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Alexander Kagansky: Tod von russischem Forscher gibt weiter Rätsel auf

Verdächtiger bestreitet Tat  

Tod von russischem Forscher gibt weiter Rätsel auf

22.12.2020, 12:14 Uhr | lr, t-online, law

Alexander Kagansky: Tod von russischem Forscher gibt weiter Rätsel auf. Der russischer Biologe Alexander Kagansky: Vor seinem Sturz gab es offenbar eine Auseinandersetzung mit einem Anwohner.  (Quelle: University of Edinburgh)

Der russischer Biologe Alexander Kagansky: Vor seinem Sturz gab es offenbar eine Auseinandersetzung mit einem Anwohner. (Quelle: University of Edinburgh)

Unter mysteriösen Umständen ist der russische Wissenschaftler Alexander Kagansky ums Leben gekommen. Nun wird eine vermeintliche Aussage des Verdächtigen bekannt – und weckt noch mehr Misstrauen.

Der Fall hat innerhalb kürzester Zeit weltweit für Schlagzeilen gesorgt: Der angesehene Krebsforscher Alexander Kagansky ist am Samstag aus dem 14. Stockwerk eines Hochhaus in St. Petersburg gestürzt. Seine Leiche wies außerdem Stichverletzungen auf. Die Polizei teilte zunächst mit, sie gehe von einem Streit zwischen Kagansky und einem der Bewohner des Hauses aus.

Nun mehren sich die Zweifel. Der Verdächtige, offenbar ein russischer Journalist, soll ein langjähriger Freund Kaganskys sein. Verschiedenen russischen Medien zufolge widersprach er im Verhör der Darstellung, es habe einen Streit gegeben. Stattdessen hätten die beiden gemeinsam gefeiert. Am nächsten Tag habe Kagansky, angeblich unter Einfluss von Alkohol und Drogen, sich selbst Stichverletzungen zugefügt und sei gesprungen. Ob aus einem Fenster oder von einem Balkon, darüber gibt es unterschiedliche Angaben. Den Berichten zufolge sollte ein Lügendetektor-Test angeordnet werden. 

Zweifel an neuen Medienberichten

Die Quelle für die Suizid-Version des Verdächtigen ist ein Portal, an dessen Unabhängigkeit es Zweifel gibt: "Nevskie Novosti" beruft sich auf vertrauliche Informationen aus russischen Behörden und will von Freunden Kaganskys auch von Depressionen erfahren haben. 2018 hatten die USA das Unternehmen hinter der Seite auf ihre Sanktionsliste genommen, weil es enge Verbindungen zur russischen "Internet Research Agency" haben soll, der Trollfabrik, die weltweit im Auftrag der russischen Regierung Fake News verbreitet.

Im Gespräch mit "MBK Media", einer Plattform des Kremlkritikers Michail Chodorkowski, äußerte Kaganskys Kollege Vadim Kumeiko Zweifel an der Suizid-Theorie. "Wir haben ein neues Projekt vorbereitet, also haben wir oft geredet, er hat Pläne gemacht. Es gab einige Fragen und Probleme mit der wissenschaftlichen Arbeit, aber dies waren aktuelle Probleme und keine verzweifelte Situation."

Ärzte starben unter mysteriösen Umständen

Ohnehin hatte der Fall schnell nach Bekanntwerden für weltweites Misstrauen gesorgt. Im Frühjahr sind innerhalb weniger Wochen drei russische Ärzte angeblich in Folge eines Fenstersturzes gestorben. Sie alle hatten zuvor öffentlich Kritik am russischen Corona-Krisenmanagement geübt und Mängel im Gesundheitssystem angeprangert. Viele weitere Kritiker sollen inhaftiert worden sein.

Für Berichte, dass Kagansky an der Entwicklung eines Covid-19-Impfstoffs beteiligt gewesen sein soll, gibt es bislang keine Bestätigung. Kaganskys Fachgebiet war die Krebsforschung.

Der 45 Jahre alte Wissenschaftler forschte bis 2017 an der Universität Edinburgh in Schottland in der Abteilung für Humangenetik. Zuletzt hat er das Zentrum für genomische und regenerative Medizin der Fernöstlichen Föderalen Universität in Wladiwostok geleitet.

Hinweis: Falls Sie viel über den eigenen Tod nachdenken oder sich um einen Mitmenschen sorgen, finden Sie hier sofort und anonym Hilfe.

Verwendete Quellen:

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