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Schiffbrüchiger 13 Monate auf See: Stimmt die Geschichte des Mannes aus El Salvador?

13 Monate auf See  

Stimmt die Geschichte des Schiffbrüchigen?

04.02.2014, 13:47 Uhr | dpa, AP, t-online.de

Schiffbrüchiger 13 Monate auf See: Stimmt die Geschichte des Mannes aus El Salvador?. Der Mann, der nach eigenen Angaben José Salvator Alvarengo heißt, nach seiner Rettung in Majuro auf den Marshallinseln. (Quelle: AP/dpa)

Der Mann, der nach eigenen Angaben José Salvator Alvarengo heißt, nach seiner Rettung in Majuro auf den Marshallinseln. (Quelle: AP/dpa)

Ein 37-jähriger Mann bricht mit einem jugendlichen Begleiter in Mexiko zum Haifischen auf. Das Boot gerät in einen Sturm, der Motor versagt, es treibt manövrierunfähig über den Pazifischen Ozean. Der Jugendliche stirbt, der andere Fischer überlebt 13 Monate auf See. Ist diese Geschichte wahr? Vieles spricht dafür, aber es gibt Details, die stutzig machen.

Sicher ist, dass ein Mann vergangene Woche mit einem kaputten Boot und nur einer zerfetzten Unterhose bekleidet auf dem Ebon-Atoll der Marshallinseln auftauchte. Die liegen rund 4000 Kilometer nordöstlich der australischen Stadt Cairns und 10.000 Kilometer westlich von Mexiko.

Begleiter stirbt nach einem Monat

Das ist die Geschichte, die er erzählt: Er heiße Jose Alvarenga, 37 Jahre alt, und spreche nur Spanisch. Er stamme aus El Salvador, habe aber seit 15 Jahren in Mexiko gelebt. Er habe für einen Mann namens Willie Haie gefischt; für das Pfund habe er 25 Pesos (umgerechnet etwa 1,40 Euro) bekommen.

Er stach nach eigenen Angaben Ende 2012 in Mexiko mit seinem sieben Meter langen Fiberglas-Boot in See und wurde abgetrieben. Mit dabei war ein 15 bis 18 Jahre alte Jugendlicher namens Ezequiel - es sollte ein Tagesausflug werden.

Sie seien in einen Sturm geraten, das Boot sei bald darauf steuerlos durch den Pazifik getrieben. Ezequiel sei nach vier Wochen an den Strapazen auf See gestorben.

Er habe sich von selbst gefangenen Schildkröten und Vögeln ernährt und - wenn er kein Regenwasser hatte - deren Blut getrunken. Nach einer 13-monatigen Odyssee im Südpazifik habe er Ebon erblickt und sei an Land geschwommen. In einigen Details erinnert seine Erzählung an den Roman und Film "Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger".

Die 9000 Kilometer lange Odyssee von Mexiko zu den Marshallinseln  (Quelle: T-Online / Google, INEGI)Die 9000 Kilometer lange Odyssee von Mexiko zu den Marshallinseln (Quelle: T-Online / Google, INEGI)

Behörden wollen Geschichte verifizieren

"Wir haben noch keine Gelegenheit gehabt, seine Geschichte zu verifizieren", sagte der Außenminister der Marshallinseln, Gee Bing, dem australischen Sender ABC. Der Mann sei in der Hauptstadt Majuro schon aus dem Krankenhaus entlassen worden und warte auf seine Heimreise.

Ein Mann aus El Salvador dieses Namens habe lange in Mexiko gelebt, bestätigten dort die Behörden. CNN sprach in El Salvador mit Julia Alvarenga, die sagte, sie habe immer gewusst, dass ihr Sohn noch lebe. Nach Angaben der Zeitung "The Guardian" hatte sie acht Jahre zuvor den Kontakt zu ihm verloren. Auch die zehnjährige Tochter des Fischers erklärte, sie freue sich darauf, ihren Vater wiederzusehen. Drei seiner Brüder lebten in den USA, gab Alvarenga an.

