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Tritte gegen Polizisten: Waldbesetzerin muss in Haft

Von dpa, t-online
Aktualisiert am 23.06.2021Lesedauer: 3 Min.
Die Polizei trägt eine Aktivistin: Im November 2020 hatte die Polizei das Waldstück geräumt.
Die Polizei trägt eine Aktivistin: Im November 2020 hatte die Polizei das Waldstück geräumt. (Quelle: kh/imago-images-bilder)
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Ein Streit um eine neue Autobahn in Hessen eskalierte vergangenes Jahr. Aktivisten lieferten sich Auseinandersetzungen mit der Polizei. Nun fiel ein Urteil vor Gericht – es kam zu Tumulten.

Eine Waldbesetzerin aus dem Dannenröder Forst ist am Mittwoch vom Amtsgericht Alsfeld zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Frau in einem Protest-Camp in dem Waldstück in Mittelhessen auf einer Seiltraverse in rund 15 Metern Höhe einen Polizisten mehrfach ins Gesicht und einmal gegen den Kopf getreten und einem weiteren Beamten ihr Knie ins Gesicht gestoßen hat.


Junge Aktivistinnen verändern die Welt

Shamma Al Mazrui: Die heute 25-Jährige engagiert sich als Staatsministerin für die Jugend in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Sie wurde 2016 zur jüngsten Ministerin der Welt gewählt.
Emma Gonzalez: Die Aktivistin kämpft um strengere Waffengesetze in den USA. 2018 überlebte sie einen Amoklauf in Parkland, Florida. Ihre Rede auf der Gedenkfeier hat sich schnell verbreitet. Gonzalez gründete sie die Organisation "Never Again MSD".
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Im Gerichtssaal kam es während der Urteilsverkündung zu tumultartigen Szenen, wie Amtsgerichtsdirektor und Pressesprecher Klaus Schwaderlapp berichtete. Mehrere Zuschauer hätten gesungen und seien von Polizisten aus dem Saal entfernt worden, auch die Angeklagte habe Parolen skandiert, als sie abgeführt wurde.

Nach Überzeugung des Gerichts hat sich die Frau in zwei Fällen des tätlichen Angriff auf Vollstreckungsbeamte schuldig gemacht – davon einmal in einem besonders schweren Fall – sowie des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und der gefährlichen Körperverletzung. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

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"Da wird einem extrem schlecht"


"Unbekannte Weibliche Person 1"

Die Frau hatte es abgelehnt, ihre Identität anzugeben, sie saß seit ihrer Festnahme Ende November vergangenen Jahres in Untersuchungshaft. Staatsanwältin Mareen Fischer hatte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten für die Angeklagte gefordert, die vom Gericht als "Unbekannte Weibliche Person 1" geführt worden. Ihr Anwalt hatte einen Freispruch gefordert.

Fischer sagte nach der Urteilsverkündung, sie werde prüfen, ob sie Rechtsmittel gegen die Entscheidung einlege. Ein solches Verfahren habe sie bisher in ihrer beruflichen Laufbahn noch nicht erlebt. Bei dem von ihr geforderten Strafmaß habe die Gefährlichkeit der Tat und die Intensität der Ausführung eine Rolle gespielt. So habe die Gefahr bestanden, dass der von den Tritten betroffene SEK-Beamte aus großer Höhe abstürze, was ihn in Todesangst versetzt habe.

Auseinandersetzung mit der Polizei

Der Vorfall hatte sich am 26. November vergangenen Jahres während der Räumung des Camps im Dannenröder Forst nahe Homberg/Ohm im Vogelsbergkreis ereignet haben. Einer der beiden Beamten hatte laut Anklage unter anderem Verletzungen an der Schulter sowie Bewegungseinschränkungen der Halswirbelsäule erlitten, der andere ein Hämatom im Gesicht.

Im Dannenröder Forst sowie im nahe gelegenen Maulbacher Wald und im Herrenwald bei Stadtallendorf (Landkreis Marburg-Biedenkopf) waren Bäume für den Weiterbau der Autobahn 49 gefällt worden. Aus Protest dagegen hatten Umwelt- und Klimaschützer den Dannenröder Forst besetzt und dort zahlreiche Baumhäuser und Barrikaden errichtet, die von der Polizei bei wochenlangen Räumungen entfernt wurden. Dabei kam es auch immer wieder zu Zwischenfällen.

Streit um Autobahn 49

Der Prozess wurde von Beginn an von Protesten von Aktivisten begleitet. Sie hatten von einem "Schauprozess" gesprochen und wiederholt die Freilassung von "Ella" gefordert, wie sie die Frau nannten. Auch am Mittwoch fanden sich zwischenzeitlich mehr als 20 Personen vor dem Gerichtsgebäude ein, wie Schwaderlapp berichtete.

Die A49 soll einmal Kassel und Gießen direkter miteinander verbinden. Umweltschützer sehen das Projekt im Widerspruch zu einer umweltfreundlichen Verkehrswende – die Befürworter der Autobahn erhoffen sich weniger Lärm und Verkehrsbelastung in Dörfern der Region und eine bessere Straßenanbindung für Pendler. Die Bauarbeiten für den Lückenschluss sind bereits in vollem Gange.

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