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Vertraut und warm: Warum wir uns wieder die H├Ąnde reichen

Von dpa
Aktualisiert am 20.05.2022Lesedauer: 4 Min.
Auf das H├Ąndesch├╝tteln wurde lange verzichtet - nun tun es aber wieder viele.
Auf das H├Ąndesch├╝tteln wurde lange verzichtet - nun tun es aber wieder viele. (Quelle: Mohssen Assanimoghaddam/dpa./dpa)
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Berlin (dpa) - Mal ist es ein ganz besonderer Moment, mal noch unsicher: Soll ich oder nicht? Der Handschlag ist zur├╝ck - und das, obwohl so viele ihn schon nach wenigen Monaten Pandemie eigentlich totgesagt hatten.

Namaste, Ellenbogencheck und Co f├╝hlen sich auch nach zwei Jahren noch nicht richtig an. Zu tief sitzt das Ritual - wenn die Handfl├Ąchen ineinander greifen, die Finger sich ber├╝hren, die Blicke sich treffen. Wieso machen wir das eigentlich?

"Wir sind auf K├Ârperkontakt zu anderen angewiesen"

Eine so lange kulturelle Tradition, die ├Ąndere sich nicht mal eben in zwei Jahren Pandemie, sagt Martin Grunwald. Er ist Psychologe und leitet das Haptik-Forschungslabor an der Uni Leipzig. "Erst ├╝ber sogenannte Vollkontakt-Informationen versichern wir uns, dass der andere wirklich existiert, wirklich da ist. Allen anderen Sinnen kann man nicht so sehr trauen." Und schlie├člich sei der Mensch ein sogenanntes nesthockendes S├Ąugetier. "Wir wachsen ganz stark mit k├Ârperlichen Interaktionen auf und sind entsprechend auf K├Ârperkontakt zu anderen angewiesen." Besonders jetzt, nachdem vieles nur online stattfand, sehnt sich der Ber├╝hrungssinn nach Anregung.

Ellenbogencheck: Knochig statt warm

Doch auch, wer sich mit der Faust oder per Ellenbogen begr├╝├čt, ber├╝hrt den anderen - nur anders. Reicht das nicht? "Das ist ein ganz anderes K├Ârpergef├╝hl, nichts Warmes, nichts Weiches. Sehr hart, knochig", sagt Grunwald. Beides sei nur ein Kompromiss. Der Wissenschaftler findet es erstaunlich, dass man schon zu Beginn der Pandemie solche Kompromisse gesucht und nicht einfach komplett auf k├Ârperliche Begr├╝├čungsrituale verzichtet habe. Soziokulturell wird dem Sich-die-Handgeben noch eine andere Bedeutung zugeschrieben, "Das signalisiert "Ich komme in Frieden" und "Ich bin waffenlos"", sagt Grunwald.

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Als Seehofer Merkels Hand nicht wollte

Wie tief das Ritual Handschlag f├╝r uns ist, das zeigen Situationen, die sich die meisten vor der Pandemie wohl in ihren k├╝hnsten Tr├Ąumen nicht vorstellen konnten. Man erinnere sich an die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihren Innenminister Horst Seehofer. Bei einem Treffen Anfang M├Ąrz 2020 hob Seehofer entschuldigend abwehrend die H├Ąnde, als Merkel mit ausgestreckter Hand auf ihn zuging. Die Kanzlerin erkannte das, was neuerdings quasi ein Missgeschick war, sofort - zog die Hand zur├╝ck und beide lachten.

Nach einigen Corona-Monaten klagte der britische S├Ąnger Ronan Keating: "Ich f├╝rchte, wir werden uns weniger ber├╝hren, es wird vielleicht auch weniger W├Ąrme geben", sagte der Popstar im Juli 2020. "Ein guter Handschlag bedeutet einfach etwas." Und siehe da: Selbst Politiker - und sogar die britische K├Ânigin Elizabeth - gaben sich in den vergangenen Wochen schon wieder herzlich die Hand. Die Szene zwischen Bundeskanzler Olaf Scholz und dem britischen Premierminister Boris Johnson d├╝rften viele aus ihrem Alltag kennen: Einer reicht die Hand, der andere bietet erstmal noch die Faust zum Gru├č.

"So viel N├Ąhe zuzulassen ist ein Risiko"

Tats├Ąchlich brauche der Mensch den Handschlag nicht unbedingt, wohl aber die Begr├╝├čung quasi als Friedenszeichen, sagt die Verhaltensbiologin Imme Gerke. Und doch ist das Handgeben, was viele schon seit der Kindheit machen, essenziell: "Wir m├╝ssen mit der Geste vertraut sein, damit sie ihren beruhigenden Effekt auf uns aus├╝bt." Was gut gemeint aber fremd sei, kann auf den anderen sogar bedrohlich wirken. "Deswegen kommt der Handschlag zur├╝ck. Er ist uns vertraut. Je vertrauter desto beruhigender." Besonders in s├╝dlicheren Gefilden ist eine andere Geste besonders vertraut: das K├╝sschen auf die Wange. Und obwohl es noch mehr N├Ąhe mit sich bringt, auch mit Blick auf Infektionsrisiken geradezu abenteuerlich wirkt - auch dieses Ritual ist wieder da. Die Franzosen begr├╝├čen sich l├Ąngst wieder mit "Bisous", die Italiener entdecken langsam aber sicher ihre "Baci" wieder.

Nach zwei Jahren Abstand erscheint vielen aber auch der H├Ąndedruck als Ber├╝hrung mit neuen oder losen Bekannten fast intim. Ist das nicht ganz sch├Ân viel N├Ąhe? "Das ist genau der Punkt", sagt die Expertin. "So viel N├Ąhe zuzulassen ist ein Risiko. Wenn diese riskante Situation gut ausgeht, empfinden wir das als sehr angenehm. So entstehen soziale Bindungen."

Die Hand als Informationskanal

F├╝r den einen oder anderen ist es etwas zu viel N├Ąhe - vor allem nach zwei Jahren gr├╝beln ├╝ber Viren, Ansteckungen und Abstand. Diejenigen, die das H├Ąndesch├╝tteln "jetzt befremdlich finden, haben es entweder schon immer befremdlich gefunden, das aber in der t├Ąglichen Routine ├╝berspielt - oder sind sich der Notwendigkeit und der Funktion der Begr├╝├čung nicht bewusst", sagt Gerke. Denjenigen r├Ąt die Verhaltensbiologin, sich eine andere Form der Begr├╝├čung auszusuchen und diese so lange zu ├╝ben - rund 30 Mal allein vorm Spiegel - bis sie sich vertraut anf├╝hlt.

Auch wenn die Bed├╝rfnisse unterschiedlich sind - so ganz ohne Anfassen geht es wohl f├╝r niemanden. "Wir eignen uns die Umwelt durch K├Ârperkontakt an", erkl├Ąrt Martin Grunwald. Gut zu beobachten sei das zum Beispiel bei Neugeborenen: "Jeder will ein Baby auf den Arm nehmen. So wird es in der Familie, in der Gesellschaft aufgenommen." Sich gegenseitig die Hand zu geben sei immer auch ein Informationskanal, sagt Grunwald. "Da sp├╝re ich die Spannung, die Verfassung des anderen."

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