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"Z"-Symbol: Russen schicken neues Symbol in den Ukraine-Krieg


Der Niedergang des "Z"

  • Lars Wienand
Von Lars Wienand

Aktualisiert am 16.09.2022Lesedauer: 5 Min.
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Mitglieder der "Odessa Brigade" in der Region Cherson. Auf ihrem Truppentransporter prangt das "Z".
Mitglieder der "Odessa Brigade" in der Region Cherson. Auf ihrem Truppentransporter prangt das "Z". (Quelle: IMAGO/Sergei Bobylev)
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Das "Z" wurde zum Inbegriff dessen, was in Russland offiziell "Spezielle Militäroperation" heißt. Weil der Ukraine-Krieg nicht nach Plan verläuft, muss nun ein neues Symbol herhalten.

In Bayern sind die Gerichte oft besonders schnell. Und so ist Johannes P. vielleicht der erste Deutsche, der wegen eines "Z" sein Auto stehen lassen soll: Einen Monat Fahrverbot wegen des etwa 20 mal 20 Zentimeter großen Buchstabens, den er aufs Heck seines Autos geklebt hatte, verhängte das Amtsgericht in Wolfratshausen.

Weil der gebürtige Kasache P., der eigentlich anders heißt, mit dem "Z" einen Angriffskrieg gebilligt hat, soll der 45-jährige Arbeitslose auch eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 15 Euro zahlen. Also insgesamt 1.800 Euro, berichtet der "Merkur". Der Aufkleber von seinem Auto ist deshalb jetzt ab.

Das Beispiel steht durchaus stellvertretend dafür, dass der Lack beim "Z" inzwischen oft ab ist. Mit diesem Buchstaben hat Russland seine sogenannte "Spezielle Militäroperation" in der Ukraine propagandistisch gefeiert. Das "Z", das in Russland anfangs fast Kult wurde, wird zunehmend verdrängt, abgelöst und übermalt. Im Kriegsgebiet und im Netz.

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Dass das "Z" an Bedeutung verliert, ist vielleicht zum ersten Mal in der 55.000-Einwohner-Stadt Tores so richtig aufgefallen. Tores war bereits 2014 weltweit in den Schlagzeilen, weil auf dem Gebiet der Stadt in der Oblast Donezk eine zivile Maschine der Malaysian Airlines abgestürzt war: Flug MH17 mit 298 Insassen an Bord, abgeschossen von einer russischen Luftabwehrrakete.

Durch den Ort Tores, der 35 Kilometer von der russischen Grenze entfernt liegt, rollten am Morgen des 29. August 2022 russische Militärfahrzeuge. Ein Account, der offensichtlich seit Jahren ukrainische Stellen mit Informationen aus der besetzten Region versorgt, berichtete auf Twitter davon – und von einer Sache, die ihm neben "vielen Bärtigen, wahrscheinlich Tschetschenen" noch aufgefallen war: Die Fahrzeuge hatten auf der Seite einen "Kreis in einem Dreieck".

Kreis im Dreieck: Mit dem Symbol sind russische Truppen erstmals Ende August in der Ukraine gesichtet worden.
Kreis im Dreieck: Mit dem Symbol sind russische Truppen erstmals Ende August in der Ukraine gesichtet worden. (Quelle: Screenshot Telegram)

Das ist neu. Einen Tag später tauchten auch Bilder auf. Der pro-ukrainische Twitterer @GirkinGirkin, dessen Beiträge mit häufig noch nicht öffentlich gezeigten Bildern regelmäßig in den Medien landen, postete ein Video und danach einen Screenshot: der Kreis in einem Dreieck. Deutlich zu erkennen, denn das frische Weiß des Symbols hebt sich kräftig vom Militärfahrzeug ab.

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Die Fahrzeuge mit dem taktischen Zeichen dürften zum neu aufgestellten 3. Armeekorps gehören. In den Tagen vor den Aufnahmen hatte das Conflict Intelligence Team, eine unabhängige russische Recherchegruppe, bereits in der Region Rostov entsprechende Verlegungen gemeldet. Durch Tores fuhren neue Einheiten – mit frischem Symbol.

Symbol auf Fahrzeugen des 3. Armeekorps

Es taucht seitdem immer häufiger auf. t-online konnte Meldungen, Bilder und Videos aus verschiedenen Regionen finden. Kreis und Dreieck waren etwa im Raum Mariupol zu sehen. Das russische Verteidigungsministerium selbst veröffentlichte ein Video einer Kolonne von Fahrzeugen, die in die Region Charkiw verlegt werden.

Es gibt noch mehr Bilder, auf denen zu sehen ist, wie mutmaßliche Verstärkung in die Nähe von Kurpjansk gebracht wird, einem Eisenbahnknotenpunkt, den die Ukrainer bei der Charkiw-Offensive gerade zurückerobert haben. Das "Ukrainische Militärzentrum", eine Nichtregierungsorganisation von Freiwilligen, ordnet das Symbol auf entsprechenden Aufnahmen ebenfalls dem 3. Armeekorps zu.

Das "Z" war bisher nicht die einzige Markierung auf den Fahrzeugen der russischen Angreifer. Es gab auch das O, das V, dazu seltener das X und das A. Es gab frühe Erklärungen des ukrainischen Militärs, wofür die Buchstaben stehen sollen: für ihre Herkunft. Und es gab Militärblogger, die das anhand von frei verfügbaren Informationen aus den Kriegsgebieten zu widerlegen versuchten und vor allem mit den Einsatzgebieten in Verbindung brachten.

