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Vermisstenfall Madeleine "Maddie" McCann: Das geschah am Tatabend

30 schicksalhafte Minuten  

Madeleines Verschwinden: Der Täter hatte wenig Zeit

04.06.2020, 20:13 Uhr
Das mysteriöse Verschwinden der Madeleine McCann

Madeleine McCann war fast vier, als sie aus dem Urlaubsapartment des englischen Ärzte-Ehepaars in Praia da Luz in Portugal verschwand. Seitdem gilt sie als vermisst. (Quelle: t-online.de)

Der Hauptverdächtige Christian B.: Das ist über den Fall der verschwundenen Madeleine McCann bekannt. (Quelle: t-online.de)


Ein Deutscher steht im Verdacht, die kleine Madeleine "Maddie" McCann getötet zu haben. Er hätte ein Zeitfenster von wenigen Minuten gehabt. Das Rätsel um den folgenreichen Abend im Mai 2007 im Minutenprotokoll.  

Es war der vorletzte Tag des Urlaubs, als sich das Leben der McCanns für immer veränderte. Sie saßen nur gut 50 Meter Luftlinie von dem Ferienappartement entfernt im einem Tapas-Restaurant und scherzten mit Freunden, als Madeleine verschwand. Alle 30 Minuten hatte jemand nach ihr und den beiden Geschwistern gesehen. Es war wenig Zeit, das Kind zu entführen. Ermittler in Deutschland, Großbritannien und Portugal gehen nun dem Verdacht nach, dass Christian B., ein 43-jähriger Deutscher, genau das getan hat. Was geschah an dem Abend?

14.29 Uhr: Das letzte Foto von "Maddie"

Die Kamera von Kate McCann ist auf Zeit in ihrer mittelenglischen Heimat eingestellt und zeigt 13.29 Uhr, als sie den Auslöser drückt. Ihre Töchter Madeleine und Amelie planschen mit den Füßen im Pool, Papa Gerry sitzt neben ihnen. In dem Urlaub verbringt das Ärzte-Ehepaar auch viel Zeit ohne Kinder, weil die Ferienanlage "Ocean Club" eine umfangreiche Betreuung anbietet. Madeleine und ihre Geschwister gehen wenig später in den Kids Club, wo sie auch zu Abend essen. Das Foto wird das letzte Bild sein, das die Dreijährige lebend zeigt.  

Madeleine "Maddie" McCann mit Schwester und Vater am Pool: Es ist das letzte Foto, das sie lebend zeigt. Die Eltern veröffentlichten es Ende Mai 2007. Madeleine "Maddie" McCann mit Schwester und Vater am Pool: Es ist das letzte Foto, das sie lebend zeigt. Die Eltern veröffentlichten es Ende Mai 2007.

18 Uhr bis 19 Uhr: Es ist Schlafenszeit

Kate McCann holt Madeleine und die Zwillinge Sean und Amelie aus dem Kids Club und geht mit ihnen in das Appartement 5A am Rand der Appartementanlage. Um 19 Uhr ist Schlafenszeit für Madeleine und die Zwillinge. Gerry McCann ist gerade vom Tennis zurückgekommen. Kate McCann bringt die Kinder ins Bett, Gerry kommt für einen Gutenacht-Kuss noch einmal zu ihnen. "Maddie" kuschelt sich in ihrem rosa-weißen Schlafanzug mit schlafendem Elefant darauf in ihre Prinzessinnendecke, ihre Stoffkatze liegt neben ihr.

 Madeleines Bett: Im Kinderzimmer stehen neben ihrem Bett noch ein weiteres und zwei Kinderreisebetten für die Zwillinge. Ein Fenster führt zur Straße, der dem Pool abgewandten Seite des Appartements. Portugiesische Behörden veröffentlichten die Bilder aus dem Appartement. (Quelle: t-online.de)Madeleines Bett: Im Kinderzimmer stehen neben ihrem Bett noch ein weiteres und zwei Kinderreisebetten für die Zwillinge. Ein Fenster führt zur Straße, der dem Pool abgewandten Seite des Appartements. Portugiesische Behörden veröffentlichten die Bilder aus dem Appartement. (Quelle: t-online.de)

19.32 Uhr: Der ominöse Anrufer

Das Telefon mit der Nummer +351 912 730 680 klingelt, als es in der Gegend von Praia de Luz im Netz ist. Es ist das Handy des Deutschen, glauben die Ermittler. Er lebt eigentlich 15 Kilometer entfernt, die Ermittler schreiben ihm aber Einbrüche in Ferienanlagen in der Umgebung zu. Das Telefonat dauert bis 20.02 Uhr. Das Gespräch könnte Aufschluss darüber bringen, was der Deutsche gemacht hat. Das Problem: Die Polizei weiß nicht, wer der Anrufer oder die Anruferin mit der Nummer +351 916 510 683 war.

