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Einbruch beschert Tierheim ĂŒber Nacht Spendenflut

  • Lars Wienand
Von Lars Wienand

Aktualisiert am 22.08.2020Lesedauer: 3 Min.
EinbrĂŒche in Tierheime: Nachdem ein Fall in einem Forum Aufmerksamkeit bekommen hat, gibt es plötzlich einen gigantischen Spendensegen. (Symbolfoto)
EinbrĂŒche in Tierheime: Nachdem ein Fall in einem Forum Aufmerksamkeit bekommen hat, gibt es plötzlich einen gigantischen Spendensegen. (Symbolfoto) (Quelle: Stadt Stollberg/Imago Images)
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Die Corona-Zeit bringt auch viele Tierheime finanziell in Not. Deutschlandweit kommen bisher unaufgeklĂ€rte EinbrĂŒche hinzu . Wenigstens ein Tierheim bekommt jetzt unerwartet große Hilfe.

Eine Serie von bundesweiten EinbrĂŒchen in Tierheimen hat seit Ende August bei Tierschutzvereinen Ärger und EnttĂ€uschung ausgelöst. Bei TierschĂŒtzern in Ulm ist vollkommen unverhofft Hilfe angekommen: Seit Freitagabend sind dort Spenden in fĂŒnfstelliger Höhe eingegangen. "Ich bin erschlagen", sagt der Tierheim-Chef gegenĂŒber t-online.de. Und auch andere Einrichtungen profitieren plötzlich, weil im Netz eine verschworene Gemeinschaft entschieden hat, mal eben zu helfen.

Dahinter steckt das vorwiegend von jungen Menschen besuchte Imageboard "pr0gramm". Das ist eine Art Forum, in dem unter Bildern diskutiert wird. Dort sind schon mehrfach Spendenaktionen mit teils sechsstelligen BetrÀgen aus dem Nichts entstanden: Einer postet etwas, das ihm auffÀllt, einer einen Screenshot der ersten Spende. Wenn so eine Aktion den Nerv der Nutzer trifft, ziehen Hunderte oder gar Tausende nach.

Hunderte Screenshots von Spenden

Genau das ist am Freitagabend passiert. Ein Nutzer trat mit einem Bild einer Meldung des Tierschutzvereins Ulm die Spendenlawine los. Um 20 Uhr postete er das Foto von einer Nachricht ĂŒber einen Einbruch im Tierheim. In der Nacht zum Freitag war dort eine Spendenbox gestohlen und ein Tresor aufgebrochen worden.

Herrenlose Tiere als Ziel von niedertrĂ€chtigen Dieben?! Da könne man doch ein bisschen spenden, schlug der Nutzer vor. Eine Viertelstunde spĂ€ter erschien der erste Screenshot einer Zahlung, seither fließt Geld fast im Minutentakt und es gibt Hunderte Screenshots von Spenden.

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Auch auf der Seite des Tierheims ist die Flut in Echtzeit zu sehen. Der 2014 eingerichtete Spendenticker stand bis zum Einbruch bei rund 41.000 Euro. Dann gab es nach einem Radiobericht eine erste Welle von Onlinespenden. "Da haben wir uns schon sehr gefreut", so Tierheimleiter Ralf Pessmann zu t-online.de.

Doch von inzwischen 43.000 Euro am Freitagabend rauschte der ZĂ€hler auf 56.000 Euro am Samstagmittag, nachdem die "pr0"-Nutzer eingestiegen sind. "Und ich glaube, die Zahlungen per Paypal sind da gar nicht verzeichnet", so Pessmann. "Es macht uns glĂŒcklich, dass so viele Menschen uns unterstĂŒtzen."

RĂ€tselhafte "Kellerkinder"

Er hatte fĂŒr die Welle zunĂ€chst keine ErklĂ€rung gehabt. Ihn irritierte, dass die Spenden oft mit Botschaften wie "Aus dem Keller kommt die Kraft" versehen sind. "Ich dachte, es könnte um unseren Safe im Keller gehen." t-online.de klĂ€rte den Tierheimleiter auf: Die Nutzer bei "pr0gramm" bezeichnen sich selbstironisch selbst als "Kellerkinder". Von "pr0gramm" hatte Pessmann nie gehört. Vielen Nutzern dort ist das recht. Eine ungeschriebene Regel dort: "Über das pr0 spricht man nicht."