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Bedeutung von Z, V, O, A und X nie richtig geklärt

Die O-Angreifer waren demnach nicht ausschließlich weißrussische Kräfte, Vs nicht identisch mit Einheiten des Marinekorps, und Tschetschenen, denen das X zugeschrieben wurde, fanden sich auch bei den Z-Einheiten, die für östliche russische Einheiten stehen sollten. Und die angeblich aus der Krim stammenden Einheiten mit einem Z in einem Quadrat kämpften weit entfernt. Ukrainer witzelten zwischenzeitlich bei eigenen Erfolgen, die Buchstaben stünden für den Namen ihres Präsidenten V_olodymyr O_eksandrovich Z_elenski.

V, O, Z: Das US-amerikanische Portal "Battle Order" analysierte in der ersten Phase des Krieges, wo welche taktischen Symbole auftauchten. Die Recherche wurde auch in großen oppositionellen russischen Kanälen verbreitet.
V, O, Z: Das US-amerikanische Portal "Battle Order" analysierte in der ersten Phase des Krieges, wo welche taktischen Symbole auftauchten. Die Recherche wurde auch in großen oppositionellen russischen Kanälen verbreitet. (Quelle: Screenshot YouTube)

Klar war lange nur: Die russische Propaganda hat das Z massiv ausgeschlachtet. Es wurde innerhalb kurzer Zeit weltweit zum Bekenntnis all derer, die die sogenannte "Spezielle Militäroperation" voll unterstützten und das zeigen wollten. Selbst beim Turn-Weltcup in Doha sprang ein russischer Medaillengewinner mit einem Z auf seiner Brust aufs Siegerpodest. Die Russen wurden danach von den Wettkämpfen ausgeschlossen.

Bei ersten prorussischen Korsos in Deutschland war das Zeichen noch zu sehen, ehe diverse Bundesländer erklärten, dass es eine Straftat darstellen könnte. Allein in Sachsen-Anhalt beschäftigt sich die Polizei mit 46 Fällen. Die Bäckerei Zoller in Esslingen ging vorbeugend so weit, ihr Markenzeichen Z nicht mehr wie bislang gewohnt ins Brot zu ritzen. Das Z ist auch zu einem Symbol für das Böse geworden. Wer Russland angreifen will, schreibt in sozialen Netzwerken von "Ruzzen".

Ukrainer malen "+"-Symbol

Die Aufregung ums Z könnte sich nun wieder legen. Es gibt zwar weiterhin Bilder von Fahrzeugen mit dem Buchstaben, aber eben auch Fotos und Videos, auf denen es übermalt ist. Einerseits, weil Ukrainer das Gerät erobert haben und zunehmend ein +-Symbol darauf malen. Andererseits auch von russischen Truppen, auf deren Fahrzeugen nun Kreis und Dreieck das Z verdecken.

Wie beim Auftauchen des Z gibt es bislang keine plausible offizielle Erklärung für dessen Bedeutung. Weil Fahrzeuge mit diesem Zeichen bereits Ende August gesichtet wurden, ist es offenbar keine Reaktion auf die jüngsten ukrainischen Erfolge, sondern allenfalls auf die bisher nicht erreichten Ziele der vergangenen Monate, die weitere Truppen nötig machen.

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Das Z steht nicht mehr für einen Durchmarsch und die Hoffnung auf schnelle Triumphe, sondern auch für viele getötete russische Söhne und Familienväter. Nach einer Umfrage des russischen Levada Centers waren in der letzten Augustwoche, also noch vor den empfindlichen Niederlagen in der Ostukraine, 48 Prozent der Russen für die Fortsetzung des Krieges – im Mai waren es noch 72 Prozent. Und russische Propagandisten setzen zunehmend weniger auf den Buchstaben, der für den Krieg steht.

Kriegsunterstützer löschen das Z

Der Moskauer Historiker Kamil Galeew berichtete am 1. September bereits von dem "interessanten Phänomen auf Telegram: Pro-Kriegs-Kanäle löschen massenweise die Z- und V-Buchstaben von ihren Profilen". Ein Beispiel ist etwa die Söldner-Gruppe Wagner. Galeev war es, der im April erklärt hatte, das Z sei zum "Symbol einer neuen russischen Ideologie und nationalen Identität" geworden". Nun fragte er: "Verlassen die Ratten das sinkende Schiff?"

Prorussische Kanäle verbinden mit dem Wechsel aber auch Hoffnungen: Die Deutsche Alina Lipp, die aus den besetzten Gebieten in einem Kanal mit fast 200.000 Abonnenten für Russlands Krieg Stimmung macht, schrieb: "Irgendetwas passiert hier". Sie erinnere sich noch, wie kurz vor dem Beginn des russischen Einmarschs am 24. Februar das erste Mal Fotos mit Z in den Kanälen aufgetaucht sind. Es sollte das bringen, was sie "Befreiung" und "Denazifizierung" nannte.

Jetzt muss ein neues Symbol, ein Dreieck mit Kreis, für neue Hoffnungen herhalten.

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Verwendete Quellen
  • merkur.de: Mit "Z" am Heck durch die Gegend gefahren: Geldstrafe und Fahrverbot
  • Twitter: Tweet zur Sichtung in Tores
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