Der "Guardian" zitiert Jaime Marroquín von den Rettungsmannschaften in Chiapas. Dieser bestätigt, dass ein Boot mit zwei Fischern an der Costa Azul vermisst gemeldet worden sei. Das Wetter sei schlecht gewesen. Die Suche nach dem Boot sei aber nach zwei Tagen wegen schlechter Sicht abgebrochen worden.

Offizieller Schiffsbericht nennt anderen Namen

Im offiziellen Bericht aber stünden die beiden vermissten Fischer unter den Namen Cirilo Vargas und Ezequiel Córdova, beide 38 Jahre alt. Der Bootsbesitzer habe angegeben, Vargas stamme aus El Salvador, es sei aber keine Familie ausfindig gemacht werden können, während Ezequiels Vater sich an der Suche beteiligt habe. Es sei aber bekannt, dass solche Berichte häufig fehlerhaft seien.

Fischer aus der Gegend wiederum, so schreibt der "Guardian", erinnerten sich an Alvarenga, allerdings unter dem Spitznamen "LA Chancha", offenbar ein Slang-Ausdruck für "Schwein". Das weist darauf hin, dass Alvarenga wohl recht korpulent war.

Erstaunlich fit

Bei seiner Rettung jedenfalls ist der Fischer in erstaunlich guter Verfassung. Auf einem Video, das der Sender CNN aus Majuro zeigte, ist ein Mann mit wildem Haar und Bart, aber nach allem Anschein gut genährt zu sehen. Er geht, gestützt auf einen Pfleger, auf wackligen Beinen eine Schiffsplanke hinab. Seine Knöchel und Knie sind geschwollen.

"Er ist sicherlich in einer deutlich besseren Verfassung als man nach so einer Tortur erwartet hätte", sagte der US-Botschafter Thomas Armbruster dem Sender CNN.

Die "Bild"-Zeitung zitiert Experten, die vermuten, dass der Mann vor seiner Reise deutlich dicker war, während der Monate auf See aber rund ein Drittel seines Gewichtes verloren habe. Vitamin- und Mineralstoffmangel zeige sich unter Umständen erst später.

Details werfen Fragen auf

Unklar sei aber etwa, so "Bild", warum die Haut des Mannes augenscheinlich intakt ist, obwohl sie ein Jahr lang schutzlos den intensiven Sonnenstrahlen auf See ausgesetzt war. Auch dass seine Nieren so lange durchgehalten hätten, errege Zweifel am Wahrheitsgehalt seiner Geschichte.

Doch auch wenn Alvarengas Überleben viele überrascht habe, schreibt wiederum der "Guardian", kaum jemand habe eine Erklärung dafür, wie der Mann sonst bei den Marshalinseln hätte ankommen können - in einem Boot, das zumindest dem ähnlich sah, das Ende 2012 vermisst wurde.

"Es ist schwer vorstellbar, dass jemand 13 Monate auf See überlebt", zitiert das Blatt US-Botschafter Armbruster. Aber ebenso schwer vorstellbar sei es, dass jemand aus dem Nichts in Ebon auftauche.

Auch andere Schiffbrüchige überlebten ähnliche Irrfahrten

Es gibt immer wieder spektakuläre Fälle von Schiffbrüchigen, die lange Zeit auf dem offenen Meer überleben: 2006 hatte die Besatzung eines taiwanesischen Thunfisch-Kutters nahe den Marschall-Inseln drei Mexikaner gerettet. Sie waren neun Monate zuvor von der Pazifikküste ihres Heimatlandes aus zum Fischen aufgebrochen.

Nach einem Motorschaden trieben sie auf das offene Meer hinaus. Während ihrer Odyssee ernährten sie sich von rohem Fisch sowie dem Fleisch von Seevögeln und tranken Regenwasser. 1992 überlebten zwei Fischer aus Kiribati 177 Tage auf hoher See, bevor sie Samoa erreichten.

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