Sie sind hier: Home > Politik > Specials > NSA-Affäre >

"The Intercept": Snowden-Vertraute starten neue Enthüllungsplattform

Medienbericht  

NSA machte Snowden das Spionieren leicht

10.02.2014, 13:37 Uhr | dpa, t-online.de

"The Intercept": Snowden-Vertraute starten neue Enthüllungsplattform . Edward Snowden wurden nur wenig Steine in den Weg gelegt - die Sicherheitslücken bei der NSA waren wohl sehr groß (Quelle: AFP)

Edward Snowden wurden nur wenig Steine in den Weg gelegt - die Sicherheitslücken bei der NSA waren wohl sehr groß (Quelle: AFP)

Edward Snowden hatte offenbar leichtes Spiel: Frei zugängliche Software und ein NSA-Passwort reichten aus, um massenhaft und automatisiert Informationen von den Geheimdienstservern herunterzuladen. Das berichtet die "New York Times" (NYT) und beruft sich dabei auf Geheimdienstexperten, die Snowdens Datenklau unter die Lupe nahmen.

Wie kam Snowden an die unzähligen Geheimdienstinformationen? Dieser Frage ging die NSA auf den Grund. Laut NYT setzte Snowden einen sogenannten Web-Crawler ein - eine Software, die Websites durchsucht und analysiert.

Laut der Experten saugte dieses Programm im großen Stil und automatisiert die sensiblen Geheimdienstdaten von den Servern. Besonders gesichert waren die demnach nicht, denn der Whistleblower verschaffte sich mit nur einem Passwort Zugang zu den Informationen.

Diese Erkenntnis dürfe bei der NSA viele Fragen aufwerfen, denn die Behörde ist nicht nur für US-Spionage verantwortlich, sondern auch für den Schutz der eigenen, hochgeheimen Dokumente.

Bislang sah man sich gegen ausgeklügelte Cyberangriffe wie aus China und Nordkorea gut gerüstet. Nun wird deutlich: Der Schutzwall um geheime Informationen gegen Angriffe von Innen war nicht sehr groß.

Snowden gaukelte der NSA etwas vor

Außerdem brisant: Nachdem Snowdens Aktivitäten aufgefallen waren, konnte er bei einer Befragung durch die NSA glaubhaft machen, dass er im Rahmen von Wartungsarbeiten Sicherungskopien auf lokalen Servern speichern musste.

Snowden hatte als Systemadministrator Zugang zu den Computersystemen der NSA. Bis jetzt äußerte sich die US-Regierung nicht zu dem NYT-Bericht.

Neue Enthüllungsplattform am Start

Derweil haben die Journalisten, denen Snowden die geheimen Dokumente übergab, eine neue eigene Website gestartet. "The Intercept" werde die Enthüllungen auf Basis der Snowden-Unterlagen fortführen, kündigten drei Gründungsmitglieder des neuen Mediums am Montag an.

Das Team besteht aus dem Journalisten Glenn Greenwald und der Dokumentarfilmerin Laura Poitras sowie dem Enthüllungsreporter Jeremy Scahill.

Im ersten Bericht von "The Intercept" geht es darum, dass die US-Geheimdienste sich stark auf Ergebnisse elektronischer Überwachung bei der Auswahl der Ziele für Drohnen-Angriffe verließen, was zum Tod Unschuldiger führe. Dazu gibt es neue hochauflösende Luft-Aufnahmen amerikanischer Geheimdienst-Zentralen.

Drohen-Angriffe ohne Überprüfung

Dem ersten Bericht von "The Intercept" zufolge werden die Ziele für Drohnen-Angriffe oft auf Grundlage von Daten-Auswertung und Handy-Ortung bestimmt. Dabei werde die Identität der Zielperson nicht von Agenten im Einsatzgebiet geprüft.

Der Bericht bezieht sich auf Informationen von Beteiligten, Snowdens Unterlagen bestätigten dies. Greenwald und Poitras hatten das erste Interview mit Snowden in Hongkong geführt und bekamen von ihm die NSA-Unterlagen.

"The Intercept" werde sich anfangs auf weitere Enthüllungen auf Basis der Snowden-Unterlagen konzentrieren, wolle aber mit der Zeit auf breiter Front investigativen Journalismus betreiben, schrieben die Gründungsmitglieder. Themen sollen etwa Korruption, Justizmissbrauch, Verletzung bürgerlicher Freiheiten und soziale Ungleichheit sein.

Ebay-Gründer steckt hinter "Intercept"

Finanziert wird das Projekt von einem milliardenschweren Mitgründer der Handelsplattform Ebay, Pierre Omidyar. Er hatte sich nach schon vor Jahren nach Hawaii zurückgezogen und dort mit Journalismus-Projekten experimentiert.

Im vergangenen Jahr entschied er sich nach eigenen Angaben gegen einen Kauf der "Washington Post" und will stattdessen 250 Millionen Dollar in das Projekt mit Greenwald stecken. Die Journalisten betonten, dass ihre redaktionelle Unabhängigkeit garantiert sei.

Greenwald gab für "The Intercerpt" die Zusammenarbeit mit der britischen Zeitung "Guardian" auf, wo er im vergangenen Sommer die ersten Enthüllungen veröffentlicht hatte.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Ulla Popkenbonprix.deOTTOhappy-sizetchibo.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal