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München: Kirchen-Missbrauchsgutachten – Ruf von Ex-Papst Benedikt XVI. steht auf dem Spiel

Münchner Missbrauchsgutachten  

Der Ruf des Ex-Papsts steht auf dem Spiel

14.01.2022, 16:57 Uhr | AFP, MaM

München: Kirchen-Missbrauchsgutachten – Ruf von Ex-Papst Benedikt XVI. steht auf dem Spiel. Ehemaliger Papst Benedikt XVI. (Archivbild): Seine Stellungnahme zu dem Missbrauchsskandal ist über 80 Seiten lang. (Quelle: imago images/ZUMA Wire)

Ehemaliger Papst Benedikt XVI. (Archivbild): Seine Stellungnahme zu dem Missbrauchsskandal ist über 80 Seiten lang. (Quelle: ZUMA Wire/imago images)

Es sind nur noch wenige Tage, bis das Gutachten über die Missbräuche im Erzbistum München und Freising vorgestellt wird. Für den ehemaligen Papst Benedikt XVI. und Kardinal Marx könnte das Konsequenzen haben.

Der Ruf des emeritierten Papsts Benedikt XVI. könnte stark geschädigt werden, der Münchner Kardinal Reinhard Marx ein erneutes Rücktrittsgesuch einreichen: Am kommenden Donnerstag wird ein Gutachten der Münchner Kanzlei Westphal Spilker Wastl zu Missbrauchsfällen im Erzbistum München und Freising vorgestellt. Dieses stößt auch international auf großes Interesse.

Vor allem der zum Papst aufgestiegene frühere Münchner Erzbischof Joseph Ratzinger scheint um seinen Ruf zu fürchten. Der 94-jährige Ratzinger, der als emeritierter Papst zurückgezogen im Vatikan lebt, dürfte wohl auch deshalb so umfassend ausgesagt und eine 82 Seiten umfassende Stellungnahme für das Gutachten abgeliefert haben. Ratzinger war von 1977 bis 1982 Münchner Erzbischof. In diese Zeit fällt ein Missbrauchsfall, der heute vielen als Beispiel für den verantwortungslosen Umgang der katholischen Kirche mit dem Thema Missbrauch gilt.

1980 wechselte der als Missbrauchstäter verurteilte Peter H. aus dem Ruhrgebiet ins Münchner Erzbistum. H. konnte auch in Bayern unbehelligt agieren und weitere Kinder missbrauchen. Die Mitverantwortung des damaligen Bischofs Ratzinger, aber auch der folgenden Bischöfe ist eine der Kernfragen des Gutachtens – Ratzinger ließ Äußerungen zurückweisen, er habe von der Vorgeschichte des Priesters Kenntnis gehabt.

Münchner Kanzlei erstellte auch Kölner Gutachten

Ob der spätere Papst durch das Gutachten entlastet oder belastet wird, ist offen. Der Inhalt der Expertise ist bisher unbekannt. Auch die aktuellen Verantwortlichen um den amtierenden Münchner Erzbischof Marx kennen den Inhalt des Gutachtens noch nicht und wollen erst eine Woche nach seiner Präsentation, am 27. Januar, Stellung beziehen.

Marx beauftragte die zuvor schon im Bistum Aachen als Gutachter tätige Kanzlei Westphal Spilker Wastl. Sie erstellten auch das Gutachten für das Erzbistum Köln, das der dortige Kardinal Rainer Maria Woelki lange unter Verschluss hielt und eine tiefe Vertrauenskrise auslöste. Woelki befindet sich im Moment in einer Auszeit – obwohl in seinem Bistum nach der kritisierten Aufarbeitung Katholiken in Scharen aus der Kirche austraten, wird seine Rückkehr für März erwartet.

Papst lehnte erstes Rücktrittsgesuch von Marx ab

Wie der Münchner Kardinal Marx mit dem Gutachten umgeht, ist offen. Marx bot schon im Mai vergangenen Jahres noch während der laufenden Arbeiten an dem Gutachten Papst Franziskus seinen Rücktritt an – ausdrücklich auch mit Hinweis auf Verfehlungen im Missbrauchsskandal. Franziskus lehnte sein Rücktrittsgesuch jedoch ab. Ein erneutes Rücktrittsgesuch schloss Marx damals jedoch nicht aus – etwa für den Fall, dass neue Vorwürfe aufkommen.

Doch Papst Franziskus zeigte bisher wenig Interesse daran, mit dem Austausch führender Kleriker auf Vorwürfe und Verfehlungen im Umgang mit Missbrauchsfällen zu reagieren. So lehnte er auch das Rücktrittsangebot des Hamburger Bischofs Stefan Heße ab, dem aus seiner Kölner Zeit mehrere Verfehlungen im Umgang mit Missbrauchsfällen nachgewiesen wurden.

ZdK-Präsidentin kritisiert Papst-Entscheidung

Irme Stetter-Karp, die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), äußerte am Freitag ihr Unverständnis für die Entscheidung des Papstes. Die ZdK-Präsidentin sagte, dass sie die Entscheidungen von Papst Franziskus nicht verstehen könne, Rücktrittangebote von Bischöfen wegen Pflichtverletzungen nicht anzunehmen. Der Schaden für die Kirche sei "inzwischen so groß, dass – wie im Erzbistum Köln – für die Gläubigen die Grenzen des Erträglichen erreicht sind."

In Köln führte das Missbrauchsgutachten auch deshalb nicht zu einer Befriedung der dortigen Lage, sondern zu anhaltender Wut über die katholische Kirche. Ob es in München nach der 82-seitigen Stellungnahme von Papst Benedikt und der Bereitschaft von Kardinal Marx zum Rücktritt anders läuft, wird sich wohl erst in den Wochen nach der Veröffentlichung des Gutachtens zeigen.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur AFP

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