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Oktoberfest 2022 in München: Wie ansteckend ist die Wiesn?


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Wie ansteckend ist das Oktoberfest?

Von dpa
Aktualisiert am 08.09.2022Lesedauer: 3 Min.
Oktoberfest: In diesem Jahr wird es wieder stattfinden.
Feiernde beim Oktoberfest (Symbolbild): In diesem Jahr wird es wieder stattfinden. (Quelle: Sven Hoppe/dpa-bilder)
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Die mit den Viren tanzen: Die Wiesn-Grippe ist ein geflügelter Begriff in München. Dieses Jahr wartet mehr als nur eine Grippe auf die Besucher.

Ein paar Tage nach dem Wiesnstart begann in München regelmäßig das Gehuste: Wiesn-Grippe. Das war immer so, das gehörte dazu. Dann kam Corona. Und jetzt gibt es auch noch die Affenpocken. Seit der letzten Wiesn 2019 hat sich die Welt verändert. Millionen Gäste aus aller Welt werden nun erstmals nach zwei abgesagten Oktoberfesten wieder in München erwartet – und mit ihnen auch diverse Erreger.

"Wir wissen seit langem, dass die erste Welle der grippalen Erkrankungen im Herbst sehr stark mit der Wiesn zusammenhängt", sagte kürzlich Johannes Bogner, Leiter der Sektion Klinische Infektiologie am LMU-Klinikum der Universität München. Das Phänomen sei seit über 100 Jahren bekannt. "Die erste Herbstgrippe, die holt man sich auf dem Oktoberfest."

Oktoberfest in München: Nährboden für Erreger

Ärzte registrieren folglich erhöhte Zahlen von grippalen Infekten – und zwar früher als in anderen Teilen des Landes. Für die Influenza ist das Volksfest hingegen fast zu früh, denn die "echte" Grippe grassiert meist erst nach dem Jahreswechsel bis in den März hinein.

Und Corona? Dass es eine Wiesn-Welle geben wird, daran zweifeln Mediziner nicht. "Natürlich wird es dazu führen, dass eine Erhöhung der Fallzahlen auftreten wird", sagte Bogner. Auch der Pandemie-Beauftragte des Klinikums rechts der Isar der TU München, Christoph Spinner, hat klargestellt: "Für diejenigen, die auf die Wiesn gehen: Die Übertragungswahrscheinlichkeit dort ist hoch."

Inzidenzen nach Gäubodenvolksfest in Straubing gestiegen

In der Vergangenheit zeigte sich bereits mehrfach, dass nach Volksfesten die Infektionszahlen nach oben schnellten. Zuletzt stiegen die Inzidenzen nach dem Ende des Straubinger Gäubodenvolksfestes: Straubing wies am Montag, zwei Wochen nach Ende des Festes, laut Robert Koch-Institut (RKI) mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 667,9 bundesweit deutlich den höchsten Wert auf, an zweiter Stelle folgte der Landkreis Straubing-Bogen mit 650,6.

Trotzdem sehen auch Mediziner keinen Grund, das größte Volksfest der Welt abzusagen, das wegen seiner Internationalität noch eine größere Verbreitungswirkung haben könnte. "Wir brauchen wieder mehr Normalität und können uns das auch leisten", sagt Bogner.

Allerdings sei das Oktoberfest nicht "normal", sondern seit jeher ein Ausnahmezustand. "Schon wegen der Menschenmassen, die dort zusammenkommen, ist es natürlich ein Ort, an dem Infektionskrankheiten grassieren können."

Oktoberfest: Affenpockengefahr gering

Neben Corona kursieren auch die Affenpocken. Gesundheitsexperten sind sich dennoch einig: Die Affenpockengefahr ist auf dem Volksfest gering, wenn man sich nicht sehr nahe kommt: Die überwiegende Mehrheit aller Infektionen trat bisher nach sexuellen Kontakten auf. Ein gewisses Risiko birgt die Wiesn durch ihre meist bierbedingte Enthemmung freilich schon.

Trotz dicht gedrängter Massen wurden jenseits der Wiesn-Grippe Infektionserreger bisher offenbar eher selten ausgetauscht. Magen-Darm-Erkrankungen, Herpes, Krätze, Läuse – all das spielte zumindest keine größere Rolle. Erbrechen ist zwar ein typisches Wiesn-Phänomen, aber meist als Folge übermäßigen Alkoholgenusses.

Es gebe immer mal Patienten, die sich mit Durchfall und Erbrechen auf der Sanitätsstation meldeten, sagt Michel Belcijan, Betriebsleiter der Aicher Ambulanz, die seit einigen Jahren den Wiesn-Sanitätsdienst betreibt. Vor allem, wenn mehrere Gäste betroffen waren, sei man alarmiert und denke etwa auch an das Norovirus, einen typischen Durchfall-Erreger.

Und sonst? Schlägereien, Maßkrug-Scherben, Alkoholräusche

Bei Verdacht auf eine Infektionskrankheit würden die Patienten isoliert, medizinisch behandelt und der Fall den Behörden gemeldet. Aber: "Einen "Ausbruch" während der letzten Veranstaltungen, die wir sanitätsdienstlich betreut haben, gab es nicht."

Das "Hauptgeschäft" für die Wiesn-Ärzte, aber auch für umliegende Kliniken, sind Verletzungen durch Schlägereien oder Maßkrug-Scherben und Alkoholräusche. Vereinzelt gibt es auch andere Erkrankungen – etwa Schlaganfälle und Herzinfarkte. "Alles das, was in einer mittelgroßen Stadt passiert – und das ist die Wiesn mit ihrer täglich sechsstelligen Besucherzahl – passiert auch hier", sagt Belcijan.

Das Aicher-Team bereitet sich derzeit auf die Wiesn vor – und plant auch Corona-Maßnahmen. Voraussichtlich werde für die Mitarbeitenden der Sanitätsstation eine FFP-2-Masken-Pflicht gelten, von Patienten werde wahrscheinlich das Tragen einer medizinischen Maske verlangt. Regelmäßige Händedesinfektion und Lüftung seien generell Standard.

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Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur dpa
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