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München: Silvestermord – Zeugin sagt beim Prozess zum Cold-Case aus


Mord vor 45 Jahren
"Ich wusste, dass beim Josef immer Stricherbubis waren"


04.03.2024Lesedauer: 3 Min.
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Justizpalast in MünchenVergrößern des Bildes
Mord verjährt nicht: Ein Engländer muss sich nach 45 Jahren vor dem Landgericht München I verantworten. (Quelle: Frank Leonhardt/dpa/dpa)

Der Prozess zum Silvestermord vor 45 Jahren geht in die zweite Runde. Eine der wenigen noch lebenden Zeuginnen sagt vor dem Landgericht München I aus.

Am Montagmorgen, kurz vor halb 9, sitzt der Angeklagte Joseph W. in einem hellen, karierten Hemd erneut auf der Anklagebank. Er ist Engländer. Im Ohr hat er ein Headset, darüber hört er seine Übersetzerin. Es geht bei dieser Verhandlung vor dem Landgericht München I um einen Mord, der in der Nacht vom 30. auf den 31. Dezember 1978 stattfand. Er hat den Münchner Josef B. das Leben gekostet. Als mutmaßlichen Täter hat die Staatsanwaltschaft den heute 70-jährigen Engländer Joseph W. wegen Mordes angeklagt.

Der Zeugenstuhl in der Mitte des Gerichtssaals ist zunächst leer. Der erste geladene Zeuge für diesen Tag kann aus gesundheitlichen Gründen nicht kommen. 15 Zeugen sind in den vergangenen 45 Jahren bereits verstorben, teilt der zuständige Richter mit. Doch eine Zeugin kann an diesem Montagmorgen doch aussagen.

Die 84-jährige Münchnerin hat bereits vor 45 Jahren bei der Polizei ausgesagt. An vieles kann sie sich noch gut erinnern, manche Erinnerungen sind aber auch verblasst. Als der Richter sie bittet, noch einmal zu erzählen, was Anfang Januar 1979 geschehen ist, antwortet sie: "Ich war diejenige, die das ganze überhaupt zum Laufen gebracht hat." Sie erinnere sich, dass sie kurz nach Neujahr mit dem Zug aus Mainz kam, wo sie Verwandte besucht hat.

Leichengeruch drang durch Lüftungsschacht

Als sie wieder zurück in ihrer Wohnung war, wollte sie duschen gehen. "Aber das war unmöglich, da war ein völliger Gestank", sagt sie vor Gericht aus. Auch in einem weiteren Zimmer habe sie den Geruch wahrgenommen. Dieser sei durch einen Luftschacht, der die beiden Bäder verbunden habe, zu ihr in die Wohnung gedrungen.

Kurz darauf habe sie der Bruder des Opfers angerufen, weil Josef B. sich an Silvester nicht bei ihm gemeldet habe. Er wollte wissen, ob sie einen Schlüssel für dessen Wohnung habe. Wenig später sei der Cousin des Opfers aus Augsburg angereist, um nach Josef B. zu schauen. Gemeinsam mit der Zeugin habe er die Polizei alarmiert.

Opfer habe oft "Stricherbubis" zu Besuch gehabt

Dass das Opfer Josef B. schwul war, sei der Zeugin bekannt gewesen. "Ich wusste ja, dass beim Josef immer irgendwelche Stricherbubis waren", sagt sie aus. Während der Aussage der Zeugin wirkt der Angeklagte Joseph W. amüsiert. Ein kleines Lächeln huscht immer wieder über sein Gesicht.

Auf die Frage des Richters, wie sie das Opfer beschreiben würde, antwortete sie: "Er war ein attraktiver, zuverlässiger Mann. Ich habe ihm gesagt, er soll sich mal einen festen Freund suchen und nicht immer nur diese Stricherbubis holen."

Unter "Stricherbubis" verstehe die Rentnerin junge Männer, die das Opfer für Sex bezahlt haben soll. Die Zeugin habe Männer aller Altersstufen bei dem Opfer ein und aus gehen sehen. "Das waren junge und sehr gepflegte, aber auch elegante, ältere Herren." Die Männer seien laut der Zeugin zu jeder Tageszeit zu Besuch bei Josef B. gewesen

Besuch kam zu jeder Tageszeit

Das Opfer habe immer wieder wechselnde Bekanntschaften gehabt. Manche seien öfter da gewesen. "Und es gab welche, die habe ich einmal gesehen und dann nie wieder", sagt die Zeugin vor Gericht.

Nach anderthalb Stunden Befragung wird die 84-Jährige entlassen. In den folgenden drei Verhandlungstagen werden die Aussagen der verstorbenen Zeugen, die vor 45 Jahren aufgenommen wurden, verlesen. Auch Sachverständige sind geladen. Ein Urteil wird für Mittwoch, den 3. April, erwartet.

Verwendete Quellen
  • Reporter vor Ort
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