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25 Jahre nach dem Brandanschlag von Solingen


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Als der Ausländerhass den Namen Solingen bekam

afp, Richard Heister

Aktualisiert am 28.05.2018Lesedauer: 3 Min.
Die Ruine des Hauses der Familie Genc: Fünf junge Frauen und Kinder starben bei dem rechtsextremen Brandanschlag am 29. Mai 1993 in Solingen.
Die Ruine des Hauses der Familie Genç: Fünf junge Frauen und Kinder starben bei dem rechtsextremen Brandanschlag am 29. Mai 1993 in Solingen. (Quelle: René Tillmann/ullstein-bild)
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Bei einem Brandanschlag in Solingen starben vor 25 Jahren fünf Menschen. Das Motiv der Täter: Ausländerhass.

Das Bild ging um die Welt: Das Fachwerkhaus der türkischen Familie Genc ist ausgebrannt, die Fassade rußgeschwärzt, das Dach nur noch ein Gerippe aus schwarzen Balken. Das Foto entstand am 29. Mai 1993, jenem Pfingstsamstag, an dem der Ausländerhass nach Rostock, Hoyerswerda und Mölln einen neuen Namen bekam: Solingen.

Gedenkstunde in Düsseldorf

Bei einem verheerenden Brandanschlag vier rechter Jugendlicher und junger Erwachsener starben fünf türkische Mädchen und Frauen. Zum 25. Jahrestag des Attentats wird am Dienstag in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf und in Solingen der Opfer gedacht. Und seit 25 Jahren setzt sich Mevlüde Genc, die leidgeprüfte Mutter der türkischen Familie, für ein friedliches Miteinander ein.

Bundespräsident Steinmeier und Hinterbliebene der Familie Genc: Besonders Mutter Mevlüde (r.) setzt sich für ein friedliches Miteinander ein.
Bundespräsident Steinmeier und Hinterbliebene der Familie Genc: Besonders Mutter Mevlüde (r.) setzt sich für ein friedliches Miteinander ein. (Quelle: Steffen Kugler/Bundespresseamt/dpa-bilder)

Schon unmittelbar nach dem Anschlag warb sie tapfer für Versöhnung zwischen Deutschen und Türken. Dabei hatte sie zwei Töchter, zwei Enkelinnen und eine Nichte bei dem nächtlichen Attentat verloren, für das im Oktober 1995 die vier Solinger im Alter von damals 18, 19, 22 und 25 Jahren zu langjährigen, inzwischen längst verbüßten Freiheitsstrafen verurteilt wurden.

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Welle rechtsextremer Gewalt

"Wir haben nur ein einziges Leben, und dieses Leben sollten wir in Liebe verbringen", hatte Mevlüde Genc nach dem Solinger Brandanschlag gesagt, der den Scheitelpunkt einer Welle rechtsextremer Gewalt zu Beginn der 1990er Jahre markierte. Von unbändigem Ausländerhass hatte sich das Täterquartett zu dem Attentat treiben lassen.

Ein Blick zurück auf Deutschland dieser Zeit: Mit dem Zusammenbruch des Ostblocks war die Zahl der Flüchtlinge deutlich gestiegen – ihren Höchststand erreichte sie 1992, als auch im Folge der Kriege auf dem Balkan 438.191 Menschen überwiegend aus Ost- und Südosteuropa in der Bundesrepublik Asyl beantragten. Bald war in Zeitungsartikeln von "Asylantenschwemme" die Rede, die Parole "Das Boot ist voll" machte die Runde.

Angriffe auf Flüchtlinge und Migranten

Die Saat ging auf: In Hoyerswerda und Rostock-Lichtenhagen wurden Ausländerheime angegriffen, in Mölln starben bei einem rassistischen Brandschlag drei Menschen. Am 26. Mai 1993 verabschiedete der Bundestag in Bonn eine Asylrechtsverschärfung. Flüchtlinge, die an deutschen Grenzen gefasst werden, können seitdem in "sichere Drittstaaten" abgeschoben werden.

Ein blutender Demonstrant in Solingen: Nach dem Anschlag auf das Haus der Familie Genc kommt es dort zu Auseinandersetzungen zwischen Türken, Rechten und der Polizei.
Ein blutender Demonstrant in Solingen: Nach dem Anschlag auf das Haus der Familie Genc kommt es dort zu Auseinandersetzungen zwischen Türken, Rechten und der Polizei. (Quelle: Thielker/ullstein-bild)

Nur drei Tage nach der Asylrechtsänderung machten sich die Täter von Solingen an ihr tödliches Werk. In den Tagen nach dem Anschlag versank die Stadt im Bergischen in einer Flut gewalttätiger Auseinandersetzungen zwischen deutschen und türkischen Extremisten sowie der Polizei. Unzählige Schaufensterscheiben wurden eingeschlagen, Autos angezündet, Straßenkreuzungen mit brennenden Reifen blockiert.

Trotz dieser aufgeheizten Atmosphäre gelang es den Fahndern vergleichsweise schnell, die vier Täter zu ermitteln. Allerdings benötigte das Oberlandesgericht Düsseldorf später 125 Verhandlungstage, ehe es die Angeklagten schuldig sprach. Denn das Mammutverfahren im alten Hochsicherheitstrakt des Düsseldorfer Gerichts brachte schwere Ermittlungspannen bei der Beweissicherung in dem ausgebrannten Haus ans Licht.

"Höhepunkt der Ausländerfeindlichkeit"

Der Prozess war zudem geprägt durch Geständnisse, Widerrufe und den denkwürdigen Zeugenauftritt eines Kampfsporttrainers aus der rechten Szene, der sich vor Gericht als V-Mann des Verfassungsschutzes enttarnte. Obwohl zwei der Angeklagten bis zuletzt jede Beteiligung an dem Anschlag leugneten, verhängten die Richter schließlich dreimal die damals höchstmögliche Jugendstrafe von zehn Jahren; ein erwachsener Täter wurde zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt.

Die Strafen und den quälend langen Mordprozess haben viele Menschen heute fast vergessen, den Brandschlag dagegen nicht. "Solingen wird sich als Höhepunkt der Ausländerfeindlichkeit einbrennen in die Geschichtsbücher Nachkriegsdeutschlands", hatte der Genc-Anwalt Rainer Brüssow in seinem Plädoyer vor Gericht im Juli 1995 vorausgesagt. Er sollte Recht behalten.

Was der Rechtsanwalt damals nicht wissen konnte: Vom Brandanschlag in Solingen bis zum ersten der zehn Morde, die heute der jahrelang unentdeckten Nazizelle NSU zugeschrieben werden, sollten nur gut sieben Jahre vergehen.

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Verwendete Quellen
  • AFP
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