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Heidelberg: Student tötet bei Amoklauf in Uni eine Frau

Von dpa
24.01.2022Lesedauer: 3 Min.
PolizeiprÀsident Siegfried Kollmar
Siegfried Kollmar, PrÀsident des Mannheimer PolizeiprÀsidiums, spricht bei einer Pressekonferenz. (Quelle: Sebastian Gollnow/dpa/dpa-bilder)
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Bei einem Amoklauf in einem Hörsaal der UniversitĂ€t Heidelberg hat ein 18 Jahre alter Student eine junge Frau erschossen und drei weitere Menschen verletzt. Der TĂ€ter sei am Montagmittag mit einer Schrotflinte bei laufender Vorlesung in den Hörsaal gestĂŒrmt und habe um sich geschossen, teilte die Polizei mit.

Der deutsche StaatsbĂŒrger, der in Mannheim wohnte, habe der jungen Frau in den Kopf geschossen, erfuhr die dpa aus Sicherheitskreisen. Die 23-JĂ€hrige erlag ihren schweren Verletzungen wenige Stunden nach der Tat. Politiker zeigten sich entsetzt ĂŒber das Verbrechen, Bundeskanzler Olaf Scholz sagte in Berlin: "Es zerreißt mir das Herz."

SchĂŒtze kĂŒndigte seine Tat per Whatsapp an

Nach der Tat sei der 18-JĂ€hrige aus dem Uni-GebĂ€ude nach draußen geflohen und habe sich selbst getötet, teilte die Polizei mit. Kurz vor dem Amoklauf soll er seine Tat angekĂŒndigt haben. Er habe eine Whatsapp-Nachricht an "eine Person" geschickt und geschrieben, "dass Leute jetzt bestraft werden mĂŒssen", sagte Siegfried Kollmar, PolizeiprĂ€sident in Mannheim, am Abend. Das Geschehene sei "an Tragik nicht mehr zu ĂŒberbieten".

Nach ersten Erkenntnissen soll der TĂ€ter keine politischen oder religiösen Motive gehabt haben, hieß es in Sicherheitskreisen. Man gehe eher von einer Beziehungstat oder psychischen Problemen aus. Die Ermittler machten noch keine Angaben zum Motiv. DafĂŒr sei es noch zu frĂŒh, sagte Andreas Herrgen, Leiter der Staatsanwaltschaft Heidelberg.

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Waffen erwarb er im Ausland - ohne Waffenbesitzkarte

Der Biologie-Student habe zwei Gewehre dabeigehabt, die Tatwaffe sei eine Schrotflinte gewesen. Die Waffen habe er nach bisherigen Erkenntnissen vor einigen Tagen selbst im Ausland gekauft. Es gebe Kaufbelege. Zu klÀren sei nun, wer jemandem ohne Waffenbesitzkarte eine Waffe verkaufe.

Außerdem soll der Mann noch mehr als 100 Schuss Munition im Rucksack gehabt haben. Warum er mit dem Schießen aufgehört habe, wisse man noch nicht, sagte Kollmar. Das sei spekulativ. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass eine bestimmte Person getroffen werden sollte. Der 18-JĂ€hrige hĂ€tte noch nachladen können.

TĂ€ter war der Polizei bisher nicht bekannt

Der junge Mann sei bisher nicht polizeilich erfasst. Er habe auch keinen FĂŒhrerschein gehabt. "Das ist schon sehr außergewöhnlich, diese Sachlage", sagte der PolizeiprĂ€sident.

Weil bei der Leiche des jungen Mannes ein Rucksack mit unbekanntem Inhalt gewesen sei, habe die Polizei lange nicht zu dem Toten gekonnt. Es hĂ€tte sich um Sprengstoff handeln können, erklĂ€rte Kollmar. Das Landeskriminalamt Baden-WĂŒrttemberg habe daher auch EntschĂ€rfer geschickt, die den Rucksack untersuchten.

Schnell war klar: 18-JÀhriger ist ein EinzeltÀter

Schon kurz nach den SchĂŒssen am Mittag hatte die Polizei erklĂ€rt: "Wir gehen nicht von weiteren TĂ€tern aus." Zur Sicherheit werde das GelĂ€nde aber weiter abgesucht. Ein Spezialeinsatzkommando habe auf dem labyrinthartigen GelĂ€nde nach einem möglichen zweiten TĂ€ter gesucht. Gegen 15.15 Uhr dann die Entwarnung: Der Mann sei ein EinzeltĂ€ter gewesen. "Derzeit ist keine Gefahrenlage mehr gegeben."

Das Neuenheimer Feld vor den Toren der Heidelberger Altstadt war am Nachmittag weitrĂ€umig abgesperrt. Die Polizei richtete eine Hotline fĂŒr Angehörige ein. Am GelĂ€nde der UniversitĂ€t standen Dutzende Polizei- und Krankenwagen. Vor den Absperrungen standen junge Leute beisammen.

Geschockt und tief traurig: Studierende und Politiker

Die Studierendenschaft Ă€ußerte sich fassungslos. "Wir sind unendlich schockiert. Das ist eine Katastrophe, die sich allem Denkbaren zwischen Vorlesungen, Klausuren und Unileben entzieht", sagte der Vorsitzende Peter Abelmann.

Baden-WĂŒrttembergs MinisterprĂ€sident Winfried Kretschmann zeigte sich tief betroffen und versprach eine schnelle AufklĂ€rung der Tat. "Meine Gedanken sind bei den Familien und ihren Angehörigen. Wir sind an Ihrer Seite." Innenminister Thomas Strobl (CDU) ergĂ€nzte: "FĂŒr die Verletzten und die Beteiligten, auch die im Tutorium dabei waren, hoffe ich auf baldige Genesung an Leib und Seele." Es sei eine "entsetzlich belastende Situation".

Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (GrĂŒne) besuchte noch am Nachmittag den Tatort und zeigte sich erschĂŒttert: "Ich bin entsetzt. Es lĂ€sst einen sprachlos zurĂŒck, wenn unschuldige junge Menschen im Hochschulbetrieb so etwas erleben mĂŒssen."

Heidelbergs OberbĂŒrgermeister Eckart WĂŒrzner (parteilos) sprach den Opfern und Angehörigen sein MitgefĂŒhl aus. "Wir waren nicht nur fassungslos, wir können es eigentlich gar nicht glauben, dass so etwas bei uns in Heidelberg passiert."

GefĂŒhlter Angriff auf Offenheit der Hochschulen

Die Uni bereitet eine Trauerfeier vor. Genaue PlĂ€ne dazu konnte Rektor Bernhard Eitel am Montagabend noch nicht nennen. Die Hochschule ĂŒberlege zudem, wie die Tat intern aufgearbeitet werden kann. Den ganzen Tag erreichten ihn Bekundungen von Wissenschaftlern aus ganz Europa, die das Geschehen in Heidelberg verfolgten und Hilfe anböten. GefĂŒhlt handle es sich auch um einen Angriff auf die Offenheit der Hochschulen und die akademische Tradition.

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