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Bericht zum "Columbia"-Unglück: Crew starb in weniger als einer Minute

Untersuchungsbericht zum "Columbia"-Unglück  

"Sie konnten nicht wissen, dass es unmöglich ist"

05.01.2009, 18:07 Uhr | AFP, dpa, dapd

Kurz nach dem Start der "Columbia" platzten Teile des Hitzeschilds ab (Foto: AFP)Kurz nach dem Start der "Columbia" platzten Teile des Hitzeschilds ab (Foto: AFP)

Die sieben Astronauten an Bord des Space Shuttles "Columbia" überlebten weniger als eine Minute, als die Raumfähre am 1. Februar 2003 beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verunglückte. Das geht aus einem Bericht über die letzten Minuten der Crew und des Shuttles hervor, den die NASA am Dienstag veröffentlichte.

Als der erste Alarm schrillte, betätigte Pilot William McCool noch mehrere Schalter. Rund 40 Sekunden versuchte die Crew, das taumelnde Space Shuttle wieder unter Kontrolle zu bringen. Dann fiel innerhalb kürzester Zeit in der schon dunklen Kabine der Druck ab, die Besatzung verlor vermutlich das Bewusstsein. Kurze Zeit später brach das Shuttle auseinander.

Foto-Serie Das "Columbia"-Unglück

Letzte Sekunden sehr verwirrend

Die stellvertretende Leiterin der Untersuchung, die Astronautin Pam Melroy, sagte, die Studie habe gezeigt, dass die "Columbia"-Crew alles getan habe, um das Shuttle zu retten. "Sie konnten nicht wissen, dass es unmöglich sein würde", sagte Melroy. NASA-Manager Wayne Hale sagte, für die Besatzung seien die letzten Sekunden sehr verwirrend gewesen. Mehrere Alarmsysteme seien gleichzeitig angesprungen, und die Astronauten hätten sich bemüht, die Kontrolle wieder zu erlangen.

Hitzeschild beschädigt

Die "Columbia" war ohne Wissen der Crew und der Bodenzentrale beim Start beschädigt worden. Ein Stück Isolierschaumstoff war vom Haupttank abgesprengt worden und hatte ein Loch in den Hitzeschild des linken Shuttle-Flügels gerissen. Dadurch konnten beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre nach einer 16-tägigen Mission extrem heiße Gase in die Raumfähre eindringen. Das führte 16 Minuten vor der geplanten Landung zur Katastrophe.

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Kritik an der Ausrüstung

Die Autoren des Untersuchungsberichts kritisieren allerdings, die Astronauten seien unzureichend ausgerüstet gewesen. Sicherheitsgurte, Raumanzüge und Helme der Astronauten hätten Mängel aufgewiesen. So etwa hätten die Anzüge nur unzureichenden Wärmeschutz geboten, die Helme hätten schlecht gepasst; auch sei der Oberkörper der Raumfahrer nicht hinreichend in den Sitzen fixiert gewesen.

Space Shuttle drehte sich im Fall

Die Verfasser des Reports wiesen jedoch zugleich darauf hin, dass die "Columbia"-Astronauten auch mit besserer Ausrüstung keine Chance zum Überleben gehabt hätten. Als massive Rotationen sie durch die Kabine schleuderten und die schlecht sitzenden Helme ihre Schädel einschlugen, seien sie entweder schon durch den Druckverlust tot oder bewusstlos gewesen. Niemand unter der Besatzung habe die sengende Hitze und das Feuer gespürt, das beim Auseinanderbrechen des Shuttle entstand. Die Katastrophe habe sich so schnell ereignet, dass die Crew sogar keine Möglichkeit mehr hatte, Vorrichtungen in ihren Anzügen im Fall von Druckverlust zu aktivieren.

Videos und Trümmer untersucht

An dem Report war fünf Jahre lang gearbeitet worden. Die NASA hatte dabei auch Familienmitglieder der Verunglückten einbezogen. Der 400 Seiten umfassende Bericht stützt sich unter anderem auf die Auswertung von Videos, der Untersuchung von Trümmerstücken, auf medizinische Erkenntnisse und Computeranalysen. Nach Angaben eines Mitglieds des Untersuchungsteams wurde der Bericht während der Feiertage veröffentlicht, um den Familien der Opfer Gelegenheit zu geben, darüber zu sprechen.

Neuer Shuttle-Typ im Bau

Nach dem "Columbia"-Unglück waren die Missionen mit den verbliebenen Shuttles "Discovery", "Atlantis" und "Endeavour" für zwei Jahre ausgesetzt worden. Derzeit sind noch acht Missionen zur Raumstation ISS und zum Raumteleskop "Hubble" geplant, bevor die Shuttles nach drei Jahrzehnten ihren Betrieb einstellen. Ab 2014 sollen dann Shuttles der neuen "Orion"-Generation zum Mond und später auch zum Mars fliegen.

Bessere Schutzanzüge

Die NASA kündigte als Konsequenz aus dem Bericht an, den Schutz der Astronauten deutlich zu verbessern. Die Schutzanzüge müssten künftig so beschaffen sein, dass sie die Astronauten möglichst umfassend gegen starke Temperaturschwankungen, Chemikalien und Druckveränderungen abschirmen. In kritischen Phasen einer Mission müssen die Raumfahrer diese Ganzkörperanzüge tragen und auch am Oberkörper mit einem Gurt fixiert sein. Darüber hinaus sollen sie vollautomatische Fallschirme erhalten, die sich ohne manuelle Betätigung entfalten.

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