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IS-Attacke: Sechs Jahre Haft für 16-jährige Safia S. gefordert

Prozess gegen IS-Anhängerin  

Sechs Jahre Haft für 16-jährige Safia S. gefordert

19.01.2017, 18:53 Uhr | Von Michael Evers, dpa

IS-Attacke: Sechs Jahre Haft für 16-jährige Safia S. gefordert. Oberlandesgericht Celle: Im Prozess gegen IS-Sympathisantin Safia S. steht das Urteil bevor. (Quelle: dpa)

Oberlandesgericht Celle: Im Prozess gegen IS-Sympathisantin Safia S. steht das Urteil bevor. (Quelle: dpa)

Wenn die 16-jährige Safia S. und der Mitangeklagte Mohamad Hasan K. (20) den Hochsicherheitssaal des Oberlandesgerichts Celle betreten, sehen sie kaum aus wie Sympathisanten der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Dennoch müssen beide sich für die erste vom IS in Deutschland beauftragte Terrortat verantworten.

Nach der Messerattacke auf einen Polizisten in Hannover setzt die Bundesanwaltschaft auf ein abschreckendes Urteil: Sie forderte für Safia sechs Jahre Haft wegen versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung sowie Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Mohamad Hasan K. soll als Mitwisser drei Jahre wegen der Nichtanzeige einer geplanten Straftat hinter Gitter.

Prototypen eines neuen islamistischen Terrors

Trotz unauffälliger Kleidung und zurückhaltenden Auftritts stehen mit den beiden Prototypen eines neuen islamistischen Terrors vor Gericht. Über das Internet radikalisiert, oft mit familiären Wurzeln in muslimischen Ländern, enden diese jungen Leute nicht mehr auf den Schlachtfeldern des IS in Syrien oder dem Irak oder kehren als potenzielle Attentäter zurück.

Vielmehr sind sie über Propaganda und Chats mit IS-Drahtziehern ferngesteuert und sollen Anschläge in ihren europäischen Heimatländern verüben. Die Deutsch-Marokkanerin Safia etwa soll nach der gescheiterten Ausreise nach Syrien kurz vor der Attacke noch mit einem IS-Kontakt, einer "Leyla", gechattet haben.

Panne bei den Sicherheitsbehörden

Zugleich sind Safia sowie der Deutsch-Syrer Mohamad Hasan aber auch Beispiele für das mangelnde Vermögen der Sicherheitsbehörden, als gefährlich identifizierte radikalisierte Personen in Schach zu halten. Obwohl Safia schon vor Jahren ins Visier der Ermittler geriet und nach der gescheiterten Reise Richtung Syrien am Flughafen Hannover von Fahndern in Empfang genommen wurde, vermochten diese den Messerangriff wenige Wochen später Ende Februar 2016 nicht zu verhindern. Zwar kassierten sie Safias Handys ein, die auf Arabisch verfassten IS-Anweisungen übersetzten sie aber erst Anfang März, als es zu spät war.

Auch Mohamad Hasan gelang kurz vor Prozessbeginn die Flucht, erst in Griechenland konnten Fahnder ihn fassen. Einen Tag vor seiner Flucht hätten Beamte noch einen Hinweis auf seinen Aufenthaltsort gehabt, tags drauf habe es Anzeichen einer Flucht gegeben und die Fahndung sei eingeleitet worden, erklärte das Landeskriminalamt Ende September. Warum die Überwachung nicht so engmaschig war, dass der junge Mann einfach festgesetzt wurde, sagte die Polizei nicht.

Gymnasiastin entschuldigte sich bei Opfer

Vollkommen aus dem Nichts kam Safias Messerattacke Ende Februar 2016 für die Sicherheitsbehörden also nicht - allerdings wohl für den im Hauptbahnhof bei einer Routinekontrolle angegriffenen 34 Jahre alten Bundespolizisten. Er erlitt eine lebensbedrohliche Stichwunde am Hals, sein Kollege überwältigte die Gymnasiastin. Aus der Untersuchungshaft heraus entschuldigte sich Safia später bei dem Beamten für die Attacke.

Der Prozess findet wegen des jugendlichen Alters der Angeklagten unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. An der Verhandlung nahmen ein Islamwissenschaftler und eine Jugendpsychiaterin teil, die die geistige und sittliche Reife der Angeklagten beurteilte. An diesem Freitag werden die Plädoyers der Verteidiger erwartet. Die Urteile sollen am Donnerstag kommender Woche gesprochen werden.

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