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Passauer Armbrust-Fall: Opfer gehörten Sekte an

Von afp, dpa, lw

Aktualisiert am 12.08.2019Lesedauer: 2 Min.
Pension in Passau: Hier wurden im Mai 2019 drei Leichen gefunden.
Pension in Passau: Hier wurden im Mai 2019 drei Leichen gefunden. (Quelle: Lino Mirgeler/dpa-bilder)
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Im Passauer Armbrust-Fall sind neue Details ans Licht gekommen: Die Ermittler haben womöglich eine ErklĂ€rung fĂŒr den erweiterten Suizid gefunden. Zwei Opfer wurden zudem vor ihrem Tod betĂ€ubt.

Im rĂ€tselhaften Fall der mit einer Armbrust erschossenen Toten in einer Pension im bayerischen Passau haben die Ermittlungen der Kriminalpolizei die Theorie eines erweiterten Suizids innerhalb einer Art privater Sekte erhĂ€rtet. Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Passau sagte, gibt es dem nun vorgelegten Abschlussbericht zufolge weiterhin keine Anhaltspunkte fĂŒr weitere Beteiligte.

Demnach handelte es sich nach Recherchen der Polizei im Umfeld der Verstorbenen um eine Tötung auf Verlangen samt anschließendem Suizid in einer Gruppe, die sich selbst als "Welterneuerer" oder "Welterschaffer" bezeichnete. Diese hing laut Sprecher der Vorstellung an, durch ihren gemeinsamen Tod einen Kreislauf von Wiedergeburten zu unterbrechen und in einer anderen Zeit sowie an einem anderen Ort ein "neues System" erschaffen zu können.

Testamente bei Toten gefunden

Wie die rechtsmedizinischen Untersuchungen ergaben, waren der Mitte Mai auf einem Bett in einem Zimmer der Pension gefundene Mann und die neben ihm liegende Frau mit K.-o.-Tropfen betÀubt und handlungsunfÀhig. Die tot vor dem Bett gefundene Frau hatte keinerlei chemische Substanzen im Blut. Sie erschoss demnach zunÀchst den 53-JÀhrigen und die 33-JÀhrige. Danach tötete sich die 30-JÀhrige selbst mit einem Pfeilschuss in den Hals.

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Diese Erkenntnisse deckten sich mit bereits frĂŒher mitgeteilten EinschĂ€tzungen der Ermittler. Sie hatten nach dem Geschehen vom Anfang Mai unter anderem auch Testamente bei den Toten gefunden.

Der 53-JÀhrige war den Ermittlungen zufolge Mittelpunkt der Gruppe. Laut Polizei handelte es sich um einen als dominant und manipulativ beschriebenen Kampfsporttrainer und Psychologen, der vor allem Frauen mit psychischen Schwierigkeiten um sich scharte. Unter seinem Einfluss brachen diese ihre sozialen Kontakte ab. Ob der Mann tatsÀchlich einen Abschluss als Psychologe hatte, blieb zunÀchst allerdings unklar.

Weitere Frauenleichen in Wittingen entdeckt

Die Staatsanwaltschaft wird den Abschlussbericht der Polizei nach eigenen Angaben prĂŒfen. Sollte sie sich den Erkenntnissen anschließen und keinen weiteren Ermittlungsbedarf sehen, werden die Akten voraussichtlich geschlossen. Alle Beteiligten sind tot. Es gĂ€be niemanden, der juristisch belangt werden könnte.

Außer den drei Toten in Passau waren im Mai noch zwei weitere tote Frauen in einer Wohnung im niedersĂ€chsischen Wittingen entdeckt worden. Es handelte sich dabei um die 35-jĂ€hrige LebensgefĂ€hrtin einer der toten Frauen aus der Pension sowie deren 19-jĂ€hrige Mitbewohnerin. Auch sie gehörten zu der Sekte.


Die Frauen seien an einer Vergiftung gestorben, sagte der Passauer Oberstaatsanwalt Walter Feiler. Genaueres wisse man noch nicht. "Es deutet manches darauf hin, dass die beiden freiwillig und ohne Beteiligung dritter aus dem Leben geschieden sind", sagte er. Feiler verwies auf die ermittelnde Staatsanwaltschaft in Hildesheim, die sich auf Nachfrage bedeckt hielt.

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