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Vulkan verwandelt Tonga in "Mondlandschaft"

Von dpa
Aktualisiert am 17.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Massive Brandung an der Westk├╝ste Australiens nach dem unterseeischen Ausbruch des Vulkans Hunga-Tonga-Hunga-Ha'apai.
Massive Brandung an der Westk├╝ste Australiens nach dem unterseeischen Ausbruch des Vulkans Hunga-Tonga-Hunga-Ha'apai. (Quelle: Kent Porter/The Press Democrat/AP/dpa./dpa)
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Wellington/Nuku'alofa (dpa) - Nach der gigantischen Eruption des Untersee-Vulkans Hunga-Tonga-Hunga-Ha'apai in der S├╝dsee sind weite Teile des Inselreichs Tonga weiter von der Au├čenwelt abgeschnitten.

Ob es Tote oder Verletzte gab, ist ebenso unklar wie das Ausma├č der Sch├Ąden. Nach Angaben des neuseel├Ąndischen Hochkommissars in dem Archipel, Peter Lund, lag die Hauptstadt Nuku'alofa unter einer Ascheschicht begraben und wirkte wie eine "Mondlandschaft". Schwer betroffen sei die Westk├╝ste der Hauptinsel Tongatapu, wo sich viele Urlaubshotels befinden.

Milit├Ąrflugzeuge erkunden die Lage

Sorge gab es aber vor allem um abgelegenere Inseln, zu denen noch immer kein Kontakt hergestellt werden konnte. Da die Kommunikationsverbindungen weiter stark beeintr├Ąchtigt waren, erkundeten Milit├Ąrflugzeuge aus Neuseeland und Australien die Lage am Montag aus der Luft. "Die heute durchgef├╝hrten Fl├╝ge werden uns dabei helfen festzustellen, wo Bedarf besteht", sagte die neuseel├Ąndische Ministerpr├Ąsidentin Jacinda Ardern. Eine Maschine des Typs Hercules solle Hilfsg├╝ter in das Gebiet bringen und diese notfalls abwerfen, falls die Landebahn des Flughafens zu besch├Ądigt sei. "Wir wissen, dass dringend Wasser ben├Âtigt wird", sagte Ardern.

Aber es h├Ątte noch viel schlimmer kommen k├Ânnen. Wenn der Vulkan seine zerst├Ârerische Kraft an Land entfaltet h├Ątte, dann w├Ąren die Auswirkungen geradezu "apokalyptisch" gewesen, sagte der Vulkanologe Shane Cronin von der University of Auckland dem Sender Radio New Zealand. Dem Experten zufolge handelte es sich um den weltweit st├Ąrksten Ausbruch seit der Eruption des Pinatubo auf den Philippinen im Jahr 1991. Unklar sei, ob der j├╝ngste Ausbruch den H├Âhepunkt der Aktivit├Ąt darstelle - m├Âglicherweise bleibe der Vulkan Wochen oder sogar Jahre unruhig.

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Sorge um die Angeh├Ârigen

Tongaer, die in Neuseeland als Saisonarbeiter t├Ątig sind, waren derweil in Sorge um ihre Angeh├Ârigen in dem Archipel. Langi Fatanitavake, dessen Frau und Sohn auf einer Insel nahe des Vulkans leben, konnte die beiden seit dem Ausbruch nicht mehr erreichen. "Letzte Nacht und heute habe ich versucht anzurufen, aber es gibt keine Antwort", sagte er im neuseel├Ąndischen Radio. "Ich habe kein gutes Gef├╝hl, was meine Familie betrifft." Auch von seiner Schwester, die auf einer anderen Insel wohne, habe er keine Nachricht.

Timaru's Sina Latu, deren Familie auf der Insel 'Eua lebt, sagte: "Es tut einfach weh, man f├╝hlt sich so hilflos und voller Angst." Sie hoffe auf irgendein Lebenszeichen ihrer Lieben. Die Schwester habe noch live via Facebook die Flucht der Familie vor dem Tsunami und dem Ascheregen ├╝bertragen, dann sei die Leitung abgebrochen. "Es war angsteinfl├Â├čend, wir sahen, wie die Wellen kamen", so Latu. Zu Tonga geh├Âren etwa 170 Inseln, 36 davon sind unbewohnt.

Aber was ist das f├╝r ein Feuerberg, der am Samstag eine Aschewolke wie einen Atompilz kilometerweit in die H├Âhe geschleudert und Tsunami-Wellen selbst in weit entfernten L├Ąndern entfacht hat? Der Hunga Tonga-Hunga Ha'apai liegt nur 65 Kilometer n├Ârdlich der Hauptstadt des polynesischen K├Ânigreichs im Ozean. In Nuku'alofa lebt fast ein Viertel der 107 000 Einwohner. Der Vulkan ist ein wahrer Unterwasser-Koloss: 1800 Meter hoch und 20 Kilometer breit erhebt er sich unter der Wasseroberfl├Ąche.

Erstmals hatte der Vulkan 2009 bei einer Eruption die Meeresoberfl├Ąche durchbrochen. Zum Jahreswechsel 2014-2015 begann er wieder zu brodeln und spuckte wochenlang Schlamm- und Aschefont├Ąnen aus dem Pazifik. Die Eruption f├Ârderte damals monatelang Material an die Oberfl├Ąche, bis schlie├člich eine neue, zwei Kilometer lange Insel entstand - die sich zum Erstaunen von Experten ├╝ber die Jahre stabilisierte, statt wieder zu verschwinden.

Tsunami-Wellen bis nach S├╝damerika

Die von der Eruption ausgel├Âsten Ascheschwaden erreichten nach Angaben des Wetterdienstes Weather Watch New Zealand mittlerweile sogar Queensland an Australiens Ostk├╝ste. Der Ausbruch am Samstag war Tausende Kilometer weit bis nach Neuseeland und Fidschi zu h├Âren. Die Eruption l├Âste Flutwellen aus und versetzte viele Pazifik-Staaten in Alarmbereitschaft. Tsunami-Wellen wurden nicht nur in Tonga, sondern auch in Neuseeland, Japan, Alaska und S├╝damerika registriert.

Hilfsorganisationen warnten vor Gesundheitssch├Ąden durch die Asche und rieten den Bewohnern Tongas dazu, Masken zu tragen und nur Wasser aus Flaschen zu trinken. Als Folge des Seebebens wurde auch ein wichtiges Unterseekabel gekappt, daher fiel das Internet auf Tonga aus. Auch die sonstigen Kommunikationsverbindungen waren gest├Ârt, Mobiltelefone schienen aber zumindest teilweise zu funktionieren, wenn auch nur lokal und nicht international.

"Es ist eine schreckliche Zeit, aber Nuku'alofa steht noch, die Elektrizit├Ąt wurde in vielen H├Ąusern wiederhergestellt", schrieb Neuseelands Hochkommissar Peter Lund auf Facebook. S├Ąuberungsaktionen sollten in dieser Woche beginnen.

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