Apartheid-Regimes erkl├Ąrt.

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Schon im M├Ąrz hatte es in dem Geb├Ąude gebrannt, das Feuer war aber schnell unter Kontrolle gebracht worden. Im April hatte ein Gro├čbrand am Tafelberg in Kapstadt f├╝r Verw├╝stungen gesorgt. Das Feuer hatte mehrere historische Geb├Ąude erfasst und unter anderem Teile der Universit├Ątsbibliothek zerst├Ârt, die ├╝ber ein einzigartiges Archiv afrikanischer Schriften verf├╝gte.

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