20.30 Uhr: Abendessen im Tapas-Restaurant

Gerry schaut noch mal nach den Kindern: Sie schlafen jetzt. Die McCanns verlassen die Wohnung. Den Vorhang der Terrassentür ziehen sie zu, schließen aber nicht ab, das geht von außen nicht. Mit ihren Bekannten Matthew Oldfield und dessen Frau, Russell O'Brien und Lebensgefährtin Jane Tanner und einem weiteren Paar und dessen Mutter wollen sie im Tapas-Restaurant des Ocean Clubs draußen essen. Es liegt auf der anderen Seite des Pools, aber das Appartement liegt zu tief, als dass man es sehen könnte.

In Sichtweite: Im Restaurant saßen die Eltern, auf der anderen Seite des Pools schliefen die Kinder im rückwärtigen Teil des Appartments. (Quelle: Getty Images, Jeff J. Mitchell/Grafik: t-online.de)In Sichtweite: Im Restaurant saßen die Eltern, auf der anderen Seite des Pools schliefen die Kinder im rückwärtigen Teil des Appartments. (Quelle: Getty Images, Jeff J. Mitchell/Grafik: t-online.de)

21.05 Uhr: Das offene Kinderzimmer

Gerry McCann verlässt das Restaurant, um nach den Kindern zu sehen. Er geht durch die unverschlossene Terrassentür in die Wohnung, wird er später sagen. In einer ersten Vernehmung hatte er noch gesagt, sie seien durch die normale, abgeschlossene Eingangstür in die Wohnung gelangt. Sie schlafen. Er wundert sich, weil er meint, dass sie die Tür des Kinderzimmers leicht angelehnt hatten, nun war sie offen, um etwa 21.10 Uhr geht er wieder zu den Freunden an den Tisch.

21.15 Uhr: Ein Mann mit Kind (1)

Auch die McCann-Freundin Jane Tanner hat nach ihren Kindern geschaut. Sie sieht auf dem Rückweg einen Mann, der ein Kind in hellrosa Pyjama auf dem Arm trägt – aus Richtung der Wohnung der McCanns kommend. Sie beschriebt ihn als etwa 35 bis 40 Jahre alt, mediterraner Typ. Später wird eine Zeichnung erstellt. Die Beschreibung passt nicht auf den jetzt verdächtigen Deutschen. Die Aussage bringt wenig später einen 33-jähriger Anwohner mit britischen Wurzeln in Verdacht. 

Der Tanner-Mann: Jane Tanner, Freundin der McCanns, sah einen Mann, der ein kleines Mädchen auf dem Arm wegtrug. Jahrelang suchten Privatdetektive für die Familie nach dem Mann. (Quelle: t-online.de)Der Tanner-Mann: Jane Tanner, Freundin der McCanns, sah einen Mann, der ein kleines Mädchen auf dem Arm wegtrug. Jahrelang suchten Privatdetektive für die Familie nach dem Mann. (Quelle: t-online.de)

21.30 Uhr: Der verpatzte Kontrollgang

Kate McCann will schon aufstehen für einen Kontrollgang in die Wohnung. Sie bleibt sitzen, weil Matthew Oldfield anbietet, nach seinen und den McCann-Kindern zu schauen. Bei den McCanns schaut er allerdings nicht richtig nach. In einer zweiten Vernehmung wird er einräumen, dass er nur an der Tür gelauscht, aber nicht nachgesehen hat, ob die Kinder da sind.

Steht zu dieser Zeit ein Jaguar oder ein VW T3-Bus in dem Örtchen Praia da Luz? Mit diesen beiden Fahrzeugen war der tatverdächtige Deutsche zu dieser Zeit im Mai 2007 unterwegs, wissen die Ermittler. Wenn Zeugen eines der Fahrzeuge in Tatortnähe gesehen haben, wäre das ein weiteres Indiz. Das BKA bittet um Hinweise unter 0611/55-18444 und hat ein Portal zum Hochladen von Bildern eingerichtet.