FĂŒr das Tierheim Ulm ist der Schaden mit der plötzlichen Spendenflut schon mehr als ausgeglichen. Auf "pr0gramm" verwiesen Nutzer auch prompt auf andere EinbrĂŒche. Denn was bisher kaum aufgefallen ist: Aktuell gibt es offenbar eine Serie – und die FĂ€lle könnten in Verbindung stehen. Von Sachsen ĂŒber Bayern nach Baden-WĂŒrttemberg zieht sich die Spur.

TatsÀchlich spendeten einige Nutzer dann auch an andere Tierheime, die in den vergangenen Tagen ungebetenen Besuch hatten. Pro Tat liegt die Beute bei einigen Hundert Euro, manchmal ist sie vierstellig. Oft macht der Sachschaden mehr aus als die gestohlene Summe.

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Vorstand soll ĂŒber Weiterleitung reden

Ulms Tierheimchef denkt nun auch an diese Einrichtungen. "Wenn jetzt so viel zusammenkommt, kann ich mir auch vorstellen, dass wir an andere betroffene Tierheime etwas weiterleiten", so Pessmann zu t-online.de. "Wir haben ja alle das gleiche Ziel, um das es den Spendern sicher auch geht." Über die Verwendung mĂŒsse der Vorstand beraten. Reich sei das Tierheim aber auch durch die Spendenflut nicht: "Die Fixkosten sind enorm, allein 130.000 Euro im Jahr fĂŒr TierĂ€rzte."

Die Einbruchserie hatte Ende Juli im Erzgebirge begonnen. Zwölf FĂ€lle seither könnten zusammenhĂ€ngen. Die Stadt Stollberg veröffentlichte sogar ein Foto des TĂ€ters und lobte 200 Euro Belohnung aus. Eine Überwachungskamera hatte ihn erfasst.

Einbrecher im Bild: Die Stadt Stollberg startete mit dem Foto eine Fahndung. Daunter gab's auch eine Diskussion, ob sie das darf.
Einbrecher im Bild: Die Stadt Stollberg startete mit dem Foto eine Fahndung. Daunter gab's auch eine Diskussion, ob sie das darf. (Quelle: Screenshot Facebook)

Nach den FĂ€llen in Sachsen ging es in Franken weiter: Drei Tierheime im Raum Bayreuth. Und die beklagten sich zum Teil bitter. Der Lichtenfelser Verein schimpfte: "Tierheimen zu schaden, ist ja generell ein Ă€ußerst moralischer Tiefgang. In der Corona-Zeit, in der hĂ€nderingend jeder Cent dringend gebraucht wird, stellt es eine völlige Katastrophe dar!"

Spurensicherung: Auch das Tierheim Reutlingen wurde nachts bestohlen. "Mögen euch die HÀnde abfaulen!", schrieb der Verein an die TÀter.
Spurensicherung: Auch das Tierheim Reutlingen wurde nachts bestohlen. "Mögen euch die HÀnde abfaulen!", schrieb der Verein an die TÀter. (Quelle: Tierheim Reutlingen)

Dann wurden in Schwaben Fenster und TĂŒren aufgehebelt und Safes und Kassen gestohlen. FĂŒnf FĂ€lle in fĂŒnf NĂ€chten, Ulm als bisheriger Schlusspunkt. Doch immer wieder erlebten die Tierheime danach auch viel SolidaritĂ€t: Die Belegschaft eines Irish Pubs spendete ihre Trinkgelder, ein Kind schickte ein GemĂ€lde mit Brief und ein bisschen Taschengeld, eine Tierarztpraxis versprach einen hohen Betrag. Aber eine Spendenflut von Kellerkindern – das kannte bisher niemand.

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