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Mehr als drei Haft Jahre fĂŒr Unfalltod des Popstars Saulic

Von dpa
Aktualisiert am 20.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Der Angeklagte im Gerichtssaal.
Der Angeklagte im Gerichtssaal. (Quelle: Guido Kirchner/dpa./dpa)
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GĂŒtersloh (dpa) - Im Prozess um den Tod des serbischen Popstars Saban Saulic im Februar 2019 legte der Unfallfahrer am Donnerstag ein umfassendes GestĂ€ndnis ab. Er ließ ĂŒber seinen Verteidiger mitteilen, dass ihm alles zutiefst leid tue.

Ihm sei bewusst, dass die Angehörigen der Opfer seine Entschuldigung nicht annehmen wĂŒrden. SpĂ€ter verurteilte das Amtsgericht GĂŒtersloh den 37-JĂ€hrigen zu drei Jahren und drei Monaten GefĂ€ngnis. Drei Monate werden dem Deutschen wegen der langen coronabedingten Verfahrensdauer und seiner Zeit in Untersuchungshaft erlassen. Der Tatvorwurf lautet unter anderem fahrlĂ€ssige Tötung in zwei FĂ€llen und fahrlĂ€ssige Körperverletzung.

Umgebremst aufgefahren

Die Fakten waren klar: Der ledige Lager- und Logistikarbeiter aus GĂŒtersloh war mit Alkohol und Drogen im Blut in den frĂŒhen Morgenstunden ohne FĂŒhrerschein in ein Auto gestiegen, das ihm nicht gehörte. Der nicht vorbestrafte Vater einer Tochter fuhr dann auf der Autobahn 2 in Richtung Dortmund kurz vor GĂŒtersloh in eine Baustelle. Hier galt Tempo 80. Sein Fahrzeug aber fuhr mindestens 156 Stundenkilometer schnell. Nach Überzeugung eines Gutachters war die Sicht in der DĂ€mmerung gut. Er hĂ€tte das Auto des SĂ€ngers aus Serbien in rund 300 Meter Entfernung auf der mittleren Spur sehen mĂŒssen.

Stattdessen fuhr der Mann, im Prozess mit dunklen Haaren und Vollbart, ungebremst auf den Wagen auf. Saulic (67) starb wenig spÀter mit gerissener Hauptschlagader im Krankenhaus, sein Keyboarder Mirsad Keric (43) war nach einem SchÀdelhirntrauma einige Tage spÀter tot. Ein Mitfahrer wurde schwer verletzt. Er kann heute nicht mehr arbeiten.

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Das Urteil ist noch nicht rechtskrĂ€ftig. Die Staatsanwaltschaft hatte eine geringfĂŒgig geringere Haftstrafe gefordert. Die NebenklĂ€ger hatten sich fĂŒr bis zu vier Jahre Haft ausgesprochen. Die aus Belgrad und dem Rhein-Main-Gebiet angereisten Angehörigen, darunter die Frau und Tochter von Saulic, nehmen laut den AnwĂ€lten dem 37-JĂ€hrigen die Reue nicht ab. Sie beklagen, dass es keine Antworten auf die Fragen nach dem Warum der Fahrt und den Geschehnissen in der Nacht zuvor gab. Hierzu hatte der Deutsche keine Fragen beantwortet.

Alkohol und Drogen im Blut

Die Polizei hatte im Blut des Mannes rund zwei Stunden nach dem Unfall noch 0,8 Promille Alkohol und Reste eines Cannabis-Konsums gefunden. Er hatte sich bei dem Auffahrunfall, bei dem beide Fahrzeuge erst nach rund 160 Metern und einer kompletten Drehung zu stehen kamen, an der Schulter verletzt. Er soll laut Polizei auch kurz bewusstlos gewesen sein. In der mĂŒndlichen Verhandlung saß er zusammengesunken auf seinem Stuhl, seine leisen Antworten waren kaum zu verstehen. Nach seinem letzten Wort vor der UrteilsverkĂŒndung beschimpfte und beleidigte ihn einer der NebenklĂ€ger laut.

Die NebenklĂ€ger Ă€ußerten ĂŒber die AnwĂ€lte ihr UnverstĂ€ndnis, dass die Fahrt nach deutscher Rechtsprechung als fahrlĂ€ssige Tötung beurteilt werde. Das Gericht machte in der UrteilsbegrĂŒndung daraufhin deutlich, dass dem 37-JĂ€hrigen kein Tötungsvorsatz nachzuweisen sei. "Kein Urteil dieser Welt kann das Leid der Familien wieder gut machen", sagte der Richter abschließend.

Der SÀnger war nach einem Konzert am Vorabend in Bielefeld auf dem Weg zum Flughafen in Dortmund. Saulic, der aus Àrmlichen VerhÀltnissen aus der westserbischen Stadt Sabac stammt, galt auf dem Balkan als Superstar. Bis zu seinem Tod brachte er 23 Singles, 32 Alben und zwei Best-of-Alben heraus. Er trat nicht nur im ehemaligen Jugoslawien beziehungsweise den daraus entstandenen Nachfolgestaaten auf, sondern auch in zahlreichen westeuropÀischen LÀndern und den USA.

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