Die Fahrzeuge des Christian B.: Er fuhr selbst einen Jaguar, konnte zudem einen VW T3 nutzen. War eines der Autos am Tatabend in Praia da Luz? Das BKA hofft auf Hinweise oder Fotos, auf denen sie zufällig abgebildet sein könnten. (Quelle: BKA)Die Fahrzeuge des Christian B.: Er fuhr selbst einen Jaguar, konnte zudem einen VW T3 nutzen. War eines der Autos am Tatabend in Praia da Luz? Das BKA hofft auf Hinweise oder Fotos, auf denen sie zufällig abgebildet sein könnten. (Quelle: BKA)

22 Uhr: "Madeleine ist weg"

Jetzt schaut Kate McCann nach den Kindern. Als sie in die Wohnung kommt, steht die Kinderzimmertür weit offen. Sie macht im Kinderzimmer zunächst kein Licht an, wartet, dass sich ihre Augen ans Dunkel gewöhnen. "Ich wollte die Kinder nicht wecken." Als sie realisiert, dass im Bett nur das Kuscheltier liegt, schaut sie im Elternschlafzimmer nach. Die Zwillinge liegen in ihren Reisebetten und schlafen. Aber "Maddie" ist weg. 

Das Appartement: Die Terrassentür zum Pool war nicht abgeschlossen, der Rolladen am Kinderzimmer-Fenster hochgeschoben und das Fenster offen.  (Quelle: Grafik: Jenny Tang/t-online.de)Das Appartement: Die Terrassentür zum Pool war nicht abgeschlossen, der Rolladen am Kinderzimmer-Fenster hochgeschoben und das Fenster offen. (Quelle: Grafik: Jenny Tang/t-online.de)

"Da traf mich die erste Welle der Panik", schrieb sie später in einem Buch. Im Kinderzimmer stellt sie fest, dass sich die Vorhänge bewegen: Die Rollläden sind hochgedrückt und das Fenster steht weit offen. Sie schaut überall in der Wohnung nach, vielleicht 15 Sekunden habe das gedauert. Dann rennt sie zum Restaurant und ruft "Madeleine ist weg."

22 Uhr: Ein Mann mit Kind (2)

Irische Touristen sehen in der Rua da Escola Primária, 460 Meter von der McCanns-Wohnung entfernt, einen Mann, der aus Richtung Ocean Club kommend ein Kind Richtung Strand wegträgt. Später wird davon eine Phantomzeichnung gemacht. Sie beschreiben den Mann als Mitte 30 und dunkelhaarig. Die Beschreibung passt schlecht auf den verdächtigen Deutschen.

Begegnung um 22 Uhr: Ein irisches Paar will da einen Mann mit diesem Aussehen gesehen haben, wie er mit einem Kind auf dem Arm aus Richtung der Ferienanlage kam.  (Quelle: Metropolitan Police)Begegnung um 22 Uhr: Ein irisches Paar will da einen Mann mit diesem Aussehen gesehen haben, wie er mit einem Kind auf dem Arm aus Richtung der Ferienanlage kam. (Quelle: Metropolitan Police)

Kurz nach 22 Uhr: Die Rolladen

Gerry McCann lässt die Rollladen im Appartement runter, um zu testen, ob sie sich von außen hochdrücken lassen. Das sei ganz leicht gegangen und habe ihn in dem Moment entsetzt, sagt er. Die portugiesische Polizei erklärt dagegen, das sei nur mit viel Krach möglich gewesen.

22.10 Uhr: Die Polizei wird gerufen

Der von den McCanns losgeschickte Matthew Oldfield gibt an der Rezeption Bescheid, die Polizei zu informieren.

22.30 Uhr: "Maddie"-Rufe im ganzen Ort

Das Resort startet nach einem festgelegten Plan für vermisste Kinder die Suche. 60 Mitarbeiter und Gäste sind bis 4.30 Uhr unterwegs, im ganzen Ort sind in der Nacht die "Maddie"-Rufe zu hören.

23.10 Uhr: Kritik an den Ermittlern

Zwei  Polizisten der nahen Wache in Lagos treffen ein, um Mitternacht verständigen sie die Kripo. Später wird Kritik an der Arbeit der Ermittler in den ersten für die Ermittlungen wichtigen Stunden laut: Das Ferien-Appartement wird nur unzureichend abgesperrt, viele Spuren könnten in der Nacht zerstört worden sein. Madeleine ist jetzt offiziell ein Vermisstenfall.

Oben im Video erfahren sie die wesentlichsten Informationen zum mysteriösen Verschwinden Maddies, oder Sie klicken hier.


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