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HomePanoramaKriminalität

Rotenburg: Bundeswehrsoldat erhielt Gefährderansprache von Polizei


Gewalttaten mit Ansage
Soldat erhielt Gefährderansprache vor Morden

Von dpa
Aktualisiert am 05.03.2024Lesedauer: 3 Min.
Tödliche Schüsse im Landkreis RotenburgVergrößern des BildesKerzen vor einem Haus in Brockel, in dem ein Mann zwei Menschen erschossen haben soll. (Quelle: Focke Strangmann/dpa/dpa)
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Vier Menschen sterben bei einer Gewalttat im Landkreis Rotenburg. Die Noch-Ehefrau des Verdächtigen und ihr mutmaßlich neuer Freund haben zuvor Hilfe vor dem Tatverdächtigen gesucht.

Vor der Gewalttat im Landkreis Rotenburg haben die Noch-Ehefrau und ihr mutmaßlich neuer Freund, der am Freitag getötet wurde, den Tatverdächtigen wegen Bedrohung angezeigt. "Die beiden sind vor kurzem bei uns gewesen", sagte Polizeisprecher Heiner van der Werp am Sonntag. Die Noch-Ehefrau sei am Leben, zur Identität der anderen drei Opfer äußerte sich der Polizeisprecher nicht. Es handelt sich um ein dreijähriges Kind und zwei Frauen im Alter von 33 und 55 Jahren, Medienberichten zufolge die Mutter des ermordeten Freundes, eine Freundin der Frau und deren Tochter.

Zeitnah nach der Anzeige gab es eine sogenannte Gefährderansprache, so Polizeisprecher Heiner van der Werp. Dem tatverdächtigen 32 Jahre alten Bundeswehrsoldaten haben Polizisten die Situation erklärt und mögliche Konsequenzen geschildert. "Also eine deeskalierende Maßnahme". Die genauen Inhalte des Gesprächs kannte der Sprecher nicht. "Alles andere wird jetzt im Anschluss an die Taten natürlich überprüft", sagte van der Werp. Weitere Anzeigen gegen den Verdächtigen seien ihm nicht bekannt, weshalb sie aber nicht auszuschließen seien.

Der Verdächtige stellte sich kurz nach den Taten am 01. März laut Ermittlern selbst im Eingangsbereich der Von-Düring-Kaserne in Rotenburg. Er wurde festgenommen, später erließ ein Haftrichter dann einen Haftbefehl wegen vierfachen Mordverdachts.

Motivlage im familiären Umfeld ist wahrscheinlich

Wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Montag weiter mitteilten, wurden bei dem Verbrechen wohl keine Waffen aus Bundeswehrbeständen verwendet. Demnach benutzte der Beschuldigte mutmaßlich ein Sturmgewehr und eine Pistole, die ordnungsgemäß auf einer Waffenbesitzkarte des Manns eingetragen waren. Ende des vergangenen Jahres sei demnach von der örtlich zuständigen Waffenbehörde eine routinemäßige Zuverlässigkeitsprüfungkarte erfolgt, teilten diese weiter mit.

Über den Stand der Ermittlungen gab es am Sonntag seitens der Staatsanwaltschaft Verden keine Angaben. Somit blieben auch die Beziehungen des Verdächtigen zu den anderen Opfern weiter unklar. "Eine Motivlage im familiären Umfeld kann nicht ausgeschlossen werden", hieß es in einer Mitteilung vom Freitag. Nach den ersten Erkenntnissen der Ermittler soll ein 32 Jahre alter Bundeswehrsoldat in der Nacht auf Freitag in der Gemeinde Scheeßel einen 30-jährigen Mann und eine 55-jährige Frau getötet haben. In der Gemeinde Bothel soll der Deutsche ein dreijähriges Kind und die 33 Jahre alte Mutter getötet haben. Die Hintergründe der Taten waren zunächst unklar.

Trauer und Anteilnahme in der Nachbarschaft

Die Gewalttat erschüttert die Menschen. Mit Blumen und Kerzen gedachten Nachbarn der Opfer. Vor einem Haus in Scheeßel waren ein Blumenstrauß und ein paar Kerzen abgestellt, berichtete am Samstag ein dpa-Fotograf. Ein Zettel mit der Aufschrift "Wir sind in Gedanken bei euch! Eure Nachbarn" war ausgelegt. Ein Polizeistreifenwagen stand vor dem versiegelten Haus.

In dem in der Nähe der Kaserne abgestellten Auto des Verdächtigen steckte am Freitag zudem in der Fahrertür ein Molotowcocktail, im Kofferraum neben einem Bundeswehr-Rucksack lag Patronenmunition. Was der Mann damit vorhatte, war zunächst nicht bekannt.

Verteidigungsminister Boris Pistorius hatte sich am Freitag bestürzt über die Tat gezeigt. "Die mehrfache Tötung von unschuldigen Menschen in Scheeßel ist einfach grauenvoll", sagte der SPD-Politiker. Vieles spreche für eine Tat im Kontext einer privaten Beziehung. "Aber das ist alles Spekulation, daran will und kann ich mich jetzt nicht beteiligen", erklärte der Minister. "Mein Mitgefühl ist bei den Angehörigen der Opfer, so ein Verbrechen ist einfach furchtbar."

Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur dpa
  • Nachrichtenagentur afp
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