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Der New Yorker Times Square wird 120


"Die Kreuzung der Welt"
Der New Yorker Times Square wird 120

Von dpa
08.04.2024Lesedauer: 4 Min.
Silvester - New YorkVergrĂ¶ĂŸern des BildesSilvesterfeier am Times Square in New York. (Quelle: Peter K. Afriyie/AP/dpa/dpa-bilder)
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Ob Silvester, Theater oder Yoga: Auf dem Times Square ist immer Programm. Vor 120 Jahren bekam die Kreuzung in Manhattan ihren Namen, inzwischen ist sie weltberĂŒhmt - aber bei New Yorkern unbeliebt.

Der eigentliche Namensgeber ist lĂ€ngst weitergezogen, aber der weltberĂŒhmte Name bleibt. Anfang des 20. Jahrhunderts baute sich die "New York Times" ein Hochhaus an der 42nd Street in Manhattan, zwischen 7th Avenue und Broadway.

Der damalige BĂŒrgermeister George McClellan unterzeichnete daraufhin 8. April vor genau 120 Jahren eine Resolution, die die nördlich des GebĂ€udes gelegene, langgezogene dreieckige Kreuzung offiziell in "Times Square" umbenannte. "Times Square ist der Name des neuen Zentrums der Stadt", titelte die namensgebende Tageszeitung am nĂ€chsten Morgen.

Die "New York Times" zog bald weiter

Vorher hatte der Platz Long Acre Square geheißen, nach einem frĂŒheren Kutschenviertel in London, denn auch rund um den heutigen Times Square waren einst Pferde und Kutschen untergebracht. Aber an diesem Namen hing niemand so richtig und mit der Ankunft von immer mehr Autos und Wolkenkratzern wie dem der "New York Times" schien der neue Name zeitgemĂ€ĂŸer. Die Tageszeitung selbst zog allerdings schon 1913 weiter in den Westen Manhattans und verkaufte den "One Times Square"-Turm 1961.

Der Turm bleibt Wahrzeichen des Platzes, der lĂ€ngst zu einer der berĂŒhmtesten SehenswĂŒrdigkeiten der Millionenmetropole geworden ist. UmhĂŒllt wird das GebĂ€ude - das seit vielen Jahren fast komplett leer steht, renoviert wird und nach derzeitigen PlĂ€nen in ein Museum mit Aussichtsplattform verwandelt werden könnte - inzwischen von Nachrichten-LaufbĂ€ndern und riesigen bunten Werbebildschirmen, so wie auch viele andere HĂ€user rund um den Platz. Das ist mit ein Grund dafĂŒr, dass es dort immer fast taghell und das Strahlen auch aus der Ferne zu sehen ist.

Fast 400.000 Menschen laufen nach ZĂ€hlungen des Nachbarschaftsverbands Times Square Alliance inzwischen jeden Tag rund um die Uhr ĂŒber die "Kreuzung der Welt". Rund dreimal so viele sind es jĂ€hrlich an Silvester, wenn auf dem Platz mit Konfetti sowie den Liedern "Auld Lang Syne" und "New York, New York" das neue Jahr eingeleitet wird. Die Augen von Millionen Menschen - auf dem Platz selbst und auf Bildschirmen weltweit - sind dann auf die Spitze von "One Times Square" gerichtet, wo fĂŒr den sogenannten "Ball Drop" traditionell eine leuchtende Kristallkugel an einem Fahnenmast heruntergleitet.

In den 1980er Jahren wird aufgerÀumt

Aber nicht nur an Silvester, am Times Square ist immer Programm. Wenige Jahre nach der Umbenennung wandelte sich die Gegend rund um den langgezogenen Broadway-Verkehrsknotenpunkt, an dem sich rund ein halbes Dutzend U-Bahn-Linien kreuzen, zu einem Theaterviertel und ist bis heute das Zentrum der Szene in New York. Drumherum aber verkam der Platz jahrzehntelang, wurde zu einem Anziehungsort fĂŒr Drogen, KriminalitĂ€t, Pornokinos, Sexshops und Prostituierte.

In den 1980er Jahren entschied sich die Stadtverwaltung, dagegen vorzugehen. Rund um den Times Square herum wurde aufgerĂ€umt, gesĂ€ubert und renoviert. Inzwischen ist der Platz selbst zu großen Teilen FußgĂ€ngerzone. Der Broadway-Theaterszene verhalf das zu einem Boom, ErfolgsstĂŒcke wie "Der König der Löwen" oder "Hamilton" ziehen jeden Abend tausende Menschen an, dazu gibt es GeschĂ€fte, Hotels, Restaurants, Bars und ein ganzes Broadway-Museum. Meist als Comicfiguren verkleidete StraßenkĂŒnstler oder auch ein inzwischen berĂŒhmt gewordener nur mit Unterhose, Cowboy-Hut und Gitarre bekleideter Mann belustigen gegen Spenden die vielen Touristen.

So richtig ruhig, fast schon gespenstisch, war es auf dem Times Square bislang wohl nur in den ersten Monaten der Corona-Pandemie. Damals war dann auch zum ersten Mal ein ganz besonderes Kunstwerk gut zu hören: Die Klang-Installation "Times Square" des 2009 gestorbenen US-KĂŒnstlers Max Neuhaus, bei der GlockenklĂ€nge aus einem Bodengitter dringen - ohne jedes erklĂ€rende Hinweisschild.

Ist der Platz heute nur noch eine Touristenfalle?

"Wir wollen, dass der Times Square ein Platz ist, der unsere Kultur auf jede Art und Weise erfasst und feiert", heißt es vom Nachbarschaftsverband Times Square Alliance. "Wir wollen, dass es ein vibrierender und demokratischer öffentlicher Ort ist, der das zivile, kulturelle und kommerzielle Leben in unserer Stadt veranschaulicht. Wir wollen, dass es ein Ort von und fĂŒr New Yorker ist, den wir stolz mit dem Rest der Welt teilen." Deswegen organisiert der Verband neben der großen Silvester-Party beispielsweise Kunstaktionen, Hochzeiten und Verlobungen am Valentinstag und anlĂ€sslich des Welt-Yoga-Tages jedes Jahr im Juni Massen-Yogastunden mitten auf dem Platz.

FĂŒr viele New Yorker aber ist der Platz zur Touristenfalle verkommen. Zwar mĂŒssen viele den vollgestopften Verkehrsknotenpunkt hĂ€ufig nutzen, auf dem Weg zur Arbeit oder ins Theater etwa, so richtig gerne und freiwillig machen das aber nur die wenigsten. Man sei nur "zu Forschungszwecken da", solle man raunen und dann schnell wieder verschwinden, wenn man doch einmal auf dem Times Square sei und dort zufĂ€llig auch noch einen Bekannten treffe, riet ein Stadtmagazin. Manche wĂŒnschen sich sogar schon die Zeit zurĂŒck, bevor der Platz sauber und verkehrsberuhigt war, so wie die berĂŒhmt-kritische Autorin Fran Lebowitz: "Der Times Square ist inzwischen die schlimmste Gegend der Welt."

Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur dpa
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