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Land NRW betrogen: Polizei stellt Hintermänner des 15-Millionen-Maskencoups

Deutscher Staat geprellt  

Polizei stellt Hintermänner des 15-Millionen-Maskencoups

24.09.2020, 13:25 Uhr
Land NRW betrogen: Polizei stellt Hintermänner des 15-Millionen-Maskencoups. Die mutmaßlichen Drahtzieher des millionenschweren Maskenbetrugs: Verhaftet wurden die beiden Verdächtigen in Nigeria. (Quelle: Nigeria Police Force)

Die mutmaßlichen Drahtzieher des millionenschweren Maskenbetrugs: Verhaftet wurden die beiden Verdächtigen in Nigeria. (Quelle: Nigeria Police Force)

Auf der Höhe der Corona-Pandemie ging das Land NRW auf Einkaufstour. Doch Schutzmasken im Wert von 15 Millionen Euro kamen nie an. Die Spuren des Betruges führen nach Nigeria.

Es war ein spektakulärer Betrugsversuch, der auch den erfahrenen Händler schockiert haben muss: Mitten in der Corona-Pandemie suchte er im März händeringend für das Land Nordrhein-Westfalen Schutzmasken. Die Ware war knapp, die Preise hoch. Ärzte und Pfleger waren auf ihn angewiesen. Zur Einkaufstour hatte ihm die Landesregierung den Auftrag erteilt. Der Geschäftsführer einer Firma mit Sitz in Hamburg und Zürich nutzte sein Kontakte.

Geklonte Seite, geprellter Kunde

Ein etabliertes Geschäftsverhältnis mit einem vertrauensvollen Unternehmen in Spanien sollte abhelfen. Die Bestellung war aufgegeben, der Vorschuss bezahlt. Immerhin fast 2,4 Millionen Euro. Das einzige Problem: Als der Mann mit einem 52 Lastwagen starken Transportkonvoi samt Polizeieskorte in den Niederlanden vorstellig wurde, um die Masken abzuholen, wartete dort kein volles Lager mit Schutzmaterial auf ihn. Die Ware hatte nie existiert. Er war Betrügern aufgesessen, die die Internetseite des spanischen Lieferanten gefälscht hatten. Unverrichteter Dinge zog der Konvoi ab. Ein Desaster.

Was folgte, war eine koordinierte Jagd: auf das Geld, auf die Mittelsmänner, auf die Drahtzieher. Irische Betrugsermittler, niederländische Geldwäschefahnder, deutsche Staatsanwälte – Behörden aus zahlreichen europäischen Staaten ermittelten gemeinsam. Denn die Täter hatten ihre Spuren zu verwischen versucht, wie t-online damals berichtete: Den Betrug hatten sie mithilfe gefälschter Webseiten und Bankkonten in mehreren europäischen Ländern und Nigeria eingefädelt.

Die Geldwäscher und ihre Spuren

Die Ermittler folgten dem Geld, stellten die Vorauszahlung fast vollständig sicher und stießen so zunächst auf zwei Männer in den Niederlanden. Auf ihren Konten ging ein Großteil des Geldes für den vermeintlichen Maskenkauf ein. Von dort aus verteilten sie es mit Überweisungen an weitere Empfänger im In- und Ausland, unter anderem in Irland. Beide wurden im Juli wegen Geldwäsche zu jeweils zwei Jahren Haft verurteilt. Der Betrug selbst, die gefälschten Webseiten und die falschen Angebote, konnte ihnen aber nicht nachgewiesen werden. 

Auch in Irland schlugen die Ermittler zu: Von dort aus folgen sie weiterhin Spuren. (Quelle: Garda National Economic Crime Bureau)Auch in Irland schlugen die Ermittler zu: Von dort aus folgen sie weiterhin Spuren. (Quelle: Garda National Economic Crime Bureau)

Dafür sollen zwei Männer in Nigeria verantwortlich sein. Wenige Wochen nach den Urteilen in den Niederlanden schlugen Ermittler auch dort zu und verhafteten die mutmaßlichen Drahtzieher. Mit Medizinprodukten haben sie nichts zu tun. "Sie waren einfach erfahrene Betrüger, die im Ausbruch von Covid-19 eine Gelegenheit sahen", sagte Interpol-Generalsekretär Jürgen Stock laut Mitteilung. 

Ermittlungen dauern noch an

Ob mit den Verhaftungen die Ermittlungen abgeschlossen sind, teilten weder Interpol, noch die in Deutschland zuständige Staatsanwaltschaft Traunstein mit. Ein Sprecher der irischen Nationalpolizei sagte t-online: Die Ermittlungen dauern an. Dort waren 1,5 Millionen Euro an eine Firma geflossen. Auch Spuren nach Großbritannien scheinen noch nicht vollständig aufgeklärt.

Denn dort ist offenbar noch ein Mann auf freiem Fuß, den Interpol für das Mastermind hinter der Geldwäscheoperation in Europa hält: ein mysteriöser "Teddy A.", der offenbar als Schnittstelle zwischen den Geldverteilern in den Niederlanden und den Drahtziehern in Nigeria diente. Sein Name taucht in den niederländischen Gerichtsunterlagen auf, die t-online vorliegen. Mehr ist über ihn bislang nicht öffentlich bekannt. Er soll ebenfalls Nigerianer sein. 

Verwendete Quellen:
  • eigene Recherchen
  • Staatsanwaltschaft Traunstein: Pressemitteilung vom 24.9.2020
  • Dokumente, Stellungnahmen und Pressemitteilungen u.a. von Interpol, FIOD Belastingsdienst, An Garda Siochana
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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